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DFB-Kader für die WM:Löws Bauchgefühl contra Wagner und Götze

  • Joachim Löw erstaunt bei der Nominierung seines vorläufigen WM-Kaders die Beobachter.
  • Der Bundestrainer beruft Nils Petersen ins Aufgebot, lässt dafür Sandro Wagner und Mario Götze zu Hause.
  • Vorerst mit dabei ist auch der lange verletzte Torhüter Manuel Neuer.

Das "Löw'sche Bauchgefühl" wird im Breisgau an diesem Tag vermutlich als beste Erfindung der Menschheitsgeschichte gepriesen werden - in München und Dortmund eher nicht. Der Bundestrainer Joachim Löw verlässt sich ungern bloß auf Zahlen und Fakten, wenn die Nominierungsrunde für ein Großereignis, in diesem Fall die Fußball-WM in Russland (14. Juni bis 15. Juli 2018), ansteht. Das Bauchgefühl, die Intuition müssen stimmen. Und bei Sandro Wagner, dem Stürmer von Bayern München, und Mario Götze, dem Dortmunder WM-Helden von 2014, stimmte beides eben nicht.

Wagner und Götze fehlen auf dem vorläufigen Nominierungszettel für die Weltmeisterschaft - es durchzuckte manchen Beobachter im Dortmunder Fußballmuseum am Dienstagmittag. Es war eine ehrliche Überraschung, dass Löw den zuletzt erfolgreichen Confed-Cup-Sieger Wagner (acht Tore in der Rückrunde) zu Hause lässt und stattdessen den Freiburger Nils Petersen ab dem 23. Mai mit ins DFB-Trainingslager nach Südtirol nimmt.

Mit dem Verzicht auf den formschwachen Dortmunder Götze war schon eher gerechnet worden. "Mein Job als Bundestrainer ist es manchmal auch, Träume platzen zu lassen", sagte Löw über die Entscheidungsfindung mit seinem Trainerteam, das seine Verträge beim DFB am Dienstag geschlossen bis 2022 verlängert hat. Für Götze tue es ihm "persönlich leid", sagte Löw: "Es war nicht seine Saison. Er ist wahrlich nicht in der Form." Die Entscheidung pro Petersen und contra Wagner hätten dagegen "Kleinigkeiten" ausgemacht.

Manuel Neuer ist dabei, Emre Can nicht

Klarheit schaffte Löw auch in weiteren personellen Fragen. So wird Stürmer Mario Gómez, der vor der WM 2014 noch in letzter Minute aus dem Kader geflogen war, diesmal mit dabei sein. Vorläufig nominiert ist auch Torwart und Kapitän Manuel Neuer, der seit seinem dritten Fußbruch im September 2017 kein Pflichtspiel mehr absolviert hat. Löw nimmt Neuer dank einer Sonderrolle mit nach Südtirol, dort will das Trainerteam sehen, ob Neuer wirklich fit ist für eine WM. "Er ist unser Kapitän", sagte Löw. Beide Seiten müssten nach dem Trainingslager aber "absolut ehrlich sein", ob es Sinn mache, mit Neuer nach Russland zu fahren oder nicht.

Dabei sind auch Mesut Özil und İlkay Gündoğan. Beiden haftet zwar sportlich das Prädikat "unverzichtbar" an, insbesondere Özil. Nach einem extrem unvorteilhaften Foto mit dem autoritären türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, das am Montag publik wurde, sahen sich beide aber einer Welle der Kritik ausgesetzt. "Es war keine glückliche Aktion", machte Löw klar. DFB-Präsident Reinhard Grindel warb nach deutlicher Kritik am Vortag diesmal um Milde: "Menschen können Fehler machen, und es ist beiden bewusst, dass sie einen Fehler gemacht haben."

Im Kader fehlt dagegen Emre Can, der aufgrund seiner Verletzung nicht in Frage kommt, ebenso wie Lars Stindl und Serge Gnabry. Die größte Überraschung blieb aber Petersen. Löw lobte den Freiburger als sehr fitten Spieler, der als Joker schon viele Tore erzielt habe. Dass Petersen über kaum internationale Erfahrung verfügt (er war lediglich Mitglied der Olympiamannschaft, holte in Rio Silber und wurde mit sechs Treffern Torschützenkönig), stört Löw nicht: "Mein Gefühl ist, dass er mit der Aufgabe wächst." Fix mit in Russland dabei ist Petersen noch nicht. Bis zum 4. Juni muss Löw seinen bisherigen 27-Mann-Kader auf Turnierstärke mit 20 Feldspielern und drei Torhütern reduzieren.

Der vorläufige WM-Kader im Überblick:

TORHÜTER: Bernd Leno, Manuel Neuer, Marc-André ter Stegen, Kevin Trapp

ABWEHR: Jérôme Boateng, Matthias Ginter, Jonas Hector, Mats Hummels, Joshua Kimmich, Marvin Plattenhardt, Antonio Rüdiger, Niklas Süle, Jonathan Tah

MITTELFELD: Julian Brandt, Julian Draxler, Leon Goretzka, İlkay Gündoğan, Sami Khedira, Toni Kroos, Thomas Müller, Mesut Özil, Marco Reus, Sebastian Rudy, Leroy Sané

ANGRIFF: Mario Gómez, Nils Petersen, Timo Werner

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