Süddeutsche Zeitung

DFB-Elf steht im Viertelfinale:Deutschland gewinnt erstes Endspiel

Griechenland kann kommen: Deutschland qualifiziert sich mit einem 2:1-Arbeitssieg gegen Dänemark für das EM-Viertelfinale. Mit neun Punkten in der Vorrunde, ohne Niederlage. Nur als die Dänen zum 1:1 treffen und gleichzeitig Portugal aufdreht, steht plötzlich alles in Frage. Das Tor des Ersatz-Verteidigers Lars Bender beendet die Rechenspiele.

Auf dem Rasen rissen die Nationalspieler die Arme in die Höhe, auf den Rängen in der Lemberger Arena taten es ihnen zehntausend Landsleute gleich. Es blieb ein kurzer Jubel. Dann marschierten die Deutschen schon in die Katakomben. Geglänzt, das wussten sie, hatten sie nicht bei ihrem hart erkämpften 2:1 gegen Dänemark.

Eines durfte man aber dennoch festhalten: Die Prüfungen, die der Nationalelf an diesem Abend gestellt wurden, die hat sie bestanden. "Nun können wir uns etwas gezielter vorbereiten, müssen nicht mehr reisen. Wir müssen in der Offensive einen Tick besser sein", sagte Bundestrainer Joachim Löw erleichtert - und: "Wir müssen nun den nächsten Gegner in die Knie zwingen." Dieser Gegner heißt nun Griechenland, das Viertelfinale steigt an diesem Freitag um 20:45 Uhr in Danzig.

Die Ausgangslage vor dem abschließenden Gruppenspiel war ja in Wahrheit durchaus tückisch gewesen, was die Tabelle aber nicht auf den ersten Blick preisgab vor der Partie. Deutschland? Gruppenerster. Mit doppelt so vielen Punkten wie Dänemark und Portugal! Und die Niederlande mit null Zählern quasi schon im Flieger nach Amsterdam. Dazu stand nun auch der mutmaßliche Viertelfinal-Gegner fest, die Griechen.

Das kann man als selbstbewusster deutscher EM-Kicker schon mal als eine Art Freilos interpretieren. Dass sich bei einer Pleite der Deutschen auch noch das Duo Dänemark und Portugal auf die ersten Gruppenplätze schieben konnte, das behaupteten die Statistiker zwar. Nachprüfen ließ sich das ohne Mathematikstudium aber kaum. So eine Ausgangslage ist eine Herausforderung für Konzentration und Körper.

Die Deutschen schienen dementsprechend schnell Fakten schaffen zu wollen. Zunächst übernahm das Thomas Müller mit zwei Schüssen, aus denen er bei der WM 2010 in Südafrika mit ziemlicher Sicherheit zwei Tore gemacht hätte. Diesmal schoss er drüber (2.) und den Torwart Stephan Andersen an (6.). Zum Nachtrauern blieb aber keine Zeit, schon weil Mesut Özil sich mit feinen Pässen um den Titel als Europas Fußballer des Jahres zu bewerben schien. Seine Kollegen kamen kaum hinterher, in so kurzer Taktung zauberte Özil den Ball vors dänische Tor. Die ersten Annäherungsversuche der Dänen gerieten schüchtern.

Ein seriöser Beginn also, der eigentlich nur eines zum Ergebnis haben konnte: eine frühe Führung. Ausgangspunkt war wieder Müller, der den Ball auf der rechten Seiten behauptete, Mario Gomez lenkte seine Hereingabe geschickt weiter nach hinten zu Podolski - und der Jubilar drosch den Ball ins Tor. Und wenn solche Floskeln nicht strengstens verboten wären, müsste man nun feststellen, Podolski habe sich damit selbst das schönste Jubiläumsgeschenk gemacht in seinem 100. Länderspiel. Zwar rammte er den Ball direkt in Andersens Handschuhe, die allerdings öffneten sich wie eine Schwingtür wegen des beachtlichen Schusstempos. Podolski grinste wie ein Schulbub, der Feueralarm ausgelöst hat: Niemand würde an diesem Abend noch mal rechnen müssen, dachte man.

Ein lichter Moment genügte

Dann aber folgte die böse Erkenntnis: Prüfungen finden trotzdem statt. Die Dänen stellten den Deutschen sogar einen ganzen Kanon schwieriger Aufgaben. Einerseits schienen sie ihre Gegner fast in ihren Strafraum einzuladen, so tief zogen sie sich zurück. Praktischerweise hatten sie dort aber immer eine Überzahlsituation - oder ein Verteidiger bekam sein Bein an den Ball.

Eine Gomez-Chance kurz vor der Pause war Sinnbild für diese Prüfung: So lange schlug er im Strafraum Haken um Haken, bis auch diese Gelegenheit abgewehrt war durch das dänische Bollwerk. Die Deutschen würden den Ball ins Tor tragen müssen, so sah es aus, zumal sie nur selten aus dem Tempo heraus gefährlich wurden.

Dass Morten Olsens Mannschaft zudem Eckbälle trainiert hatte, war zu diesem Zeitpunkt auch schon offensichtlich geworden: In der 24. Minute ersprang sich Nicklas Bendtner die Lufthoheit gegen Lars Bender und Sami Khedira, brachte den Ball zu Michael Krohn-Dehli, der wiederum schneller in der Flugposition war als Mario Gomez. 1:1 also - alles wieder auf Anfang.

In der zweiten Halbzeit beschrieb dann vor allem dieses Wort die Partie: mühsam. Özil verlor ein wenig die Übersicht, der ein oder andere Kollege womöglich die Kraft. Die beste Gelegenheit hatten die Dänen, als Jakob Poulsen den Ball neben Manuel Neuer an den Außenpfosten setzte (51.). Wenig deutete inzwischen darauf hin, dass die deutsche Elf aus sich heraus wieder Schwung aufnehmen würde, dementsprechen früh brachte Löw Schürrle für Podolski (64.) und Klose für Gomez (74.), kurz vor dem Ende dann noch Toni Kroos (83.).

Ein lichter Moment genügte schließlich, um nicht bis zuletzt vor einem dänischen Last-Minute-Sieg zittern zu müssen (ohne ständig über den gefährlichen Spielstand zwischen Holland und Portugal informiert zu werden). Özil wollte Klose bedienen, statt des Lazio-Stürmers kam Lars Bender an den Ball, der Ersatz des gelb-gesperrten Boateng - und schob die Kugel mit dem Innenrist lässig über die Linie (80.). So schnörkellos, wie dieses Tor fiel, hat sich Löws Team am Ende durch die Gruppenphase gearbeitet.

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Quelle:
SZ vom 18. Juni 2012/segi
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