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DFB-Elf:Boateng liebäugelt mit dem Kapitänsamt

Für ihn sei es gut zu wissen, "dass der Bär an meiner Seite ist", so hat sich der junge Aushilfs-Außenverteidiger Joshua Kimmich ausgedrückt. Die Aussage darf man auf die ganze deutsche Mannschaft übertragen. Boatengs Ausfall beim Stand von 0:1 hatte dem Team eine tragende Autorität genommen. Zehn Minuten später fiel unter Beteiligung nahezu der kompletten Abwehrreihe - Manuel Neuer inbegriffen - das 0:2, der Gegentreffer war das Ergebnis einer auf Unsicherheit gründenden Fehlerkette und das Zeugnis von Boatengs Abwesenheit.

Ende August bringt der nächste Pflichttermin die Nationalmannschaft wieder zusammen. Auf das Testspiel gegen Finnland (in Mönchengladbach), folgt vier Tage später das Auswärtsspiel in Norwegen, der erste Beitrag zur WM-Qualifikation. Für Boateng könnte es, siehe oben, knapp werden. In der Debatte, die rund um die Länderspieltage möglicherweise geführt wird, dürfte er trotz Abwesenheit sehr präsent sein.

Noch ist nicht bekannt, ob Bastian Schweinsteiger die Karriere in der Nationalmannschaft fortsetzen möchte. Mit einer endgültigen Entscheidung wird er sich gewiss noch etwas Zeit lassen, zumal er zunächst andere Aufgaben zu erledigen hat - namentlich die Hochzeit mit der Tennisspielerin Ana Ivanovic. Es ist aber nicht unwahrscheinlich, dass sich Schweinsteiger schweren Herzens den Zeichen der Zeit fügt. Am 1. August wird er 32 Jahre alt. Sollte er seinen Dienst im DFB-Team quittieren, dann wäre ein Ehrenamt von nationaler Wichtigkeit zu vergeben - und Jérôme Boateng gehörte zu den ersten Kandidaten.

Manuel Neuer hat zwar seit der EM in der Rolle des Stellvertreters öfter die Kapitänsschleife getragen als der Amtsinhaber Schweinsteiger. Daraus ergibt sich aber keine zwangsläufige Nachfolgeregelung. Im Falle von Schweinsteigers Rücktritt würde der Bundestrainer die Stelle wohl neu ausschreiben. Boateng hat nie geleugnet, dass er liebend gern Kapitän der Nationalelf werden möchte, auch aus übergeordneten Gründen: "Als erster farbiger Kapitän wäre das mit Blick auf die Integration auch ein starkes Zeichen nach außen", so hat er es in diversen Interviews mehr oder weniger wortgleich gesagt. Ein bisschen Wahlkampf mag da schon im Gange sein, politische Argumente braucht Boateng aber kaum, um gegen potenzielle Konkurrenten wie Sami Khedira oder Manuel Neuer zu bestehen.

Pogba würde für Boateng stimmen

Paul Labile Pogba würde, wenn er dürfte, Jérôme Boateng wählen. "Er ist der King, er ist DER Spieler", teilte der französische Star aus Marseille mit, nachdem er den deutschen Verteidiger nach dem Halbfinale in der Kabine der deutschen Mannschaft tröstend in den Arm genommen hatte. Und wer würde dieser Tage Monsieur Pogba widersprechen wollen?

© SZ vom 10.07.2016/schma

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