Als Endspiel für Markus Babbel war das Pokal-Achtelfinale des VfB Stuttgart bei Greuther Fürth bezeichnet worden. Nach zuvor vier Niederlagen in fünf Spielen musste dem Trainer des VfB ein Sieg gelingen. Am Dienstagabend, um kurz vor neun, war klar: Babbel hat sein Endspiel verloren. 1:0 (1:0) gewann der Zweitligist SpVgg Greuther Fürth gegen den Champions-League-Teilnehmer VfB Stuttgart. Niedergeschlagen schlichen die Stuttgarter zu den mitgereisten Fans, die ihnen nicht zujubelten, sondern schimpften. Am Samstag steht das Spiel gegen den FC Bayern an, und in Stuttgart denkt die sportliche Leitung nun intensiv darüber nach, ob Babbel dann noch auf der Bank sitzt. "Ich hoffe, dass ich die Chance bekomme weiterzumachen", sagte Babbel. Sportdirektor Horst Heldt sagte jedoch: "Es ist keine einfache Situation. Wir wollten hier gewinnen." Er schaute ernst, beinahe betreten, und fügte an: "Die Situation ist nicht einfacher geworden." Ein Bekenntnis zum Trainer gab er nicht ab.

Es zählt zu den Mysterien des Fußballs, wie gut besetzte Mannschaften den Faden verlieren. Erst ist es nur ein bisschen Pech, dann verliert das Team Spiele, in denen es den besseren Eindruck hinterlässt, und schließlich scheint alles wie verhext zu sein. Den Weg ins eigene Tor findet der Ball mit Leichtigkeit, im Tor des Gegners scheinen mehrere Torhüter zu stehen, außerdem nimmt die Zahl am Pfostentreffern zu. Nichts geht mehr.
Engagiert, aber glücklos
Der Trainer Peter Neururer hat einmal vom "Flow" gesprochen, den es im Fußball gibt. Damit hat er die wunderbaren Wochen beschrieben, in denen alles läuft. Wechselt der Trainer einen Spieler ein, erzielt der kurz vor Schluss den Siegtreffer. Abgefälschte Bälle fliegen auf wundersame Weise ins gegnerische Tor. Was auch immer passiert, alles wird gut. Das Gegenteil dieses "Flows" haben schon viele Mannschaften erlebt, und seit einigen Wochen steckt der VfB Stuttgart im "Anti-Flow", im Anti-Lauf.
Auch beim Spiel in Fürth hat sich nichts an der Misere geändert. Der VfB begann schwungvoll, es war der Mannschaft anzumerken, dass sie ein Zeichen setzen wollte. Bereits in der dritten Minute kam es nach einer Ecke erstmals zu Konfusion im Fürther Strafraum, doch sowohl Pawel Pogrebnjak als auch Zdravko Kuzmanovic brachten den Ball nicht aufs Tor. Wenig später setzte sich Kapitän Thomas Hitzlsperger - der zuvor einige wirklich schlechte Standards geschossen hatte - aufs Eleganteste im Mittelfeld durch: Mit der Hacke zirkelte er den Ball am Gegenspieler vorbei, dann stürmte er los im Richtung des Tores, er zog ab mit seinem mächtigen linken Fuß - und traf die Kugel nicht richtig, die meterweit am Fürther Tor vorbeirollte (16. Minute). Die Szene wirkte wie ein Symbol: Engagiert, aber glücklos, das war der VfB der ersten Halbzeit.
Ganz allmählich trauten sich die Fürther auch mal ein wenig nach vorn. Sami Allagui gab einen ungefährlichen Schuss aus 18 Metern ab (29.), als wolle er prüfen, wie sich das anfühlt. Dann wurden sie etwas mutiger: Leonhard Haas spielte einen genauen Pass zu Bernd Nehrig, der mit etwas Glück den Ball im Strafraum gegen Stuttgarts Artur Boka behauptete. Da er auch von Matthieu Delpierre nicht angegriffen wurde, schoss er den Ball aus rund zehn Metern ohne Umschweife zum 1:0 ins Tor (32.). Die Stuttgarter schauten fassungslos. Sie ließen nicht die Schultern hängen, sie haderten nicht: Sie waren fassungslos. Schon wieder ein Rückstand. Gegen einen Zweitligisten!
Bis zur Pause wirkten die Schwaben verunsichert, anschließend waren sie wieder das überlegene Team, aber sie kamen zunächst nicht zu Torchancen. Auch nach einer Stunde war Hitzlspergers verunglückter Versuch der einzige Stuttgarter Torschuss der Partie. Markus Babbel reagierte, er brachte Aliaksandr Hleb und Julian Schieber. Tatsächlich kam etwas mehr Schwung in die Partie, doch es häuften sich auch die Abspielfehler, ein Zeichen von Nervosität. In der 76. Minute kam Elson aus 14 Metern frei zum Schuss und jagte den Ball drei Meter über die Latte. Zwei Minuten später wehrte Fürths Torwart Stephan Loboué einen Schuss von Schieber in die Mitte ab, Stuttgarts Ciprian Marica stand frei vor dem Tor, und als spiele er einen Rückpass, schob er den Ball in Loboués Arme. Größer werden Chancen nicht.
In der hektischen Schlussphase traf der VfB natürlich noch den Pfosten (87.), so ist das, wenn es nicht läuft. Fürth hielt wacker dagegen, der VfB rannte und kämpfte, doch ein Tor gelang der Mannschaft nicht mehr - sie vergab aber durch Marica und Delpierre noch zwei Riesenchancen (90., 90.+2). "Die kommen einmal nach vorne und machen gleich ein Tor", bilanzierte Horst Heldt frustriert, "und wir treffen aus zwei Metern nicht."
