DFB-Elf in der Einzelkritik:Mit der Harley Davidson zum Zuckerhut

André Schürrle rattert los, als sei er motorisiert. Mario Götze erinnert die Zuschauer daran, was für ein guter Fußballer Mario Götze ist. Philipp Lahm wähnt sich bei einem A-Jugend-Freundschaftskick in Dießen am Ammersee. Die deutsche Nationalmannschaft beim 5:3 gegen Schweden in der Einzelkritik.

Von Thomas Hummel, Stockholm

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Manuel Neuer

Schweden - Deutschland

Quelle: Marcus Brandt/pa

André Schürrle rattert los, als sei er motorisiert. Mario Götze erinnert die Zuschauer daran, was für ein guter Fußballer Mario Götze ist. Philipp Lahm wähnt sich bei einem A-Jugend-Freundschaftskick in Dießen am Ammersee. Die deutsche Nationalmannschaft beim 5:3 gegen Schweden in der Einzelkritik.

Manuel Neuer: Ging kopfschüttelnd und mit einem tatsächlich sehr dicken Hals zur Halbzeit in die Kabine. Zwei Schüsse waren auf sein Tor geflogen zuvor, zweimal musste er den Ball passieren lassen. Beim 0:1 wurde er gar von Tobias Hysén getunnelt. Will eigentlich immer spielen, ob in der Champions League oder in einem unbedeutenden WM-Qualifikationsspiel. Hat es diesmal vermutlich bereut, auf dem Platz gestanden zu haben. Nach der Pause sauste nämlich die nächste Kugel an ihm vorbei ins Netz und er musste schon Angst haben, wieder in so ein seltsames 4:4 verwickelt zu werden. Hielt aber dann einen Freistoß mit dem Kinn und durfte auch noch einmal mit den Fäusten abwehren. Schweden ist definitiv nicht sein Lieblingsgegner. Immerhin ging es diesmal 5:3 aus.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Philipp Lahm

Sweden v Germany - FIFA 2014 World Cup Qualifier

Quelle: Bongarts/Getty Images

Philipp Lahm: Wenn es in einem Spiel um nichts mehr geht, dann sollte man Philipp Lahm einfach draußen lassen. Dosiert seine Leistungen streng nach Bedeutung des Kicks. Das Ergebnis: Wurde einmal gnadenlos ausgespielt, einmal foulte er in Maik-Franz-Manier Gegenspieler Olsson und einmal leistete er sich einen Pass in die Füße von drei Schweden. Wollte vor dem 0:2 Gegenspieler Kacaniklic ins Abseits stellen, vergaß aber, Mats Hummels Bescheid zu geben. So eine Fehlerquote innerhalb von 45 Minuten hatte Lahm vermutlich noch nie oder zuletzt bei einem Freundschaftskick mit der Bayern-A-Jugend in Dießen am Ammersee. Spielte wieder rechts hinten. Hat sich Pep Guardiola für diese Position aber diesmal nicht angeboten. Auch Löw hatte in der Schlussphase ein Einsehen und versetzte den Münchner beim Stand von 3:4 wieder ins defensive Mittelfeld. Es half: Das Spiel endete nicht 4:4.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Jérôme Boateng

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Quelle: AFP

Jérôme Boateng: Beim 0:1 verpasste er, rechtzeitig das Tempo von Torschütze Tobias Hysén aufzunehmen. Beim 0:2 misslang die Abstimmung mit Lahm und Hummels. In diesen Situationen mindestens ein unglücklicher Auftritt. Auch beim 3:4 lief der Torschütze Hysén verdächtig nah an Boateng vorbei, bevor er den Ball ins Tor bolzte. Versuchte sonst vor allem mit weiten Diagonalbällen auf André Schürrle das deutsche Offensivspiel anzuschieben. Machte diesmal einen schwächeren Eindruck als der zuletzt so gescholtene Hummels.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Mats Hummels

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Quelle: Jonathan Nackstrand/AFP

Mats Hummels: Gab sich betont seriös. Nach einem ersten langen Ball (Protest gegen Löw?) gewann der Dortmunder brav Kopfballduelle, spielte ordnungsgemäße Flachpässe zum Mitspieler und ging munter in die Zweikämpfe. Lief beim 0:2 hilflos dem Torschützen Kacaniklic hinterher, weil er das Abseitsstellen der Kollegen Lahm und Boateng verpasst hatte. Oder wollten ihm die Bayern-Kollegen eins auswischen? Um Hummels gab es ja zuletzt diplomatische Verwicklungen, der Bundestrainer hatte ihn kritisiert und der Vorwurf stand im Raum, Löw möge generell keine Dortmunder. Insofern darf es durchaus als Akt der Versöhnung gesehen werden, dass Löw den Dortmunder für den angeblich erkälteten Per Mertesacker (wärmte sich dennoch munter und fidel auf) verteidigen durfte.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Marcell Jansen

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Quelle: AFP

Marcell Jansen: Ist fast schon so lange dabei wie Schweinsteiger und Lahm, feierte sein Debüt 2005. Dennoch fühlt es sich an, als würde da ein Frischling links hinten agieren (es war sein 43. Länderspiel). Unterstützte eifrig den Mann des Tages, André Schürrle, bei dessen Wirbel auf dem linken Flügel. Agierte sonst unaufgeregt und ohne Tadel. Hat sich mindestens dafür angeboten, weiterhin mit Marcel Schmelzer um den Stammplatz links hinten zu kämpfen.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Bastian Schweinsteiger

Schweden - Deutschland

Quelle: dpa

Bastian Schweinsteiger: Wie stellt man sich eigentlich sein eigenes 100. Länderspiel vor? Lothar Matthäus gewann das seine 4:3 gegen die USA. Franz Beckenbauer sah in seinem Jubiläums-Einsatz Uli Hoeneß einen EM-Final-Elfmeter in den Nachthimmel schießen und verlor 5:7. Jürgen Klinsmann durfte immerhin zwei Tore schießen, gegen erbarmungswürdige Armenier (4:0). Bastian Schweinsteiger durfte sein 100. in der wunderschönen, nagelneuen Friends Arena in Solna austragen und ein 5:3 in Erinnerung behalten. Er lief als einziger mit einer langen Unterhose auf, obwohl es gar nicht mal so kalt war. Durfte die Jubiläums-Blumen, die ihm DFB-Präsident Niersbach vor dem Spiel gab, leider nicht mit aufs Spielfeld nehmen. Wirkte phasenweise ermattet, als hätte er die vorherigen 99 Länderspiele innerhalb der vergangenen Woche absolviert. Raffte sich bisweilen auf, schoss allein in der ersten Halbzeit dreimal aufs schwedische Tor - dreimal vorbei. War am deutschen Angriffswirbel der zweiten Halbzeit kaum beteiligt.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Toni Kroos

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Quelle: AFP

Toni Kroos: Was für einen wunderschönen Freistoß schickte Toni Kroos da nach elf Minuten über den Platz. Mit Unterschnitt (im Tennis wäre es ein Slice) segelte der Ball über alle Köpfe hinweg genau auf selbigen von Thomas Müller, der aber nur die Latte traf. Beeindruckte im Spielaufbau immer wieder mit seinen Gefühl für Raum und Zeit und ahnte meist voraus, was der Gegenspieler dachte. Tauchte aber mitunter ab, war vor allem in der Defensive kaum ein Faktor und bestätigte damit seine größte Schwäche.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Thomas Müller

Germany's Muller jumps over Sweden's Olsson during their 2014 World Cup qualifying soccer match in Stockholm

Quelle: REUTERS

Thomas Müller: Reklamierte beim Schiedsrichter schon nach 20 Minuten, weil die Schweden einen Einwurf zu langsam ausführten. Kann es eben nicht leiden, zurückzuliegen. Selbst in einem bedeutungslosen WM-Qualifikationsspiel. Hatte mit die beste Gelegenheit vor der Pause, als er einen Kopfball aus fast unmöglichem Winkel an die Latte setzte. Versuchte oft, von rechts auf die freie Mittelstürmer-Position zu wechseln, kam aber dort immer zu spät. Sein einzigartiger Müller-Moment blieb diesmal aus. Ging in der Halbzeit aus dem Spiel.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Mesut Özil

Sweden vs Germany

Quelle: dpa

Mesut Özil: Joachim Löw scheint die wahre Bestimmung Mesut Özils entdeckt zu haben: Stürmer! Musste zwar diesmal nicht wie gegen Irland die Position neun besetzen, war aber dennoch der torgefährlichste deutsche Spieler. Vertändelte nach einer halben Stunde noch zaghaft den Ausgleich, schoss allerdings den Ball bei nächster Gelegenheit und in höchster Not zum 1:2 ins Tor. Das 2:2 legte er mit dem großen Zeh für Mario Götze auf. Strukturierte und leitete wie immer das deutsche Offensivspiel an, auch wenn er einige Zeit brauchte, um sich in dieses belanglose WM-Qualifikationsspiel hineinzufinden.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:André Schürrle

Germany's Schuerrle celebrates his goal against Sweden with teammates during their 2014 World Cup qualifying soccer match in Stockholm

Quelle: Reuters

André Schürrle: Wenn André Schürrle lossprintet, glaubt man im Hintergrund immer so etwas wie einen Harley-Davidson-Motor zu hören. Er rattert mehr über den Platz als dass er rennt und kann zumindest von einem schwedischen Verteidiger nicht gestoppt werden. Ist offensichtlich beim FC Chelsea unter Trainer Mourinho noch stärker und zielstrebiger geworden. Schlängelte und schwindelte sich an den Männern in Gelb vorbei, kein Ziehen und keine Grätsche konnten Schürrle aufhalten. Nutzte Per Nilssons tödlichen Fehlpass zum 3:2 und Götzes entscheidenden Flachpass zum 4:2. Schoss den Ball aus dem Stand mit kalter Präzision in den entfernten Torwinkel. Mann des Abends in Solna. Auch wenn Zlatan Ibrahimovic einmal umjubelt von der Anzeigetafel ins Publikum winkte.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Max Kruse

Sweden v Germany - FIFA 2014 World Cup Qualifier

Quelle: Bongarts/Getty Images

Max Kruse: Falsche Neun? Versteckte Neun? Bisweilen gab Max Kruse bei der Partie gegen Schweden eine leicht verlorene Neun, weil dem Spiel der Deutschen lange Zeit die Zielstrebigkeit fehlte. Als die DFB-Elf etwas zwingender nach vorne spielte, hatte auch der Mönchengladbacher seine Szenen. War an einigen Toren mit schlauen Pässen beteiligt. Kein Hauptdarsteller, aber ein Rädchen im zeitweisen Wirbel der DFB-Elf. Fiel im Zusammenspiel mit Schürrle, Özil, Müller, Götze keinesfalls ab.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Mario Götze, Benedikt Höwedes, Julian Draxler:

Germany's Goetze celebrates his goal against Sweden in front of teammate Kruse during their 2014 World Cup qualifying soccer match in Stockholm

Quelle: REUTERS

Mario Götze: Wer nach seiner langen Verletzungspause vergessen hatte, was für ein guter Fußballer Mario Götze ist, der wurde nun daran erinnert. Mit dem Neu-Bayern kam nach der Pause plötzlich Fahrt ins deutsche Spiel. Schoss den Ball beim 2:2 zentimetergenau ins rechte Kreuzeck, legte André Schürrle eins seiner Tore auf. War einfach zu gut für die tapfere schwedische Defensive.

Benedikt Höwedes: Kam in der 75. Minute, um ein 4:4 zu verhindern. Haute beim Stand von 3:5 den Schweden Martin Olsson aus den Schuhen, dass es krachte. Hatte damit seinen Anteil daran, dass es nicht zur Wiederholung des Berliner Dramas kam.

Julian Draxler: Kam in den letzten zehn Minuten für Özil. Da waren alle Tore schon geschossen.

© Süddeutsche.de/sonn
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