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DFB-Elf vor dem Paraguay-Test:Training für den Amazonasdschungel

Deutschland - Paraguay - Training

Dehnen für Deutschland: Die Nationalspieler Sami Khedira, Mats Hummels und Mesut Özil (von links) bei der Arbeit.

(Foto: Fredrik Von Erichsen/dpa)

Mit dem Länderspiel gegen die Maurermeister aus Paraguay beginnt für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft die Einstimmung auf die WM 2014. Joachim Löws Königsprojekt auf dem Weg nach Brasilien: Der Bundestrainer will die Gegentorquote senken.

Hört man den Bundestrainer über die in zehn Monaten anstehende Weltmeisterschaft sprechen, dann stellt sich fast die Frage, ob es überhaupt ratsam ist, dass sich die Nationalmannschaft für diese Veranstaltung qualifiziert. Denn dieses Brasilien muss wohl eine ziemliche Hölle sein. Joachim Löw hat es neulich selbst erlebt, als er mit Oliver Bierhoff und anderen Mitgliedern seines Stabes während des Confed-Cups das Land bereist hat. Sein Fazit: "Es wird eine WM des unbedingten Willens, der Anpassung und der Einstellung."

Das hört sich nach Spinnen an, die groß sind wie Magaths Medizinbälle, und nach Piranhas, die in wenigen Sekunden einen ganzen Mittelstürmer abgenagt haben. So dramatisch hat es Löw zwar nicht gemeint, aber ihm reichen schon die gewöhnlichen Beschwernisse, um zu warnen. Namentlich: "Feuchtes, tropisches Klima, Staus auf den Straßen, lange Flugzeiten, Reisestrapazen."

"Anpassen! Das wird das Wichtigste sein"

Deutscher Perfektionismus hat an einem Ort mit solchen Tücken nichts verloren, meint er: "Wir dürfen jetzt nicht glauben, dass wir all unsere Ideen einbringen und realisieren können. Sondern es heißt: Anpassen! Das wird das allerwichtigste sein."

Jetzt hat Löw zum ersten Mal im WM-Jahr seine Mannschaft um sich versammeln dürfen, und der Ort, den die DFB-Strategen dazu ausgesucht haben, zeugt von Weitblick. Sie haben das Abenteuer Südamerika bereits vorempfunden. Zur Vorbereitung auf das Testspiel gegen Paraguay wurden die Nationalspieler nach Mainz beordert, also an den einzigen Ort in Europa, in dessen Hauptbahnhof Züge weder hinein- noch aus ihm herausfahren. Ein Dorf im brasilianischen Amazonasdschungel hat vermutlich bessere Verbindungen zur Außenwelt.

In seinem abgelegenen Mainzer Hotel bekam Löw am Morgen vor dem Spiel ein Lachen geschenkt. Beschert wurde es ihm von der Bild-Zeitung, die auf Seite eins erregt zu melden hatte, dass die Frauen und Freundinnen der Nationalspieler im kommenden Jahr auf eine liebe Gewohnheit verzichten müssen. Das gemischte Camp für die Fußballerfamilien, das seit der WM 2006 dem eigentlichen Trainingslager vorausging und stets an besonders angenehmen Orten aufgeschlagen wurde - etwa an der sardischen Costa Smeralda -, das wird es 2014 nicht geben.