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DFB-Elf vor dem Frankreich-Spiel:Modernisierer im schweren Alltag

Einst galt Bundestrainer Joachim Löw als Chefideologe des deutschen Fußballs, doch seine Rolle hat unter Debatten und Resultaten gelitten. Beim Test in Frankreich muss er improvisieren.

Eigentlich hatte man Joachim Löw wieder im schwarzen Rollkragenpullover erwartet. Wie neulich in Düsseldorf, als er überaus einträchtig mit Dortmunds Meistercoach Jürgen Klopp die Ergebnisse der Trainertagung referierte. Schließlich ist Paris, wo der Bundestrainer am Dienstag zum bevorstehenden Länderspiel gegen Frankreich (Mittwoch, 21 Uhr) dozierte, die Heimat des Existenzialismus, und dessen führendes Erkennungszeichen ist neben der filterlosen Zigarette eben jener schwarze Rollkragenpullover.

Doch Löw wählte Hemd und Schal, locker um den Hals geschlungen, was zwar ebenfalls ein Statement war - aber lediglich ein modisches, kein philosophisches. Die Philosophie des Bundestrainers hat in der jüngeren Vergangenheit einen gewissen Rezeptionswandel erfahren. Einst galt Löw als der Chefideologe des deutschen Fußballs, seine sportliche Lehre hatte weltanschaulichen Charakter, weil sie Wettkampf mit Ästhetik verband.

Aber seine Geltung als wegweisender Modernisierer hat unter dem Eindruck der Ergebnisse und Debatten gelitten, nicht nur auf den Zuschauerplätzen und bei den von Amts wegen kritischen Experten, sondern auch im Kreis der zunehmend selbstbewussten Trainerkollegen und vor den Autoritäten der großen Klubs, die ihm das Personal liefern. Löw bekommt es unter anderem dann zu spüren, wenn ihn bei Testspielen der DFB-Elf plötzlich Absagen erreichen, die es früher eher nicht gegeben hätte.

Selbstredend wird der Bundestrainer in Paris auch ohne den verletzten Stürmer Klose, den just fürs Testspiel verhinderten Schweinsteiger und die schlagartig abgemeldeten Dortmunder Reus, Götze und Schmelzer eine erstklassige Formation zum Treffen mit den Franzosen schicken. Nur auf der Position des linken Außenverteidigers muss er ernsthaft improvisieren, die übrige Elf hat wahrlich nicht das Aussehen einer Behelfsauswahl.

"Wir haben einen guten Kader - auch wenn jetzt einzelne Spieler ausfallen", hat Löw in Paris betont und die Gelegenheit willkommen geheißen, dass er somit "für den Ernstfall testen" könne. Doch er hat das Publikum auch ausdrücklich wissen lassen, dass es keinen Grund gebe, Verschwörungstheorien zu bilden.

"Es ist kein Rückschlag. Diese Problematik gibt es, seit es Länderspiele gibt", sagte er und berichtete von seinen Fleißarbeiten, nachdem ihn am Montag die schlechten Nachrichten erreicht hatten: "Ich habe mit allen Spielern telefoniert und Rücksprache mit den Ärzten gehalten." Ergebnis: "Diese Spieler sind krank."

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