Fußball-Nationalmannschaft:Flicks Trainerteam formiert sich

Nationalmannschaft: Benedikt Höwedes feiert den WM-Titel in Rio

Weltmeister 2014, DFB-Job 2021: Benedikt Höwedes übernimmt das Teammanagement bei der Nationalmannschaft.

(Foto: Frank Hoermann/Sven Simon/Imago)

Die Planungen des neuen Bundestrainers gehen voran: Weltmeister Benedikt Höwedes soll künftig das Teammanagement verstärken - und auch für einen alten Vertrauten Flicks könnte sich ein Plätzchen finden.

Von Christof Kneer

Die Anwesenheit von Benedikt Höwedes ist meistens eine Überraschung. Als er 2009 mit den jungen DFB-Kollegen die U21-Europameisterschaft gewann, schwärmten hinterher alle von Mesut Özil, Manuel Neuer, Jérome Boateng, Sami Khedira und sogar von Sandro Wagner. Dass Höwedes auch beteiligt war, entnahmen die Experten vor allem dem Statistikteil.

Als fünf Jahre später André Schürrle im Maracana-Stadion den linken Flügel hinaufrannte, um eine Flanke auf Mario Götze zu schlagen, drehte eine Nation fast durch: Weltmeister! Und Höwedes? Wieder muss man ein bisschen genauer hinschauen und die Szene mit dem Siegtor bis zur Mittellinie zurück spulen. Da bewacht Höwedes den Raum links hinter Schürrle, kurz bevor der zum Flankenlauf aufbricht.

Selbst heute, sieben Jahre nach dem Triumph von Rio, verblüfft das die Leute immer noch: Dass Höwedes bei der WM 2014 sieben von sieben Spielen absolviert hat. Er war ein tragendes Teil in jener berühmten Ochsenabwehr, in der ein vorübergehend pragmatisch gewordener Bundestrainer Löw lauter Innenverteidiger aufeinanderstapelte. Der Innenverteidiger Höwedes spielte fachfremd auf der linken Abwehrseite, und er spielte da so seriös, dass man sich an einen Fehler von ihm eigentlich nicht erinnern kann.

Viele sagen, Löw sei damals nur deshalb so pragmatisch gewesen, weil er von einem auf unauffällige Weise einflussreichen Co-Trainer Hansi Flick zum Titel geführt wurde. Das ist ja durchaus eine hübsche Pointe: Dass Flick sich in der Zwischenzeit mit sieben Titeln beim FC Bayern derart ins Rampenlicht gecoacht hat, dass er nun wie selbstverständlich Löws Nachfolger geworden ist. Besonders hübsch ist die Unterpointe: Natürlich ist auch Benedikt Höwedes wieder da, und natürlich hat ihn wieder keiner erwartet.

Am Mittwoch gab der DFB bekannt, dass Höwedes, 33, "künftig das Teammanagement der A-Mannschaft verstärkt". Er werde "in einer Art Traineeprogramm die Management-Aufgaben rund um die Nationalmannschaft durchlaufen". Das klingt genau so abstrakt, wie es im Moment noch ist, und es wird auch am ewigen Überraschungsgast liegen, eine auf Papier noch sehr breit definierte Rolle zuzuspitzen und mit Leben zu füllen.

Nun fehlt noch ein Torwarttrainer, einen Kandidaten für den Posten gibt es bereits

Höwedes wird demnächst gut zu tun haben, er wird sich zu Weiterbildungszwecken gleich an drei Jobs versuchen. Neben seiner Ausbildung bei Hansi Flicks A-Elf wird er an einem vom europäischen Fußballverband angebotenen Uefa-Master-Studienkurs für Nationalspieler teilnehmen, wie vor ihm schon die Bundesligamanager Sebastian Kehl (Dortmund) und Simon Rolfes (Leverkusen). Und für Amazon Prime wird er künftig den Champions-League-Fußball analysieren, er will verfolgen, was die großen Mannschaften und die großen Trainer da draußen machen und diese Erkenntnisse dann wieder hinein tragen in den DFB.

Ein Spielanalyst ist Höwedes allerdings nur im Fernsehen, bei der Nationalmannschaft gehört er nicht zum Trainerstab. Er ist eher eine Personalie des DFB-Direktors Oliver Bierhoff als eine von Hansi Flick. Alles, was zu Bierhoffs Jobprofil gehört, soll auch Höwedes zu sehen bekommen, einiges davon wird er Bierhoff abnehmen können, das ist jedenfalls der Plan. Für einen Verteidiger werden es recht umfangreiche Laufwege sein, die Höwedes da vor sich hat, er wird weit herumkommen, von der Mannschaftskabine bis hinein in die Sitzungssäle, in denen sich vor Länderspielen oder bei Verbandstagungen die Funktionäre treffen.

Es wird auch an Höwedes liegen, wie er diese Rolle akzentuiert. Gewiss wird er in all jene Entscheidungsprozesse einbezogen werden, in denen er seine Kenntnisse als WM-Spieler nutzbar machen kann - welches Teamquartier passt, wie die Abläufe vor einem Spiel zu gestalten sind, was die Mannschaft braucht. Dass Bierhoff sich hier womöglich einen Nachfolger für die A-Elf heranzieht, wird offiziell nicht bestätigt, um Höwedes erst mal ohne Druck herumschnuppern zu lassen. Aber es wird sehr demonstrativ auch nicht dementiert.

So wie Höwedes sich nun eine neue Karriere baut, so baut sich gerade auch der neue Bundestrainer sein Team zusammen. Vom FC Bayern hat Hansi Flick bereits den jungen Co-Trainer Danny Röhl, 32, mit zum DFB genommen, Ähnliches plant er nun mit dem nicht mehr ganz jungen Hermann Gerland. "Ich habe mit Hansi gesprochen, es ist noch nichts unterschrieben. Aber Hansi und ich sind uns einig", sagte Gerland, 67, am Mittwoch der SZ. Vermutlich wird Gerland beim DFB dem Scoutingbereich zugeordnet, womöglich als Chefaufseher, als Nachfolger von Thomas Schneider, der diesen Job gerade geräumt hat. So hätte Flick, 56, sein interessantes Münchner Mehr-Generationen-Haus beim DFB wiederaufgebaut - mit Gerland, der Ochsenabwehr unter den Traditionalisten, und mit Röhl, dem Anwalt der modernen Lehre.

Einen neuen Torwarttrainer braucht Flick jetzt noch, im Gespräch ist der Schweizer Andreas Kronenberg, 46, vom SC Freiburg. Womöglich wird Benedikt Höwedes in dieser Frage auch schon seine Expertise abgeben.

© SZ/mok/lfr
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