DFB-Pokal:Der kürzeste Weg zum Titel

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Bayern Munich's Martinez, Mueller and Mandzukic celebrate a goal against Augsburg during their third round DFB-Pokal match in Augsburg

Die Großen schlagen die Kleinen: Thomas Müller (Mitte) vom FC Bayern jubelt über seinen Treffer gegen Augsburg.

(Foto: REUTERS)

Weil die Spitzenklubs den DFB-Pokal immer wichtiger nehmen, stehen nun sieben Bundesligisten im Viertelfinale. Von aufmüpfigen Fußballzwergen hat sich der Wettbewerb erfolgreich emanzipiert. Freunde von langen, sensationslastigen Pokalabenden werden immer seltener auf ihre Kosten kommen.

Ein Kommentar von Boris Herrmann

Zwei Pokalabende liegen hinter uns. Zwei "lange Pokalabende", wie es im Fachjargon korrekt heißen müsste. Hat irgendwie Spaß gemacht. Irgendwie aber auch nicht. Um ehrlich zu sein, waren die langen Abende diesmal sogar ziemlich kurz. Keine Verlängerung, kein Elfmeterschießen weit und breit. Stattdessen acht handliche Achtelfinals zu je 90 Minuten, die acht erwartbare Sieger hervorbrachten. Am ehesten lag die Sensation noch auf Schalke in der Luft, wo dem Team von Jens Keller am Ende bloß drei Tore fehlten, um zwei Pflichtspiele in Serie zu gewinnen.

Von aufmüpfigen Pokalzwergen wie Eintracht Trier, VfB Eppingen oder Hertha BSC hat sich dieser Wettbewerb dagegen schon lange emanzipiert. Die Zusammensetzung des diesjährigen Viertelfinales sieht aus wie eine halbe Bundesligatabelle. Der einzige verbliebene Zweitligist heißt Kaiserslautern. Und der ist praktisch ein Erstligist, der gerade in der falschen Liga spielt. Der alte Kalender-Spruch, wonach der Pokal seine eigenen Gesetze kenne, war noch nie so falsch wie heute. Der Pokal hat seine Gesetzeslage an die der Bundesliga angepasst.

Es gab Zeiten, da genoss der DFB-Pokal bei den Spitzenklubs einen Status, der irgendwo zwischen nettem Accessoire und anstrengender Zusatzbelastung lag. Bei den mittelgroßen Vereinen galt er ferner "als kürzester Weg nach Europa". Auch das dürfte sich bald erledigt haben. Spätestens dann, wenn sich ab der kommenden Saison der Pokalfinalist nicht mehr für die Europa League qualifizieren kann.

Wie die laufende Woche bewiesen hat, kann der Pokal immer noch einer der kürzesten Wege zu einem ordentlichen Flutlichtspiel, einer klaffenden Fleischwunde oder einem tragischen Eigentor sein. Vor allem aber ist er der kürzeste Weg zu sich selbst geworden. Er ist nicht mehr Mittel zum Zweck, sondern Mittel zum Titel.

Nicht nur die kleinen und mittelständischen Fußballbetriebe träumen von Berlin. Auch in München und in Dortmund haben sie ein Bewusstsein dafür entwickelt, dass die Reise in die Hauptstadt neben reichlich Zusatzeinnahmen aus der verbesserten Fernsehvermarktung auch allerhand Prestige verspricht. BVB-Trainer Klopp hat gerade erzählt, das Pokalfinale 2012 bedeute ihm mindestens so viel wie das Champions-League-Finale 2013 (was nicht zuletzt am jeweiligen Ergebnis liegen könnte).

Was grundsätzlich für eine gesunde Entwicklung dieses Wettbewerbes sprechen mag, spricht gleichzeitig dafür, dass die Freunde von langen, sensationslastigen Pokalabenden künftig immer seltener auf ihre Kosten kommen werden. Wenn alle gewinnen wollen, gewinnen eben meistens die Großen. Der Trend geht deshalb klar erkennbar in Richtung Double. Zumindest dort, wo er nicht ins Triplehafte changiert.

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