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DFB-Elf in der Einzelkritik:Kräftig wie ein Rinderherz

Lukas Podolski rettet die Stimmung in der Mainzer Arena. Benedikt Höwedes bewirbt sich als WG-Kumpane in Campo Bahia. Und Thomas Müller stolpert wie verhext über die eigenen Beine. Die DFB-Elf beim 6:1 gegen Armenien in der Einzelkritik.

Von Saskia Aleythe, Mainz

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Roman Weidenfeller

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Quelle: AFP

Lukas Podolski rettet die Stimmung in der Mainzer Arena. Benedikt Höwedes bewirbt sich als WG-Kumpane in Campo Bahia. Und Thomas Müller stolpert wie verhext über die eigenen Beine. Die DFB-Elf beim 6:1 gegen Armenien in der Einzelkritik.

Roman Weidenfeller: Tauscht derzeit ja gerne bei öffentlichen Auftritten den Schuh mit Marco Reus, läuft also in Pink und Blau auf, an den Händen in seitenverkehrter Ausführung. Fällt mit diesem Stylingkonzept immer auf, egal welche Chancen ihm das Spiel bietet. Hatte gegen Armenien nach mehr als einer Stunde seinen urplötzlichen Auftritt: Es gab Elfmeter und Weidenfeller sollte halten. Das wurde nix, der Dortmunder entschied sich für die falsche Ecke. War mit dem Kopf vielleicht bei Marco Reus.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Jérôme Boateng

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Quelle: AFP

Jérôme Boateng: Badelatschen? Duschgel? Sonnenbrille? Irgendwas ging vor im Kopf von Boateng, vermutlich ratterte er die Gepäckliste nochmal durch, als er sich auf dem Rasen so eingroovte. Nach 20 Momenten der Orientierung donnerte er eine Flanke bis zum Lerchenberg, dass beinahe das Kichern der Mainzelmännchen herüberschallte. Erkannte dann, dass vorne mehr zu bewirken war als hinten: Lenkte den Ball knapp am armenischen Tor vorbei und sorgte auch mal für dankbare Flanken. Auch in der zweiten Halbzeit blieb er vorne aktiv und veranlasste das Publikum zum Raunen.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Per Mertesacker

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Quelle: AP

Per Mertesacker: Lässt sich trotz Jugendlichkeit der deutschen Rasselbande nicht dazu hinreißen, ein Basecap zu tragen. Macht sich auch nichts aus bunten Schuhen, sondern wandert in der Abwehr beständig auf und ab. Hat die Autorität, einen Gegenspieler aus Armenien auch schon mal vorm Körperkontakt zum Ballverlust zu bringen. Setzte diese Fähigkeit gewinnbringend ein.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Mats Hummels

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Quelle: AFP

Mats Hummels: Ball im Aus, Zweikampf verloren, schlechter Pass: gut startete Hummels nicht in die Partie. Doch dann, als es gerade ein wenig träge geworden war, passte Hummels den Ball eiskalt von der Mittellinie bis in den Strafraum, mitten durch alle Mit- und Gegenspieler, der einlaufende Reus verwandelte jedoch nicht. Hummels nahm's nicht persönlich und arbeitete weiter. Auch in seiner Funktion als Abwehrspieler - gute Interpretation der Jobbeschreibung.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Benedikt Höwedes

Fototermin Nationalmannschaft - Benedikt Höwedes

Quelle: dpa

Benedikt Höwedes: Verdrängte Rotbäckchen Erik Durm aus der Abwehr, bekam vor Scham kurz nach Anpfiff fast selbst Gesichtsröte: Eröffnete zusammen mit Hummels dem armenischen Angriff eine feine Gelegenheit. Präsentierte sich vor allem lauffreudig und hilfsbereit, machte sich damit zum beliebten WG-Kumpanen im Campo di Bahia. Sogar zum sehr beliebten: Brustelte das 3:1 der deutschen Elf ins Tor.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Philipp Lahm

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Quelle: AFP

Philipp Lahm: Zwickt's noch? Zwackt's noch? Zu sehen war davon in Mainz bei Philipp Lahm nichts, weder im freundlich dreinblickenden Gesicht noch im Spiel. Wurde von Löw zum Mitglied der Dreier-Gang mit Kroos und Khedira berufen und lieferte eine ordentliche Vorstellung ab. Flankte in den richtigen Momenten und brachte die Bälle an seine Mitspieler, wie es sich gehört. Gab den traurigen Titel als Knöchel der Nation an Marco Reus ab und kehrte nach der Pause nicht wieder zurück auf den Rasen.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Sami Khedira

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Quelle: AFP

Sami Khedira: Ist eine Art Vertrauensbunker des Teams, hat Löws Anerkennung so sicher wie kein Zweiter. Reihte sich neben Lahm im Mittelfeld ein, lief nach vorne und nach hinten - das war in Punkto Fitness ein gutes Zeichen. Lieferte in der zweiten Hälfte einen Knallerschuss ab, muss beim Zielen aber noch aufholen. Durfte nach knapp einer Stunde Bastian Schweinsteiger das Feld überlassen.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Marco Reus

Germany v Armenia - International Friendly

Quelle: Bongarts/Getty Images

Marco Reus: Will sich nicht mehr als dieses Nachwuchstalent aus Gladbach verstanden wissen. Marco Reus ist groß geworden und traut sich nun auch zu, mal Weltfußballer zu werden, wird in Anlehnung an CR7 auch MR11 genannt. Gab in Mainz das gewohnte Bild der vergangenen Monate ab: Präsentierte seine wunderbaren Anlagen mit der fast schon bemerkenswerten Fähigkeit, kein Tor zu machen. Versetzte die Nation vor der Halbzeit in einen Schockzustand: Knickte im Zweikampf um und blieb sich wälzend auf dem Rasen liegen. Hielt sich traurig die Hände vors Gesicht, wurde vom medizinischen Stab vom Rasen geleitet, der linke Knöchel blieb ohne Rasenkontakt.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Toni Kroos

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Quelle: AP

Toni Kroos: Stützte sich beim Spielen der armenischen Hymne als einziger Spieler auf sein Einlaufkind, schien froh zu sein, sich an etwas festhalten zu dürfen. Machte nach 20 Minuten den Zuschauern in Mainz Mut: Holte einen seiner Toni-Kroos-Gedächtnisschüsse raus, die an guten Tagen ansatzlos im Tor landen. In Mainz segelte der Ball nicht wirklich weit, nicht wirklich knapp übers Tor. Setzte sich in der zweiten Hälfte noch besser in Szene - und seine Mitspieler. Hat sich auch als WG-Kumpane beworben.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:André Schürrle

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Quelle: AFP

André Schürrle: Kehrte mit dem Testspiel gegen Armenien an seine erste Bundesligastation zurück. In Mainz (und bei Leverkusen) kannte man ihn jüngst noch etwas schmächtiger, unter den Fittichen Mourinhos soll Schürrle fünf Kilogramm Muskelmasse zugelegt haben. Brachte den Ball nach knapp zehn Minuten trotzdem nicht im Tor unter, beim Kopfball ist Muskelmasse schließlich nicht zwingend erfolgsversprechend. Hätte nach einer halben Stunde das 1:0 machen müssen, nahm sich aber bis zur 52. Minute Zeit, um es besonders hübsch zu machen: Lenkte den Ball seitlich mit dem Fuß ins Tor.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Thomas Müller

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Quelle: AFP

Thomas Müller: In Mainz waren keine sieben Minuten vergangen, da hatte Müller schon zwei Mal so mächtig geflucht, dass darin in anderen Kulturen schon ein 1-A-Vodoozauber vermutet wurde. Stolperte nach 20 Minuten wie verhext über seine eigenen Beine, leitete dann einen Ball in den Strafraum zu einem imaginären Mitspieler. War dennoch wichtig als Vorbereiter und Impulsgeber. Musste sich über die Tore von der Bank aus freuen.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Lukas Podolski

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Quelle: AFP

Lukas Podolski: Feierte an diesem Abend in Mainz mit Schweinsteiger zehnjähriges Jubiläum. Die beiden hatten am 6.6.2004 ihr Länderspiel-Debüt. Sorgte in einem Werbeclip mit einem matschigen Kuhherz in der Hand zuletzt für einen Aufreger, kam gegen Mainz in einer sehr gefühligen Situation auf den Rasen: Als Ersatz für den lädierten Marco Reus. Leistete dann nach der Pause Außergewöhnliches: Bereitete drei Tore vor und erzielte eines selbst - die Fanversöhnung war wieder erreicht.

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DFB-Elf in der Einzelkritik:Einwechselspieler

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Quelle: Daniel Roland/AFP

Miroslav Klose: War im deutschen Spiel die Wünschelrute bei der Suche nach einem Tor. Traf in der 78. Minute per Kopf - und wurde damit neuer Rekordtorschütze der Nationalmannschaft. So lässt es sich nach Brasilien fliegen.

Mesut Özil: Ob Druck und Mesut Özil wieder Freunde werden, ist nicht wirklich auf Dauer abzusehen. Steht als Schmollfisch der Nation unter gesteigerter Beobachtung, kam nach der Pause für Lahm auf den Rasen. Setzte dann zu einem ordentlichen Schuss an: Traf den linken Pfosten, dass es laut Pling machte. Agierte später als Vorbereiter zum 3:1 durch Podolski - ob das nun sein Selbstbewusstsein stärkt, bleibt offen.

Bastian Schweinsteiger: Konnte seinen traurigen Titel als Knie der Nation ablegen, ohne ihn an einen Mitspieler abgeben zu müssen. Lief für Khedira auf und übte sich im Fitness-Präsentieren. Machte das ohne dass Magengrummen ausbrach.

Kevin Großkreutz: Kam auf den Rasen, drei Minuten später gab es Elfmeter. Hatte sich etwas zu dankbar für die Armenier im Strafraum angestellt. Besserte das kurz vor Schluss etwas aus: Spielte den Ball rechts neben dem Tor der Armenier zurück Richtung Strafraum.

Mario Götze: Durfte in Mainz schon Pokalübergabe üben: Bekam nach dem Abschlusstraining einen Fanpreis für seinen Auftritt gegen Chile überreicht. Machte das mit sympathischer Lockerheit, hatte aber auch nur einen Schuljungen vor sich stehen. Beim 5:1 durfte auch Götze mal ran: Spitzelte den Ball nach Anspiel von Podolski ins Netz. Auch das 6:1 verbuchte er auf seinen Namen.

© Süddeutsche.de/ska/ebc
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