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DFB-Elf: Lukas Podolski:"Ich fühlte mich provoziert"

Stürmen im Kabinengang: Gegen Argentinien hat Lukas Podolski seine auffälligste Szene außerhalb des Platzes - als er mit einem Journalisten aneinandergerät.

Um den Fall klein zu halten, musste er erst vergrößert werden. Am Donnerstag, um 11.01 Uhr, erschien auf der DFB-Homepage ein Interview mit Lukas Podolski, in dem zwischen freundlichen Banalitäten ("Blick geht jetzt nach vorne") die entscheidende Passage versteckt war. "Ich habe den Reporter nicht geschlagen", wird Podolski da vom Verband zitiert - als Antwort auf die Frage, was bei der "Auseinandersetzung mit einem Journalisten passiert" sei.

Wer noch einen Beweis für die angegriffene Seele des Stürmers Podolski brauchte, der fand ihn kurz vor Mitternacht in der Interviewzone der Münchner Arena. Ein paar neckische Bemerkungen zwischen Podolski und einem TV-Journalisten ("Deine beste Zeit hattest Du beim Aufwärmen") hatten sich so hochgeschaukelt, dass es beinahe zu einer größeren Karambolage gekommen wäre. "Ich fühlte mich provoziert (...) und habe ihm deutlich meine Meinung gesagt", ließ Podolski anderntags ausrichten. "Wenn ich mich im Ton vergriffen habe, entschuldige ich mich dafür."

Natürlich wollten die Teamverantwortlichen der DFB-Elf verhindern, dass aus der angedeuteten Straßenrauferei die nächste Staatsaffäre wird. Seit seiner Backpfeife gegen Ballack vom April 2009 gilt Podolski als einschlägig vorbelastet, weshalb Trainer Löw verständlicherweise sehr daran gelegen war, diese völlig unterschiedlichen Fälle nicht aufzuaddieren. Er hat ja ohnehin genug Sorgen in diesem Mannschaftsteil, dem Podolski normalerweise angehört.

Es konnte Löw nicht gefallen, dass sich Podolski jegliche Angriffslust offenbar für den Kabinengang aufgespart hatte. Beim Fußballspiel zuvor hätte Löw nichts gegen gereizte Stürmer einzuwenden gehabt - aber er sah nur einen Miroslav Klose, der Fußball als karitative Angelegenheit missverstand. Menschlich war es bestimmt sehr anständig vom Bayern-Angreifer, dass er der tief stehenden DFB-Elf im Mittelkreis beim Verteidigen half.

Im Sinne seines Berufs wäre es aber schlauer gewesen, sich den gegnerischen Verteidigern gelegentlich als Angreifer zu erkennen zu geben. So sammelte Klose Sozialpunkte statt Torchancen - und es dürfte Löw zu denken geben, dass auch der eingewechselte Mario Gomez den eigenen Stürmerinstinkten nicht mehr zu trauen scheint. Beim FC Bayern hat sich Gomez' einst so explosives Spiel auf irritierende Weise pomadisiert.

Es war bezeichnend, dass der DFB einen Stürmertypen wie Cacau benötigte, um sich die einzige echte Torchance (76.) gutschreiben zu lassen. Cacau ist bauartbedingt keine Autorität im Strafraum, aber er ist ein umtriebiger, schwer zu fassender Angreifer, dessen technisches Geschick den argentinischen Abwehrkolossen zu schaffen machte. Für Cacau ist mit diesem Spiel die WM-Teilnahme wahrscheinlicher geworden; einen vergleichbaren Spielertypen hat Löw nicht im Kader.

Ohnehin ist der Druck aus der Liga nicht allzu mächtig, außer Stefan Kießling drängt sich kein Zentralangreifer auf, weshalb Löw nichts übrig bleibt, als Klose und Podolski zu vertrauen. "Es gibt solche Spieler", sagt er und meint: Spieler, denen ein einziges Tor reicht, um bei einem Turnier in Form und Stimmung zu kommen. Auf dem Rasen, nicht erst im Kabinengang.

Im Video: Den Härtetest gegen Argentinien verpatzt. Deutschland verliert gegen Maradonas elf wegen eines Fehlers der neuen Nummer eins -Rene Adler.

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