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DFB:Hilflos gegen Pyro

Das DFB-Sportgericht verzichtet auf Rekordstrafen gegen den Hamburger SV und den FC St. Pauli. Sanktionen würden nicht zu einer "nachhaltigen Verhinderung" führen, beklagt der Vorsitzende Hans E. Lorenz. Der HSV geht nun einen neuen Weg.

Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat nach dem Zuschauer-Fehlverhalten beim Zweitliga-Derby zwischen dem FC St. Pauli und dem Hamburger SV am 16. September (2:0) auf Rekordstrafen verzichtet. Gemäß eines Urteils vom Freitag muss der HSV nun 140 000 Euro bezahlen, St. Pauli 90 000 Euro. Damit liegen die Beträge deutlich unter den zuvor ausgesprochenen Sanktionen von 200 000 Euro bzw. 120 000 Euro.

Zugleich kam zum Ausdruck, dass das Sportgericht eine gewisse Hilflosigkeit im Kampf gegen das Pyro-Problem verspürt. "In der Tat ist es so, dass die Sanktionen, die wir verhängen, nicht zu einer nachhaltigen Verhinderung von Pyrotechnik führen, sinnlos sind sie gleichwohl nicht", sagte der Vorsitzende Hans E. Lorenz: "Unsere Sanktionen sollen helfen, Zuschauer-Ausschreitungen zu bekämpfen, wenngleich wir akzeptieren müssen, dass wir durch unsere Urteile die Missstände nicht beseitigen können."

Während des Hamburger Derbys im September war es insbesondere gegen Ende der Halbzeitpause sowie während der zweiten Hälfte zu Fehlverhalten auf den Rängen gekommen. Dutzende bengalische Feuer, Raketen und Feuerwerkskörper kamen auf beiden Seiten zum Einsatz, insbesondere bei den Gästen. Nach dem Seitenwechsel konnte Schiedsrichter Sven Jablonski das Spiel erst nach mehrminütiger Verzögerung wieder anpfeifen. Dem HSV wurde zudem zur Last gelegt, dass aus seinem Fanblock heraus eine Raketenbatterie direkt auf den Pauli-Block abgeschossen wurde, was die Klubvertreter aber anzweifelten.

Doch trotz dieser gravierenden Vorfälle war es dem Richtertrio um Lorenz offenkundig wichtig, dass die Strafe geringer ausfiel als bei vergleichbaren Vorfällen, die sich beim Hamburg-Derby im März 2019 ereignet hatten. Damals waren die Klubs zu Strafen von 150 000 Euro bzw. 100 000 Euro verurteilt worden. Die Beweisaufnahme, zu der insbesondere zwei DFB-Sicherheitsbeobachter sowie Schiedsrichter Jablonski beitrugen, hätte ergeben, dass es nicht so schlimm wie beim vorangegangenen Spiel und "bei Weitem nicht so schlimm wie befürchtet" gewesen sei. Die bisher höchste Zuschauer-Strafe hatte im Vorjahr der FSV Mainz (166 000 Euro) erhalten.

Beide Klubs versuchten darzustellen, wie viel sie seit den Vorfällen im März 2019 getan hätten, um bei der Lösung des Problems weiterzukommen. Beim HSV geht das so weit, dass es vor Anpfiff des Spiels gegen Karlsruhe am 8. Februar eine organisierte Pyro-Show unter Vereinsregie geben soll.

© SZ vom 18.01.2020
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