DFB-Frauen in der WM-QualifikationKritik am Spiel und Sorgen um die Kapitänin

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Nach einem Zusammenprall fiel Giulia Gwinn ungebremst auf die linke Schulter und musste letztlich ausgewechselt werden.
Nach einem Zusammenprall fiel Giulia Gwinn ungebremst auf die linke Schulter und musste letztlich ausgewechselt werden. Davide Elias/IPA Photo/Imago
  • Die deutschen Fußballerinnen gewinnen 5:1 gegen Österreich in der WM-Qualifikation und bleiben Gruppenerster mit neun Punkten.
  • Bundestrainer Christian Wück kritisiert trotz des Sieges die vielen Ungenauigkeiten und Ballverluste seiner Mannschaft.
  • Kapitänin Giulia Gwinn verletzt sich an der linken Schulter und muss ausgewechselt werden, die Diagnose steht noch aus.
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Nach dem 5:1 gegen Österreich zeigt sich Bundestrainer Wück unzufrieden mit der Gesamtleistung – eine frühere Problemstelle wirkt aber verlässlich behoben. Giulia Gwinn muss verletzt abreisen.

Von Anna Dreher, Nürnberg

Diese Szene barg mindestens das Potenzial für ein Kneipenquiz, als Bilderrätsel könnte sie es auch in eine TV-Rateshow schaffen, mittlere Schwierigkeitsstufe, vielleicht sogar höher. Zu sehen: ein exemplarischer Moment während der dritten Partie in der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2027 in Brasilien, auf dem Platz die Fußballerinnen des deutschen gegen die des österreichischen Nationalteams. Die Kamera fängt in der 76. Minute Christian Wück ein, er sitzt fast regungslos auf der Bank am Spielfeldrand, hängende Schultern, der Blick starr und leer. Was wohl hatte der Bundestrainer gerade gesehen?

Antwort A: eine vergebene Chance? B: ein verheerendes Gegentor? Option C: einen gut vorbereiteten und konsequent abgeschlossenen Treffer seiner eigenen Mannschaft? Oder D: die Verletzung einer Spielerin?

Nun ja, tatsächlich dies: Rebecca Knaak hatte den Ball per Kopf weit nach vorn zu Lea Schüller gebracht, über Larissa Mühlhaus landete er schnell bei Jule Brand, die einen gut vorbereiteten Angriff konsequent zum 4:0 abschloss. Am Ende sollte auf der Anzeigetafel ein 5:1 aufleuchten, dritter Sieg im dritten Spiel, Gruppenerster mit neun Punkten und 14:1 Toren. Aber Christian Wück störte sich an ein paar Dingen.

DFB-Frauen in der WM-Qualifikation
:Vorlage Jule Brand, Tor!

Beim 5:1 gegen Österreich ragt Jule Brand mit drei Vorlagen und einem Treffer heraus. Der dritte Sieg in Serie bringt das deutsche Nationalteam in der WM-Qualifikation weiter voran – der Bundestrainer ist trotzdem unzufrieden.

Von Anna Dreher

Sein Unmut war ihm auch dann noch anzumerken, als er in die alte Turnhalle neben dem Max-Morlock-Stadion kam, das lange Wücks fußballerische Heimat gewesen ist, als er für den 1. FC Nürnberg in der Bundesliga spielte. Die Pressekonferenzen wirken in diesem Raum, als habe die Oberstufe eine kleine Bühne für den Abiball aufgebaut. Und da saß nun also der Fußballlehrer und erklärte seine Gedanken zum Abschluss eines Abends, an dem mehr drin gewesen wäre. „Wir sind heute nicht ganz an unser Leistungslimit gekommen und an das Niveau, das die Mannschaft schon gezeigt hat“, sagte Wück, der viele Ungenauigkeiten und Ballverluste sah: „Deswegen war es sehr, sehr kräftezehrend, weil wir immer wieder hinterherlaufen mussten. Und das hat mich geärgert, weil es einfach unnötig war.“

Gwinn wollte weiterspielen, für den Bundestrainer ein gutes Zeichen. Aber man habe gemerkt, „dass sie nicht befreit spielen konnte“

Worüber das Ergebnis hinwegtäuschte: Die Effizienz, die in den ersten beiden Partien dieses Jahres gegen Slowenien (5:0) und Norwegen (4:0) herausstach, fehlte in diversen Momenten. Dafür schlichen sich Schludrigkeiten ein bei einem deutlich unterlegenen Gegner, der noch dazu seit geraumer Zeit in der Krise steckt. Die Deutschen starteten eine Offensivaktion nach der anderen, Österreich hielt mit einer Fünferkette dagegen und profitierte von Patzern.

Gerade mit der ersten Halbzeit konnte der Bundestrainer nicht zufrieden sein. Die Leistung verfehlte den formulierten Anspruch, sich wieder unter den Besten der Welt zu etablieren, den Wück konsequent in die Bewertung einfließen lässt. Dafür hätte es auch mehr Präzision und eine sauberere Technik gebraucht. „Das ist Jammern auf hohem Niveau“, ordnete der 52-Jährige seine Kritik ein. „Für mich gehört zu den Top-Nationen eine Mannschaft, die auch solche Spiele cleverer gewinnt. Aber nicht falsch verstehen, wir sind generell sehr zufrieden mit der Performance und der Entwicklung der Mannschaft.“

Immer wieder kritische Blicke vom Bundestrainer: „Wir sind heute nicht ganz an unser Leistungslimit gekommen“, sagte Christian Wück nach dem Qualifikationsspiel gegen Österreich.
Immer wieder kritische Blicke vom Bundestrainer: „Wir sind heute nicht ganz an unser Leistungslimit gekommen“, sagte Christian Wück nach dem Qualifikationsspiel gegen Österreich. Adam Pretty/Getty Images

Zufriedenheit speiste sich am Dienstagabend nicht zuletzt aus dem Blick auf die Zehner-Position. Noch im Sommer bei der Europameisterschaft in der Schweiz hatte sie sich als Problemstelle erwiesen. Inzwischen kann sie wieder verlässlich und variabel besetzt werden. Als Maßnahme hatte das Trainerteam nach dem Turnier Jule Brand vom rechten Flügel ins Zentrum gezogen, was dem deutschen Spiel Flexibilität verlieh. Gegen Österreich setzte Wück dort wieder auf die spielintelligente Linda Dallmann, die bei der EM nicht überzeugte, ihr Formhoch aber zuletzt auch beim Halbfinal-Einzug des FC Bayern in der Champions League zeigte. „Wenn man spielerische Lösungen braucht, führt nur sehr schwer ein Weg an Linda Dallmann vorbei“, erklärte Wück. Wenn der Gegner selbst das Spiel bestimmen wolle und sein Team defensiv fordere, könne die Entscheidung wieder auf Brand fallen: „Jule ist es, ehrlich gesagt, egal. Hauptsache, sie spielt.“

Die 23-Jährige von Olympique Lyon lieferte die Vorlage zum 1:0 (Ecke), zum 2:0 (Flanke), zum 3:0 (Ecke) – und traf schließlich selbst bei besagtem 4:0. Beim 5:1 hatte Brand sich geschickt im Strafraum bewegt und dadurch eine Gegnerin zunächst an sich gebunden, wodurch Torschützin Lea Schüller mehr Platz hatte. Auf die Fülle von Beteiligungen angesprochen, schaute Brand etwas überrascht. Hatte sie das so schon erlebt? „Ich weiß es nicht. Ich freu’ mich natürlich sehr, dass ich dem Team helfen konnte. Aber auch bei mir war es nicht mein bestes Spiel.“ Sie stand sich erst wieder mal selbst im Weg mit Fehlpässen und aktionistischen Dribblings, bis Brand sich nach der Pause in die Partie kämpfte und glänzen konnte: „Sie muss wissen, was sie auszeichnet, was sie stark macht – und das sehr oft in unser Spiel bringen“, sagte Wück: „Dann bringt sie das komplette Team weiter.“

Und so blieb von diesem letztlich erfolgreichen Abend eine Sorge: die um Giulia Gwinn. Die DFB-Kapitänin war nach einem Zusammenprall ungebremst auf die linke Schulter geknallt, blieb mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Rasen liegen und musste schließlich in der 33. Minute ausgewechselt werden. Zur Untersuchung reiste sie vorzeitig aus Herzogenaurach nach München ab. Am Mittwoch gab der FC Bayern bekannt, „dass sich Gwinn die Schulter ausgekugelt hat, zunächst aber mit einer konservativen Therapie behandelt werden kann“. Gwinns Einsatz in den wichtigen Wochen rund um das Champions-League-Halbfinale der Bayern gegen den FC Barcelona (25. April/3. Mai) sei „zum jetzigen Zeitpunkt offen“. Für das Länderspiel am Samstag (18 Uhr, sportschau.de) in Österreich fällt die 26-Jährige definitiv aus. Für sie rückt Sarah Mattner-Trembleau aus der U23 nach.

Das Nationalteam hat bei Giulia Gwinn schon zwei Kreuzbandrisse (2020 und 2022) sowie einen Innenbandriss beim EM-Auftakt 2025 miterlebt, durch den sie das Turnier verpasste. Und so war die Situation in Nürnberg, sagte Frankfurts Elisa Senß, „wieder ein Schockmoment für uns“.

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