DFB-Elf in der Einzelkritik:Racheengel Reus lässt Irland verstummen

Mesut Özil nervt im WM-Qualifikationsspiel seine Gegenspieler mit Finten, Holger Badstuber präsentiert deutsche Wertarbeit und Marco Reus mutiert nach einer Gelben Karte zum Racheengel. Die Spieler in der Einzelkritik.

von Thomas Hummel

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Manuel Neuer

Republic of Ireland v Germany - FIFA 2014 World Cup Qualifier

Quelle: Bongarts/Getty Images

Mesut Özil nervt im WM-Qualifikationsspiel seine Gegenspieler mit Finten, Holger Badstuber präsentiert deutsche Wertarbeit und Marco Reus mutiert nach einer Gelben Karte zum Racheengel. Die Spieler der deutschen Nationalmannschaft beim 6:1 gegen Irland in der Einzelkritik.

Aus dem Stadion von Thomas Hummel

Manuel Neuer: Wenn sich Joachim Löw einen Torwart schnitzen dürfte, würde am Ende wohl der Holz-Zwilling von Manuel Neuer im deutschen Tor stehen. Köpfte 40 Meter vor dem Tor einen Konterversuch der Iren weg, passte den Ball in Bedrängnis über zwei Iren hinweg zum 30 Meter entfernten Mitspieler, warnte Mertesacker brüllend vor dem drohenden Hintermann. War beim Treffer in der Nachspielzeit ohne Chance. Musste im Laufe des Abends eigentlich nur bedauern, dass die irischen Zuschauer nicht so schön sangen wie damals beim 0:4 bei der EM gegen Spanien. Hätte genug Zeit gehabt zum Zuhören.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Jérôme Boateng

Germany's Jerome Boateng challenges Ireland's Simon Cox during the 2014 World Cup qualifying soccer match at the Aviva Stadium in Dublin

Quelle: REUTERS

Jérôme Boateng: Viele Trainer dieser Welt würden sich genau Jérome Boateng schnitzen, wenn sie einen Rechtsverteidiger aus Holz anfertigen sollten. Der Bayern-Verteidiger bringt ja wirklich alle Voraussetzungen mit für einen Rechtsverteidiger von Weltformat. Außer, dass er hin und wieder seltsame Aussetzer vorführt. Gegen Irland bot sich ihm nur einmal die Gelegenheit für einen Aussetzer, aber er klärte gegen Jonathan Walters nach 13 Minuten ausreichend gut. Passte vor dem 2:0 klug auf Marco Reus und erledigte den restlichen Abend in Dublin wie im Spaziergang.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Per Mertesacker

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Quelle: AP

Per Mertesacker: Das irische Fernsehen zeigte vor dem Spiel einen Zusammenschnitt aller Fehler von Per Mertesacker in der englischen Premier League mit dem Untertitel: "Nicht eingesetzter Ersatzspieler bei der EM 2012". Wurde dann auch in der ersten Halbzeit stets wie wild von den irischen Stürmern beim Spielaufbau attackiert, gab sich aber keine Blöße. Zeigte in zwei Kopfballduellen mit dem starken Jonathan Walters englische Härte. Wird am Dienstag gegen Zlatan Ibrahimovic mehr zeigen müssen.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Holger Badstuber

Germany v Greece - UEFA EURO 2012 Quarter Final

Quelle: Getty Images

Holger Badstuber: Wenn die Iren noch nicht wussten, warum Deutschland von der Krise noch weitgehend verschont ist, dann hätten sie 90 Minuten lang den Verteidiger Holger Badstuber beobachten sollen. Bis auf ein paar Kopfbälle nie gefordert, und dennoch ratterte die Maschine konstant und fehlerlos. Ein Sinnbild geachteter aber nicht geliebter deutscher Wertarbeit eben. Einziger Fehler: Sah am Ende eine völlig überflüssige Gelbe Karte. Auch deutsche Wertarbeits-Verteidiger sind nicht perfekt.

(Archivbild)

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Marcel Schmelzer

Republic of Ireland v Germany - FIFA 2014 World Cup Qualifier

Quelle: Bongarts/Getty Images

Marcel Schmelzer: Wenn sich Bundestrainer Löw einen Linksverteidiger schnitzen müsste, würde er in keinem Detail Marcel Schmelzer ähneln. Dieser Eindruck entstand jedenfalls nach dem Österreich-Spiel. Löw hatte sich fast hoffnungslos über den Linksverteidiger-Mangel im Land geäußert. Nun, in den ersten Minuten der Partie in Dublin war dem Dortmunder der Druck anzumerken, unter dem er stand nach all dem Wirbel um seine Person. Verursachte nach zehn Sekunden einen Freistoß, nach 50 Sekunden einen Eckball. Kämpfte sich aber bald mächtig rein in das Spiel, fand vor dem 1:0 als erster Deutscher eine Lücke im irischen Abwehr-Block und leitete auch das 2:0 mit gleich mehreren Zweikämpfen links hinten ein. Für Marcel Schmelzer ein erster Schritt aus seiner persönlichen Nationalmannschafts-Krise. Vielleicht kommt es noch dazu, dass Joachim Löw sagen wird: "Es ist eine Freude mit Marcel Schmelzer zusammenarbeiten zu dürfen."

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Bastian Schweinsteiger

Ireland vs Germany

Quelle: dpa

Bastian Schweinsteiger: Wurde von Bundestrainer Löw spitz aufgefordert, der Taktgeber der Mannschaft zu sein. Gab sich eifrig, fast eifernd Mühe, dieser Anforderung nachzukommen. Forderte im Mittelfeld alle Bälle, tauchte auf Linksaußen und auf Rechtsaußen auf, klatschte Mitspielern Beifall für gelungene Pässe, wies gestenreich ihre Laufwege an. Der Dirigent des deutschen Spiels. Von weit oben im Aviva Stadion sah es fast so aus, als hätte er einen Taktstock in der Hand. Kein Wunder, dass er das 1:0 mit einem Pass vorbereitete. Schon eher überraschend, dass er am zweiten Tor nicht beteiligt war.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Sami Khedira

WM-Qualifikation - Irland - Deutschland

Quelle: dpa

Sami Khedira: Überließ Dirigent Schweinsteiger die Bühne, vollbrachte einen braven Mittelfelddienst. Nach hinten nicht gefordert, weil alle irischen Angriffsbälle über ihn hinweg flogen. Fühlte sich einmal in der Offensive gefordert, schoss als Erster auf das irische Tor und holte damit immerhin eine Ecke heraus. Wurde trotz des wenig intensiven Spiels behandelt und musste nach 45 Minuten in der Kabine bleiben.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Mesut Özil

WM-Qualifikation - Irland - Deutschland

Quelle: dpa

Mesut Özil: Hatte seinen ersten Ballkontakt nach exakt neun Minuten. Vertrugen seine Ohren nicht, dass er die deutsche Hymne erstmals gespielt von Dudelsäcken gehört hatte? Oder hatte Irlands Trainer Giovanni Trapattoni ein Mittel gegen Özil gefunden? Der Profi von Real Madrid holte sich dann ganz weit hinten die Bälle und begann, die irischen Gegenspieler mit Finten und Körpertäuschungen zu nerven. Leite das 2:0 ein und schoss, was in diesen Tagen fast wichtiger ist, als Deutscher einen Elfmeter sicher zum 3:0 ins Netz.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Thomas Müller

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Quelle: AFP

Thomas Müller: Sagt selbst von sich, dass er innerhalb eines Spiels zwischen Kreisklasse und Weltklasse hin und her wechselt. Auch in Dublin versprang im einmal der Ball, da hätten sie bei Eintracht Karlsfeld auf der Tribüne geschimpft. Ließ sich aber wie immer nicht entmutigen und zeigte, dass er selbst im grünsten Abwehrdickicht noch eine Lücke für sich entdeckt. War von den Iren nie zu kontrollieren.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Marco Reus

Ireland vs Germany

Quelle: dpa

Marco Reus: Die schnelle Rache des Marco Reus! Der Dortmunder hatte mittels seines Instinkts und seiner Schnelligkeit Verteidiger John O'Shea den Ball abgeluchst, war gefoult worden - und hatte dafür von Schiedsrichter Nicola Rizzoli (einem Italiener!!) Gelb für eine angebliche Schwalbe gesehen. Reus war fassungslos, schrie englische Schimpfwörter über den Rasen. Die irischen Zuschauer bestraften ihn auch noch mit Buhrufen bei den nächsten Ballkontakten. Doch Reus rächte sich nur zwei Minuten später mit dem 1:0, sechs Minuten später mit dem 2:0.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Miroslav Klose

Republic of Ireland v Germany - FIFA 2014 World Cup Qualifier

Quelle: Getty Images

Miroslav Klose: Musste anerkennen, dass Irland nicht Liechtenstein ist. Bayern-Präsident Uli Hoeneß hatte ja kürzlich moniert, dass Miroslav Klose die überwältigende Mehrzahl seiner 64 Länderspiel-Tore gegen eben diesen Zwergstaat und Co. erzielt habe. Hatte in der ersten Halbzeit handgezählte drei Ballkontakte, fand überhaupt keine Bindung zu diesem Spiel. Das änderte sich nach dem Wechsel. Prüfte erst noch Torwart Neuer, als er einen Freistoß auf das eigene Tor lenkte. Und zeigte den Iren dann, dass sie mit ihrer jungen Mannschaft auf der Hoeneß'schen Fußballskala noch unter Liechtenstein stehen: Traf zum 4:0.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Toni Kroos

Republic of Ireland v Germany - FIFA 2014 World Cup Qualifier

Quelle: Getty Images

Toni Kroos: Kam in der Halbzeit für Khedira und zeigte, dass er für solche Gegner wie die drittklassigen Iren genau der richtige ist im defensiven Mittelfeld. Steuerte seinen Sinn für kunstvolles Offensivspiel bei. Wie er mit seinem schwachen linken Fuß den Ball zum 5:0 volley und gezielt in die Ecke bolzte, ist im deutschen Fußball einzigartig. Diese Schusstechnik führte er später beim 6:0 noch einmal vor.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Lukas Podolski

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Quelle: AFP

Lukas Podolski: Kam nach 66 Minuten für Racheengel Reus. In Köln werden sie sich die Augen gerieben haben und auch die zehn Millionen Zuschauer, die das Halbfinal-Aus gegen Italien verfolgt haben, dürften Lukas Podolski kaum wiedererkannt haben. Verströmte bis unters Stadiondach ein riesiges Selbstvertrauen. Brachte sich sogar in die Klein-Klein-Stafetten mit Özil, Müller und Kroos erfolgreich ein. Durfte sich am Ende als Mittelstürmer-Ersatz für Klose probieren.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:André Schürrle

Fußball-Nationalmannschaft - Training

Quelle: dpa

André Schürrle: Gehört gefühlt zu der Hochgeschwindigkeits-Fraktion der deutschen Offensive, kommt aber in Leverkusen nicht mehr richtig in Fahrt, weshalb er auch in der DFB-Elf sicherer Ersatz ist. Konnte sich in den letzten 20 Minuten kaum mehr einbringen.

© SZ.de/ska
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