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DFB-Pokal: Augsburg besiegt Köln:Tritte in der Puppenkiste

Augsburg sorgt für eine Sensation und bezwingt Köln mit 2:0. Die Geißböcke erregen sich über den Schiedsrichter - weil der gleich drei von ihnen vom Platz stellt. Vor allem die gelb-rote Karte für Podolski ist umstritten.

Es ist beim FC Augsburg guter Brauch geworden, bei entsprechendem Anlass die Gäste mit einem speziellen Geschenk zu begrüßen. Beim 1. FCKöln wollte der Zweitligist da keine Ausnahme machen, schließlich kommt es nicht oft vor, dass der Klub aus Schwaben einen Bundesligisten bei sich begrüßen darf. Nächste Saison, so wünschen es sich die Augsburger, würden sie das im Fall des Aufstiegs gerne regelmäßig machen.

Kölns Adil Chihi war zuerst der beste Spieler seiner Mannschaft - und dann der erste von drtei Akteuren, der vom Platz musste.

(Foto: Foto: Getty)

An diesem Pokalabend aber blickte Youssef Mohamad, der Kölner Kapitän, noch reichlich irritiert auf das, was sein Gegenüber Uwe Möhrle ihm da vor dem Anpfiff in die Hand gedrückt hatte. Statt des erwarteten Vereinswimpels nahm Mohamad eine liebevoll gestaltete Marionette von Jim Knopf entgegen, dem Helden der Augsburger Puppenkiste, dem bislang einzigen Augsburger Ereignis mit nationaler Fernsehpräsenz. Von einem Kinderspiel war dieser Fußballabend allerdings weit entfernt, bei dem Augsburg mit einem 2:0 (1:0) für die Überraschung dieses DFB-Pokal-Viertelfinals sorgte.

Das Spiel lief noch keine drei Minuten, da blickte Mohamad ein erstes Mal konsterniert durch den Strafraum in das für den FCA mit 30660 Zuschauern erstmals voll besetzte Rund. Sein Blick traf den von Faryd Mondragon, und auch der Torhüter des 1. FC Köln konnte den Spaß an diesem Abend nicht finden. Gerade noch hatte er nach einem ersten schnellen Angriff des FCA gegen Jens Hegeler die erste Parade gezeigt, da zappelte der Ball auch schon zum 1:0 für die Gastgeber im Netz. Daniel Brinkmann hatte eine Flanke nach dem folgenden Eckball scharf in den Strafraum gebracht, der von Kölns Abwehr völlig allein gelassene Michael Thurk musste am Fünfmeterraum nur noch den Fuß hinhalten (3.) - Tor für den Außenseiter, den Tabellendritten der zweiten Liga, es war ein Auftakt wie am Taktikbrett erträumt.

Ein furioser Offensivstart wie dieser war es, was FCA-Trainer Jos Luhukay sich von seiner Mannschaft gewünscht hatte. Die Spieler dazu hat der selbsternannte Aufstiegsaspirant, die bundesligaerfahrenen Marcel Ndjeng oder Ibrahima Traoré etwa, die jederzeit mit blitzschnellen Vorstößen über die Flügel für Gefahr sorgen können. Oder aber diesen Michael Thurk, der mit seinem mittlerweile 22.Pflichtspieltor der Saison der derzeit erfolgreichste Stürmer in Deutschland ist.

Köln hielt dagegen mit dem agilen Adil Chihi, der hinter der einzigen Spitze Milivoje Novakovic Tempo ins Kölner Spiel brachte. Doch nach einer halben Stunde waren es weniger die munter und herzhaft vorgeführten Spielzüge der Protagonisten, die für Aufregung sorgten, als vielmehr die Entscheidungen von Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer.

Der 21-jährige Adel Chihi, der noch am Samstag mit seinem 3:3-Ausgleich gegen den Hamburger SV als Sinnbild für den merklichen Aufschwung der Kölner gegolten hatte, musste nach einer Auseinandersetzung mit Augsburgs Youssef El Akchaoui einen Weg einschlagen, auf dem ihn später nicht nur der eingewechselte Lukas Podolski, sondern auch Mittelfeldspieler Petit folgen sollten.

"Das ist schon bitter"

Schon mehrmals hatten Chihi und El Akchaoui sich intensiv und teils grenzwertig beharkt. Nachdem der Augsburger zweimal seine Beine statt des Balls getroffen hatte, schlug Chihi um sich - und Kinhöfer zückte Rot (30.). Bei dem einen Platzverweis für Köln blieb es aber nicht. "Mit dem Platzverweis haben wir unseren besten Spieler verloren", meinte Kölns Trainer Zvonimir Soldo, "nach dem zweiten Platzverweis war für uns Schluss."

In der 69. Minute sah Lukas Podolski - der wegen seiner Rückenprobleme und zuletzt einer Fußprellung erst neun Minuten zuvor eingewechselt worden war - erst für ein Foul Gelb, als er die Entscheidung dann beklatschte, folgte Gelb-Rot. "Wenn man fürs Daumenhochstrecken eine rote Karte bekommt, ist das schon bitter", sagte Podolski, "das war ein Pokalfight mit Emotionen, und die darf man dann auch mal zeigen." Kurz vor dem Abpfiff war auch für den gelbbelasteten Petit wegen Meckerns vorzeitig Schluss (85.). Das 2:0 durch Nando Rafael war nurmehr die Zugabe (87.).

Andreas Rettig wollte sich den Abend nicht vermiesen lassen: "Das ist ein Highlight der Vereinsgeschichte", meinte der FCA-Manager, und: "Ich bewerte nur die Leistung unserer Mannschaft, und die war heute erstklassig." Rund 2,2 Millionen Euro ist der Halbfinaleinzug für den FC Augsburg wert. Und der Rest der Branche wird sich künftig vor Jim Knopf etwas mehr in Acht nehmen.

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