DFB-Remis gegen Serbien Das Publikum grollt

  • Die deutsche Nationalelf enttäuscht gegen Serbien auch im ersten Länderspiel des Jahres 2019.
  • Die Zuschauer äußern ihre Unzufriedenheit in Wolfsburg - von den Rängen kommen viele Pfiffe.
  • Die Nationalspieler sehen ihre Leistung kritisch - vor allem in der ersten Halbzeit.
Von Carsten Scheele, Wolfsburg

Hätte sich ein Zuschauer am Mittwochabend in der Wolfsburger Arena den Spaß gemacht und eine Liebeserklärung auf den Platz geschrien, wahlweise auch die Mutter gegrüßt oder lautstark den Einkaufszettel nach Hause durchgegeben, er wäre über die Außenmikrofone bestens zu verstehen gewesen, bis tief hinein in die deutschen Fernsehzimmer. So leise wie in der ersten Halbzeit zwischen Deutschland und Serbien war es jedenfalls lange nicht mehr gewesen bei einem Spiel der Fußballnationalmannschaft. Auf den Rängen wurde ein bisschen getrommelt, manchmal kurz geklatscht. Dann wieder diese Stille.

Bis zur 45. Minute. Dann kamen die Pfiffe.

Deutsche Nationalmannschaft "Das weiß ich schon seit 14 Jahren"
Bundestrainer Löw zur Klinsmann-Kritik

"Das weiß ich schon seit 14 Jahren"

Joachim Löw äußert sich zur Kritik seines Vorgängers Klinsmann - und erklärt, er könne mit dem Druck umgehen. Die DFB-Elf stehe vor einer neuen Zeitrechnung.

Der schottische Schiedrichter Bobby Madden hatte gerade zur Pause gebeten, da äußerten die Zuschauer, die zuvor die Anfeuerung verweigert hatten, ihren Unmut. Mit lauter Pfeiferei wurde gar der Stadionsprecher übertönt, der gerade etwas Optimismus verbreiten wollte: 0:1 zur Halbzeit im Test gegen Serbien, das könne ja eigentlich nur besser werden. Wurde es immerhin in der zweiten Halbzeit, für die DFB-Fußballer sprang noch ein 1:1 (0:1) im an und für sich unbedeutenden Testspiel heraus - doch die Pfiffe des Publikums beschäftigten die Nationalspieler.

Ganz einig waren sie sich nicht, wie der Groll des Publikums nun zu deuten war. Da war etwa İlkay Gündoğan, der die Nationalelf in der zweiten Halbzeit erstmals als Kapitän auf dem Platz anleitete, der den Unmut nur bedingt nachvollziehen konnte. "Das hilft uns natürlich nicht", erklärte Gündoğan. Die Pfiffe des Publikums seien für ihn "nicht verständlich, aber wir sind Profis". Auch Jonathan Tah bemerkte, man brauche in dieser Phase des Umbruchs sicher Unterstützung, aber keine Pfiffe.

Etwas anders klang das bei Joshua Kimmich ("verstehe, dass die Leute ungeduldig werden") und vor allem bei Leon Goretzka, der mit seinem Tor in der zweiten Halbzeit zumindest das Unentschieden gerettet hatte. Nach der verpatzten WM 2018 (Aus in der Vorrunde) und dem Abstieg in der Nations League müsse die Mannschaft zusehen, dass sie endlich wieder Leistung bringe. "Es liegt ja an uns, die Pfiffe in Freude und Jubel zu verwandeln", so Goretzka, was als schlüssige Argumentation durchgehen musste.

Der Kredit, den die deutschen Fußballer durch den WM-Titel 2014 und gute Leistungen in den Jahren danach erarbeitet hatten, scheint jedenfalls aufgebraucht - das wurde in Wolfsburg deutlich. Die erste Halbzeit war tatsächlich nicht schön anzusehen, die Serben waren durch einen Treffer des Frankfurters Luka Jović (12.) auch verdient in Führung gegangen. Dass die Mannschaft nach dem Radikalumbau von Bundestrainer Joachim Löw, der die Weltmeister Mats Hummels, Jérôme Boateng und Thomas Müller aus dem Team befördert hatte, noch um Stabilität ringt, war fast überall ersichtlich.

Die Serben mussten nur wenige Mittel aufwenden, um die Führung zu verwalten, die DFB-Spieler waren ohnehin vor allem mit sich selbst beschäftigt. "Wir haben uns in Räumen aufgehalten, in denen wir gar nicht sein wollten", beschrieb Goretzka das Kuddelmuddel der ersten Halbzeit. Löw hatte eine sehr junge Mannschaft aufgeboten, mit dem Debütanten Lukas Klostermann und seinem Leipziger Teamkollegen Marcel Halstenberg auf den defensiven Außenpositionen. Zwischen ihnen machten Niklas Süle und Tah als Innenverteidiger keine wirklich gute Figur, nicht beim Gegentor und auch nicht bei einigen Szenen danach.