Der Handbrecher
Vieles ist neu beim FC Augsburg, seit Sandro Wagner dort Trainer ist. Die Geschichte aber kann der 37-Jährige vor seinem Pflichtspieldebüt am Sonntag im DFB-Pokal beim Halleschen FC nicht ändern, auch nicht die vier Erstrundenniederlagen seit dem Bundesligaaufstieg 2011 in Unterhaching (2023), Verl (2019) und Magdeburg (2017, 2014). Kapitän Jeffrey Gouweleeuw, 34, kann davon berichten, er ist schon seit 2016 in Augsburg. Drei der vier Blamagen bei den damaligen Dritt- und Viertligisten fallen in seine Zeit. Auch deshalb will der mit Abstand dienstälteste FCA-Profi trotz des Bruchs seiner rechten Hand vor einer Woche spielen, um beim Tabellenführer der viertklassigen Regionalliga Nordost weiteres Ungemach zu verhindern.
Die bereits operierte Fraktur ist dabei Nebensache für Chef Jeff. Vergangene Saison machte er mit gebrochener linker Hand zwei Spiele, ehe er die Knochen richten ließ. „Ich bin wohl der einzige Fußballprofi, der sich beide Hände gebrochen hat“, witzelt der Innenverteidiger. Ohnehin ist der Hand- auch ein Rekordbrecher. Zum Niederländer mit den meisten Bundesligaspielen hat er es gebracht, zum Augsburger mit den meisten Bundesligaspielen fehlen ihm noch 16 Einsätze. Den FCA-Höchstwert der meisten Erstrundenniederlagen will er keinesfalls ausbauen. Schon gar nicht bei Wagners Pflichtspieldebüt.

Rekordwerte
Kein Punkt, kein Tor, letzter Platz: Nach den ersten beiden Spielen in der dritten Liga könnte man meinen, es sei gerade kein besonders guter Moment für den 1. FC Schweinfurt 05, um ein Pokalspiel gegen den Zweitligisten Fortuna Düsseldorf zu bestreiten. Auf den zweiten Blick wird aber klar, dass das eine sehr einseitige Sicht auf die Dinge ist. Im Grunde muss sich Schweinfurt nur ein Beispiel an Norbert Kleider nehmen: Als Mann zwischen den Pfosten hat er seit Oktober 1981 und einem 0:1 gegen Waldhof Mannheim im DFB-Pokal nicht mehr verloren, gegen Düsseldorf ist er ohnehin ungeschlagen – und ob er jemals bei einem Montagsspiel an einem lauen Sommerabend überhaupt ein Gegentor kassiert hat, wäre auch erst noch zu beweisen.
Gut, Kleider ist mittlerweile 73 und hat ebenso viele Spiele gegen Düsseldorf wie seit Oktober 1981 im DFB-Pokal bestritten (null), aber es genügt doch, das im Kleingedruckten zu erwähnen. Inzwischen ist Kleider schon seit 40 Jahren Schweinfurts Torwarttrainer und Busfahrer in Personalunion. Beim ersten Auswärtsspiel dieser Saison lenkte er die Mannschaft zwar an der Einfahrt zum Stadion von Viktoria Köln vorbei, solche Fehler dürften ihm am Montag aber nicht passieren: Gegen Düsseldorf spielt Schweinfurt zu Hause.

Sensationelles
Die Fans der SpVgg Greuther Fürth begehren zwar schon lange dagegen auf, dass ihr Klub das ungeliebte „Greuther“ mit sich führt, aber im Grunde könnte es der Anhang doch auch so sehen: Seit dem Beitritt des TSV Vestenbergsgreuth im Jahre 1996 trägt Fürth eine der größten Pokalsensationen überhaupt in seinem Namen. 1994 besiegte Vestenbergsgreuth den FC Bayern in der ersten Runde mit 1:0, später sahen die Pokalsensationen eher so aus, dass Fürth gegen Babelsberg, die Stuttgarter Kickers oder Homburg verlor. Mal war der Gegner Regionalligist, mal Oberligist – im Grunde konnte er aber gar nicht klein genug sein, um Fürth zu blamieren.
Nun trifft der Zweitligist auf Blau-Weiß Lohne, einen Regionalligisten. Man darf also davon ausgehen, dass alles angerichtet ist für die nächste Sensation. Oder etwa nicht? Seit Januar hat Fürth wieder einen Pokal-Experten in seinen Reihen: Felix Klaus. Der Offensivmann stand schon zweimal in einem Halbfinale, 2024 mit Düsseldorf und – siehe da – 2012 mit Fürth. Auf dem Weg dorthin verpasste er zwar das Achtelfinale gegen Nürnberg wegen Zahnschmerzen, aber jetzt ist er wohlauf: In den ersten zwei Punktspielen erzielte Klaus jeweils ein Tor und schoss sich schon mal warm für die nächste Sensation: einen Fürther Sieg gegen Lohne.

Handschuhhelden
Wenn Sepp Herberger recht hat – und wer würde es ernsthaft wagen, daran zu zweifeln –, wenn es also stimmt, was Herberger sagt, dann wird das Jahnstadion am Sonntag leer bleiben. Die Leute, stellte der einstige Bundestrainer irgendwann einmal fest, würden ja vor allem deshalb zum Fußball gehen, weil sie nicht wüssten, wie es ausgeht. Wenn die Regensburger aber den 1. FC Köln in der ersten Pokalrunde empfangen, ist das Ergebnis und sogar der gesamte Spielverlauf im Grunde schon vor dem Anstoß klar: Eine Mannschaft wird zwei Tore vorlegen, diesen Vorsprung aber pflichtbewusst verspielen, weil es ja ein packender Pokalfight werden soll. So geht es nach 90 Minuten beim Stand von 2:2 in die Verlängerung, in der selbstverständlich kein weiteres Tor fällt – und im Elfmeterschießen gewinnt Regensburg dann 4:3. So war es im Februar 2021, und so war es auch im Juli 2022. Beim ersten Duell hieß der gefeierte Regensburger Torhüter Alexander Meyer, beim zweiten Dejan Stojanovic. Jetzt haben es der Jahn und der FC zum dritten Mal im Pokal miteinander zu tun, und so wird es nun Felix Gebhardt sein, der das 4:3 sichert und zum Helden in Handschuhen wird. Offen ist nur, wer die Tore schießt. Vielleicht verirren sich also doch ein paar Fans ins Stadion.

Der Rückkehrer
Es ist nicht lang her, da tummelte sich Stürmer Semir Telalovic noch in den Amateur-Strafräumen der Regionalliga Bayern: in der Küchenstadel-Arena zu Pipinsried, dem ATS Sportpark in Heimstetten oder – am häufigsten – im Illertisser Vöhlinstadion. Genau dorthin kehrt der Sommerzugang des 1. FC Nürnberg an diesem Samstag zurück, und er soll mithelfen, den Fehlstart in der Liga mit einem Sieg gegen den FV Illertissen etwas abzufedern. Wenn sie beim FCN gerade eines gut gebrauchen können, dann sind es Tore. Und da sich Miroslav Klose nun einmal nicht selbst einwechseln kann – wenngleich seine Aussagen nach dem 0:1 gegen den SV Darmstadt 98 den subtilen Wunsch äußerten –, ist Telalovic einer, auf dem nun die Hoffnungen im Club-Sturm ruhen.
Seinen Durchbruch erlebte der Deutsch-Bosnier 2021 bei Illertissen. Über Gladbach, Blackburn und den SSV Ulm landete Telalovic schließlich in diesem Sommer beim Club, im Gepäck zwölf Zweitliga-Treffer, die Nürnberg 300 000 Euro wert waren. Für einen Platz in der Startelf reichte es an den ersten zwei Spieltagen der neuen Saison noch nicht. Vielleicht ändert sich das am Samstag. Denn dass er im Vöhlinstadion Tore schießen kann, hat Semir Telalovic schon zur Genüge bewiesen.

Trommler-Traum
Würde man deutsche Fußballfans darum bitten, zehn Regionalligisten des Landes aufzuzählen, wäre der FV Illertissen selbst bei den größten Kennern wohl eher selten in ihrer Aufzählung zu finden. Der Provinzklub machte zwar in den vergangenen Jahren des Öfteren durch den Gewinn des Landespokals und eine DFB-Pokal-Teilnahme auf sich aufmerksam, wandelt seit 2012 aber ununterbrochen in der bayerischen Viertklassigkeit umher, manchmal laut, meistens leise. Dabei hatten sie doch mal jemanden, der dafür sorgte, dass es ein bisschen lauter wurde. Stefan Mäck, besser bekannt als der „Trommler von Illertissen“, sorgte mit seinen Ein-Mann-Auswärtsfahrten und dem Gesang „Illertissen spielt international“ 2013 dafür, dass der FVI zumindest ein bisschen stärker ins kollektive Bewusstsein der deutschen Fußballfans rückte.
Rund um den Trommler entstand eine kleine, aber treue Fankultur in Illertissen. Seinen letzten großen Auftritt hatte Mäck 2023, er schrie, sang und trommelte die Mannschaft zum Toto-Pokalsieg, der zur Teilnahme am DFB-Pokal berechtigt, so auch 2025. Auf den FVI wartet ein schwächelnder Club aus Nürnberg, man selbst startete mit zwei Siegen aus drei Spielen in die Liga. Vermeintlich gute Vorzeichen für eine Sensation. Davon bräuchte es dann nur noch fünf weitere, dann spielt „Illertissen international!“
