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DFB-Elf vor dem Niederlande-Spiel:Van Dijk versus van Löw

An diesem Abend zeigt sich, wer schon mal für die EM-Endrunde 2020 in London planen kann? Die alten Rivalen Deutschland und Niederlande im unbestreitbaren und unbestechlichen Vergleich.

Dank des ehemaligen Uefa-Präsidenten Michel Platini findet die EM 2020 in 13 Ländern statt. Favoriten gibt es fast ebenso viele. Gehören die Deutschen und die Niederländer dazu? Das wissen sie selber nicht so genau, beide Nationalteams befinden sich in einem massiven Umbruch. Trotzdem müssen die logistischen Fragen (Flüge, Hotels) schon jetzt geklärt werden. Vor dem Duell der beiden sich selbst noch recht geheimen Favoriten ist die SZ gern behilflich und stellt den Reisebüros der Verbände im direkten Vergleich der ewigen Widersacher eine unbestreitbare und - für dieses Gewerbe ungewöhnlich - unbestechliche sportliche Analyse zur Verfügung.

Obwohl Platini nicht mehr Uefa-Chef ist und sich wie Reinhard Grindel, Wolfgang Niersbach und Sepp Blatter im Funktionärsexil im Höllental befindet, trägt die amtliche Tauglichkeitsplakette seinen Namen. Die bronzene Platini-Plakette zeigt die sportliche Tauglichkeit für die zweiwöchige Vorrunde an, die silberne empfiehlt immerhin Reisedispositionen bis zum Viertelfinale, das goldene Gütesiegel legt frühzeitige Reservierungen für Halbfinale und Endspiel im teuren London nahe.

Tor

Im niederländischen Tor steht Jacobus Antonius Peter Cillessen, das klingt fast noch besser als Marc-André ter Stegen. Aber die Wahrheit ist: Hollands Nummer eins, Cillessen, war beim FC Barcelona nur die Nummer zwei, während die Nummer eins des FC Barcelona, ter Stegen, bei Deutschland nur die Nummer zwei ist. Mehr muss man nicht wissen, oder? Außer natürlich, dass Cillessen jetzt beim FC Valencia die Nummer eins ist, immerhin.

Reiseoption Deutschland: Goldene Platini-Plakette in doppelter Ausfertigung dank der beiden Weltklassekeeper Manuel Neuer und ter Stegen. Extrapluspunkt: Der dritte Torwart Bernd Leno (FC Arsenal), der in London zuhause wohnen kann.

Fußball-EM "Wir müssen häufiger an unser Limit ran"
Joshua Kimmich 

"Wir müssen häufiger an unser Limit ran"

Beim FC Bayern rechts hinten, in der Nationalelf im Zentrum: Joshua Kimmich spricht über seinen Rollenwechsel, Titelchancen bei der EM und warum er seine Mitspieler gerne per Whatsapp lobt.   Interview von Christof Kneer

Reiseoption Niederlande: Silberne Platini-Plakette. Reicht für Baku, Bukarest und Bilbao - Reiseziele auf Valencia-Niveau.

Abwehr

Das muss man unbestechlich zugeben: Mathijs de Ligt, 20, und Virgil van Dijk, 28, bilden die beste niederländische Innenverteidigung seit den Zeiten mit Frank Rijkaard und Ronald Koeman. Der eine - de Ligt, neuerdings Juventus Turin - ist auf dem Weg zum Weltstar, der andere - van Dijk, FC Liverpool - ist schon einer. Das kann man von Matze Ginter und Niki Süle noch nicht sagen. Auch nicht von Toni Rüdiger (zurzeit verletzt) und Jona Tah (Leverkusen). "Scheromm" (Originalton Jogi Löw) Boateng und Matze Hummels waren mal Weltstars, wurden aber deshalb vom Bundestrainer ins Weltstarexil geschickt.

Virgil van Dijk beim Länderspiel Deutschland gegen Holland

Imposant: Virgil van Dijk (hier gegen Hummels & Co. im Herbst 2018) war schon der Schrecken des DFB-Teams, bevor er Europas Fußballer des Jahres wurde.

(Foto: imago)

Die Außenverteidiger beider Nationalmannschaften haben kein Weltstar-Prädikat, hier steht's unentschieden (ein Nullzunull der besseren Sorte immerhin). Sind die Niederländer von daheraus (Originalton Huub Stevens) insgesamt im Vorteil? Hm. Selbst mit Rijkaard und Koeman haben sie 1990 bei der WM im Achtelfinale gegen Deutschland verloren. Im EM-Halbfinale 1988 reichte es zwar zu einem 2:1-Sieg - aber das ist schon lang her.

Reiseoption Deutschland: Silberne Platini-Plakette der besseren Sorte, dank Süle.

Reiseoption Niederlande: Goldene Platini-Plakette dank de Ligt und van Dijk, zumal Letzterer kostengünstig aus Liverpool pendeln kann.

Mittelfeld

Deutschland kann es sich leisten, einen künftigen Weltfußballer auf die Bank zu setzen. Kai Havertz spielt eine zentrale Rolle in Leverkusen, aber noch nicht in der Nationalelf, in der stattdessen Spieler aus München (Joshua Kimmich), Madrid (Toni Kroos) und Manchester (Ilkay Gündogan) spielen. "In den nächsten Jahren wird er sich durchsetzen", sagte Löw am Donnerstag über Havertz. Konfliktpotenzial besteht durch die Sonderstellung von Kroos, der zuletzt das Privileg genoss, sich nicht zu jedem Spiel bequemen zu müssen - und trotzdem den Stammplatz für selbstverständlich zu halten. Kroos hat die Gefahr erkannt: Künftig will er auf das Privileg verzichten.