Pokalerfolg in Dortmund Werder kann Spektakel

Bremer Helden: Max Kruse (links) und Jiri Pavlenka.

(Foto: REUTERS)
Von Ulrich Hartmann, Dortmund

Der DFB-Pokal gilt als jener Fußball-Wettbewerb, in dem man am schnellsten eine Trophäe bekommt. Die Bremer Spieler Jiri Pavlenka und Claudio Pizarro können das bestätigen. Als sie weit nach Mitternacht in den Mannschaftsbus stiegen, hielt der Torwart Pavlenka ein Bild mit dem Titel 'Man of the Match' in der Hand, und Pizarro trug eine Flasche Dortmunder Bier, aus der er genüsslich trank. Ein Mannschaftsbetreuer trug etwas später die nur zu einem Drittel geleerte Kiste aus der Kabine in den Bus nach. An der überschaubaren Menge war klar ersichtlich, dass es sich beim vorangegangenen dramatischen Pokalspiel noch nicht um das Finale gehandelt haben konnte.

Gejubelt hatten die Fußballer von Werder Bremen eine halbe Stunde vor Mitternacht nach dem 4:2-Sieg im Elfmeterschießen aber durchaus so, als hätten sie soeben den ersten Titel seit zehn Jahren gewonnen. Und ein bisschen so fühlt sich ein Pokaltriumph beim momentanen Bundesliga-Tabellenführer Borussia Dortmund auch an.

Je später der Abend, desto ereignisreicher der Fußball: Dies galt für das Achtelfinalspiel zwischen dem BVB und Werder. Zwei Tore in der 90-minütigen Regelspielzeit, vier Tore in der 30-minütigen Verlängerung und sechs Tore im siebenminütigen Elfmeterschießen - dann hatte die sonst so souveräne Dortmunder Borussia nach der Champions League (0:2 bei Atletico Madrid) und der Bundesliga (1:2 bei Fortuna Düsseldorf) auch im DFB-Pokal die erste Saison-Niederlage akzeptieren müssen.

Marco Reus muss früh raus - eine Schwächung für den BVB

Die frühe Werder-Führung durch Milot Rashica (5.) egalisierte Marco Reus kurz vor der Pause (45.) - und was dann später in der Verlängerung passierte, waren die Dortmunder in dieser ihrer so erfolgreichen Saison bislang einfach nicht gewohnt: Zwei Mal gingen sie in Führung, zwei Mal antwortete Bremen mit dem Ausgleich. Es war, als stünde ein Boxer nach zwei K.o.-Schlägen einfach wieder auf, um in der finalen Runde (Elfmeterschießen) seinerseits den K.o.-Schlag zu setzen.

"Wir haben uns ein bisschen dumm angestellt", sagte Reus hinterher. Er hatte zur Pause ausgewechselt werden müssen, weil sein Oberschenkel-Muskel schmerzte. "Ich wollte weiterspielen, aber dann haben wir mit dem Doc entschieden, auf Nummer sicher zu gehen", berichtete er. "Dass Marco Reus zur Halbzeit raus musste, war eine Riesenschwächung für Borussia Dortmund", sagte Bremens Trainer Florian Kohfeldt hinterher.

Am gegnerischen Personal wollte er diesen Triumph drei Tage nach einem äußerst enttäuschenden 1:1 in Nürnberg aber nicht festgemacht wissen. "Die Jungs haben gebissen - und wenn wir auch schon häufiger gebissen haben, so haben wir es heute mit Cleverness kombiniert", zeigte sich Kohfeldt begeistert von der Comeback-Mentalität seiner Spieler. Drei Minuten nach Christian Pulisics 2:1 (105.) glich Claudio Pizarro zum 2:2 aus; und sechs Minuten nach Achraf Hakimis 3:2 (113.) glich Martin Harnik zum 3:3 aus.