Süddeutsche Zeitung

Geschichten aus dem DFB-Pokal:Meckern am Montag, spotten im Saarland

Ein Bundesligist schafft's knapp, der andere blamiert sich: Darmstadt scheidet bei einem Viertligisten aus, Köln quält sich in die zweite Runde - doch Trainer Baumgart hat einen besonderen Grund zur Kritik.

Von Ulrich Hartmann

Dass Montagsspiele im deutschen Profi-Fußball noch immer nicht vollends abgeschafft sind, musste Steffen Baumgart als Trainer des 1. FC Köln am eigenen Leib erfahren. In den drei Profiligen gibt es sie zwar nicht mehr, weil die Fans hartnäckig dagegen gewettert haben, doch im DFB-Pokal fanden am Montagabend noch vier Partien der ersten Runde statt. Baumgart beklagte also das Montagsspiel ebenso wie den Umstand, dass der Bundesliga-Kontrahent Borussia Dortmund zwei Tage mehr Zeit für die Vorbereitung auf das Auftaktspiel am Samstagabend hat.

Vermutlich hatte Baumgarts miese Laune auch damit zu tun, dass seine Kölner zum 3:1-Sieg beim Zweitligisten VfL Osnabrück 120 Minuten Anstrengung benötigten - und dass sich Mark Uth, Davie Selke sowie Timo Hübers verletzten. Anders als die vier Bundesligisten Werder Bremen, VfL Bochum, FC Augsburg und Darmstadt 98 vermieden die Kölner immerhin das Pokal-Aus, dank der Treffer von Sargis Adamyan (93.) und Julian Chabot (97.) zum 2:1 und zum 3:1. Und ein kurzer Hinweis zu Baumgarts Beruhigung: Von der zweiten Runde an findet auch im DFB-Pokal kein Spiel mehr an einem Montag statt.

Am nächsten Sonntag bestreitet der SV Darmstadt 98 bei Eintracht Frankfurt sein erstes Bundesliga-Spiel seit sechs Jahren und drei Monaten. Sechs Tage vorher musste sich der Trainer Torsten Lieberknecht kurioserweise aber bei allen Darmstädter Fans ausdrücklich entschuldigen. Die Vorfreude auf die Bundesliga-Rückkehr wird in der südhessischen 160 000-Einwohner-Stadt nämlich akut getrübt durch eine 0:3-Niederlage in der ersten Runde des DFB-Pokals. So ein ganz schön deutliches 0:3 wäre vielleicht verschmerzbar gewesen, wenn es gegen einen Erstligisten gegangen wäre, aber Darmstadt war ja nicht bei einem Erstligisten zu Gast gewesen, auch nicht bei einem Zweit- und nicht mal bei einem Drittligisten - sondern beim saarländischen Viertligisten FC Homburg.

Dementsprechend war Darmstadts Bundesliga-Generalprobe ein peinlicher Reinfall. "Und ihr wollt erste Liga sein!?", sangen die gegnerischen Fans genüsslich. "Zugegeben, das hatte mit erster Bundesliga nichts zu tun", antwortete Trainer Lieberknecht etwas verspätet in aller Demut auf der Internetseite des Klubs. Am Sonntag müssen die Darmstädter nun umso dringlicher beweisen, dass sie erste Liga aber schon auch draufhaben.

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