DFB-Motto Die Falle hinter "Best never rest"

Zielstrebiger als die PR-Strategen? die deutschen Nationalspieler beim Training in Düsseldorf.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

"Die Besten ruhen sich nie aus" - der neue Slogan der Nationalelf widerspricht den Erkenntnissen der modernen Trainingssteuerung.

Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Zugegeben, sie haben eine schwere Aufgabe, all die PR-Strategen, die Joachim Löw und die Nationalmannschaft versorgen. Aber heutzutage braucht es zu jeder langen Reise halt ein kurzes Motto. Für den Zusammenhalt, zur Orientierung, gerade in der Weite Russlands kann man sich verlaufen. 2014 in Brasilien hat es mit dem Motto zur WM ja auch geklappt: "Bereit wie nie" hieß es, schon gab es dieses historische 7:1 gegen die Gastgeber und obendrauf den Titel.

Wie fern erscheinen da jene Zeiten, in denen die Nationalelf noch kein Motto, dafür aber Udo Jürgens mit dabei hatte. Der komponierte zur WM 1978 das Liedchen "Buenas Dias Argentina", Vogts und Dietz, Rummenigge und Abramczik trällerten mit, die Folgen sind in der Enzyklopädie des Fußballs in der Rubrik "Schmach von Córdoba" zu finden. Ganz narrisch waren sie, die Österreicher, die die deutschen Sängerknaben stürzten.

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Das Motto birgt eine sport-fachliche Falle

Nun ist die Ausgangslage ähnlich. Wieder mal reist eine deutsche Mannschaft als Titelverteidiger zur WM, und dass sie gegen so eine Schmach-Neuauflage bestens versichert zu sein scheint, glaubt nicht nur Mesut Özil. Der ist weder als Chorknabe noch Vielredner bekannt, bisweilen sogar des Phlegmas verdächtig, weshalb eine wilde Entschlossenheit auffällig ist: "Die Besten geben nie auf, und das wollen wir der ganzen Welt zeigen!", wird Özil aus Düsseldorf zitiert.

Der Bus der deutschen Nationalmannschaft fährt mit neuem Logo "Best never rest" zum Training.

(Foto: dpa)

Dort findet derzeit eine Art Erweckungsveranstaltung für Jogis Jünger statt, mit vielen PR-Terminen, Modeshootings im weißen und im grünen Trikot sowie einer Art vor-weltmeisterlichem Armdrücken am Freitag gegen die Spanier. Auch diese Iberer wissen, wie man einen WM-Titel holt, doch was das neue Motto angeht, kommt den Deutschen so schnell niemand hinterher: "BEST NEVER REST" ist in Großbuchstaben ab sofort auf dem schwarzen Mannschaftsbus zu lesen.

Auf den ersten Blick wirkt das Motto kurz und entschlossen wie Özil, auf den zweiten aber offenbart es eine sport-fachliche Falle. Denn dass sich die Besten niemals ausruhen sollen, entspricht kaum den Erkenntnissen der modernen Trainingssteuerung. Die empfiehlt täglich mehr als nur eine Mütze Schlaf, und so ist es halt auch hier ein schmaler Grat, auf dem dieses Motivations-Motto wandelt. Zumal es mit den Großbuchstaben nicht getan ist, das "V" in "NEVER" wird in goldener Farbe als römische Fünf hervorgehoben. "V" für den angestrebten fünften Titel - nach 1954, 1974, 1990 und 2014.

Der Korridor ist also eng gesteckt, in dem sich Joachim Löw frisch frisiert daran macht, als erster deutscher Weltmeistertrainer den Titel endlich mal verteidigen zu können. Auch wenn Löw immer häufiger warnt, der deutsche Fußball sei dabei, an Qualität einzubüßen, so zieht er mit einem personellen Reichtum wie kein Amtskollege zuvor in die WM. Man kann ihm deshalb nur wünschen, dass die Elf, die er auswählt, auf dem Rasen dann direkter spielt, als seine PR-Leute zu Werke gegangen sind. Weil: Die haben schon sehr um die Ecke gedacht.

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