bedeckt München 14°

DFB-Kader:Hrubesch und Löw stimmen sich eng ab

Die Botschaft von Löws Aufgebot lautet: Es gibt keinen Grund, radikal zu werden. Es kann gut sein, dass er Spieler wie Podolski oder den Torwart Weidenfeller vor der EM 2016 noch in den DFB-Ruhestand schicken muss, aber er muss das ja nicht heute schon machen. Aktuell haben sie beim DFB erst mal den Plan gefasst, die Geschichte von 2009 noch mal nachzuspielen. Sami Khedira erzählt ja gern, wie er damals bei der U21-EM in Schweden zum Mann geworden ist, wie er lernen musste, interne Widerstände zu brechen und ein Team zu führen.

Mindestens ein halbes Dutzend der Weltmeister von 2014 haben 2009 ihre erste Lektion in Wettbewerbshärte gelernt, und praktischerweise hat sich der aktuelle deutsche U21-Jahrgang in diesem Sommer wieder für ein EM-Turnier qualifiziert. Vom 17. bis 30. Juni begegnen sich die acht besten Juniorenteams in Tschechien, und U21-Trainer Horst Hrubesch hat von Löw bereits umfassende Kompetenzen erhalten.

DFB-Aufgebot gegen Australien und Georgien

Tor: Neuer (FC Bayern), Weidenfeller (Borussia Dortmund), Zieler (Hannover 96). Abwehr: Badstuber, Boateng (beide FC Bayern), Hector (1. FC Köln), Höwedes (FC Schalke 04), Hummels (Dortmund), Mustafi (FC Valencia), Rudy (1899 Hoffenheim). Mittelfeld: Bellarabi (Bayer Leverkusen), Gündogan (Dortmund), Kramer (Borussia Mönchengladbach), Khedira, Kroos (beide Real Madrid), Schweinsteiger, T. Müller (beide FC Bayern), Özil (FC Arsenal), Podolski (Inter Mailand), Reus (Dortmund), Schürrle (VfL Wolfsburg). Angriff: Götze (FC Bayern), Kruse (Mönchengladbach).

Löw verzichtet auf interessante Spieler - aus guten Gründen

"Ich habe mich mit Jogi Löw schon klar abgestimmt", sagte Hrubesch am Freitag, "und die Grundsatzentscheidung lautet: Wen ich nominieren will, den kann ich auch nominieren. Wir waren uns einig, dass es für die Entwicklung junger Spieler am wichtigsten ist, in einer Turniersituation Verantwortung zu übernehmen."

Was Hrubesch nicht sagt, aber meint: Eine Teilnahme bei der U21-EM könnte demnach auch wichtiger sein als ein Einsatz beim parallel platzierten EM-Qualifikationsspiel in Gibraltar am 13. Juni, bei dem allenfalls die Frage ist, ob es 0:3 oder 1:7 endet. Spieler wie die bereits A-Elf-erprobten Matthias Ginter, Kevin Volland, Erik Durm, Antonio Rüdiger, Max Meyer oder Torhüter Marc-André ter Stegen sollen in diesem Sommer lieber Anführer in der kleinen Nationalmannschaft sein als Mitläufer in der großen.

Auch deshalb hat Löw im aktuellen Aufgebot darauf verzichtet, Spieler einzubestellen, die ihn interessieren, den ehemaligen Münchner Emre Can etwa, der beim FC Liverpool überraschend unverzichtbar ist, oder den Mainzer Johannes Geis. Warum soll er sie jetzt holen, wenn sie im Sommer doch ohnehin bei Horst Hrubesch spielen?

Die U21 hat jetzt auch zwei Testspiele vor sich, gegen Italien und England, im Rahmen dieser Spiele wird Hrubesch seine Talente auf den Sommer einstimmen. Er wird ihnen sagen, "dass wir das Ziel klar definiert haben: Wir haben die Qualität, wir wollen Europameister werden".

© SZ vom 21.03.2015/fued
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema