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Deutscher Fußball-Bund:Es ist nur Platz für einen

Fritz Keller und Friedrich Curtius

DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius (l.) und Präsident Fritz Keller.

(Foto: dpa)

Im DFB spitzt sich die Auseinandersetzung zwischen Präsident Keller und Generalsekretär Curtius zu. Das aktuelle Steuerstrafverfahren spielt eine Rolle - aber auch der Umgang mit der Vergangenheit des Verbandes.

Von Johannes Aumüller, Thomas Kistner, Klaus Ott und Jörg Schmitt

Alles war bereitet für den großen Showdown. Am Freitagvormittag tritt das Präsidium des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) zu seiner nächsten Sitzung zusammen; im Verband scherzte mancher bereits, zwölf Uhr wäre eigentlich die beste Zeit gewesen - wie im berühmten Western aus dem Jahr 1952, in dem Gary Cooper auf die Banditen wartet. Denn an der Spitze des Verbandes steht ein heißes Duell an: zwischen Präsident Fritz Keller, 63, und Generalsekretär Friedrich Curtius, 44.

Nun fällt der große, direkte Showdown nach SZ-Informationen zwar aus. Am Donnerstag soll Curtius seine Präsidiumskollegen unterrichtet haben, dass er an dem Treffen nicht teilnehmen werde. Ihm sei, so schrieb er demnach, ans Herz gelegt worden, "dass ich an der morgigen Präsidiumssitzung auf Wunsch eines Präsidiumsmitglieds nicht teilnehmen solle". Diesem Vorschlag wolle er folgen. Zugleich aber versucht er in dem Schreiben, seine Position zu verteidigen. Schon dieser ungewöhnliche Vorgang zeigt, wie zerrüttet das Verhältnis zwischen den Topfunktionären ist. Und er verstärkt die Zweifel, dass sie noch eine gemeinsame Zukunft haben. An der DFB-Spitze ist wohl nur Platz für einen.

Nach SZ-Informationen wünscht Keller, dass es zu einer Auflösung von Curtius' Vertrag kommt. Das verneinte der DFB auf Anfrage am Donnerstag nicht, er erklärte dazu nur, er wolle die Spekulationen in den Medien nicht kommentieren. Curtius wiederum schrieb in seiner Mail, er habe "gestern gemeinsam mit Fritz Keller versucht, bestehende Missverständnisse zu bereinigen. Leider haben wir in dem Gespräch noch keine belastbare Lösung gefunden". Er habe Keller eine gemeinsame Mediation vorgeschlagen, um "bestehende Missverständnisse und Dissonanzen auszuräumen" - und hätte dabei gern "zwei neutrale Begleiter" aus dem Präsidium dabei. "Niemand von uns sollte persönliche Befindlichkeiten über das Wohl der Organisation stellen", schreibt Curtius vielsagend, und: Niemand könne "ein Interesse daran haben, dass wir interne Konflikte fortsetzen". Wie viel Misstrauen muss da herrschen unter den Topleuten des Verbandes?

Es ist bemerkenswert, wie rasant sich das Verhältnis eingetrübt hat zwischen diesen zwei unterschiedlichen Funktionären. Keller war zwar als Präsident des SC Freiburg und Mitglied des DFB-Vorstands lange im Fußball, doch vor allem im Profigeschäft. Zur innersten Verbandsführung gehört er erst seit September 2019, als er das Präsidentenamt übernahm. Curtius ist 15 Jahre im Verband, erst als Referent des in der WM-2006-Affäre gestolperten Ex-DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach, seit Frühjahr 2016 als Generalsekretär. Anfangs wirkte das Duo harmonisch, aber dieses Bild war trügerisch.

Vordergründig spielt das aktuelle Steuerstrafverfahren eine wichtige Rolle. Vor zwei Wochen gab es Razzien, die Frankfurter Staatsanwaltschaft wirft dem DFB vor, wegen angeblich nicht korrekter Steuererklärungen für 2014/15 dem Fiskus 4,7 Millionen Euro vorenthalten zu haben. Gegen drei Alt-Funktionäre richtet sich das Verfahren - und gegen drei aktuelle: Curtius, Vizepräsident Rainer Koch und Schatzmeister Stephan Osnabrügge. Vergangene Woche aber relativierten externe Prüfer die Vorwürfe stark und erklärten, das noch im Amt befindliche Trio treffe kein Vorwurf. Darauf verweist Curtius auch in seinem Rundschreiben. Er sei überzeugt, dass die Ermittlungen eingestellt würden; aber sollte er "wegen irgendeiner Verfehlung während meiner Tätigkeit beim DFB verurteilt werden", werde er sämtliche Ämter sofort zur Verfügung stellen.

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