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Deutsche Nationalelf:Schland in Sicht

Jogi Loew gut gelaunt GER, die deutsche Nationalmannschaft im Trainingslager in Seefeld Tirol, Oesterreich, 05.06.2021,

Gut gelaunt: Bundestrainer Joachim Löw.

(Foto: Roger Buerke/imago images/Eibner)

Euphorie für die anstehende EM? Kommt nur schleppend auf. Doch immerhin innerhalb der Nationalmannschaft scheint die Vorfreude auf das Turnier diesmal riesig zu sein - und die Stimmung hervorragend.

Kommentar von Sebastian Fischer, Seefeld

Wer der deutschen Nationalmannschaft in den vergangenen Tagen in Seefeld bei der Vorbereitung auf die anstehende Europameisterschaft als Fan zuschauen wollte, der musste in den Wald gehen. Dort, am Hang gegenüber der Toni-Seelos-Olympiaschanze, auf der bei den Winterspielen 1964 und 1976 skigesprungen wurde, hatte man zwischen Tannen einen guten Blick auf den Rasenplatz im Tal - wenn man sich etwas streckte oder kletterte, um über den für die Fußballer aufgestellten Sichtschutz blicken zu können. Oder wenn man den Sichtschutz einfach entfernte, wie es die Zuschauer an einem Tag erfolgreich versuchten, von Ordnern unaufgeregt beobachtet.

Es war also gar nicht so einfach, ein Trainingskiebitz zu sein. Und deshalb war es vielleicht eine Art Lackmustest. Wenn es Menschen gibt, die diese Mühen auf sich nehmen, um die Nationalelf beim Üben zu betrachten, dann muss es sie doch geben, die wachsende Vorfreude auf die Europameisterschaft. Oder?

Tommi Schmitt, der Podcaster, Talk-Show-Host und Borussia-Mönchengladbach-Fan, der sich für das Magazin 11Freunde zum pointenreichen Fußballkulturkritiker aufgeschwungen hat, drückt es in der jüngsten Ausgabe seiner Kolumne so aus: Weder habe er bislang einen Aufkleber von Icke Häßler im Hanuta gehabt, noch im Supermarkt DFB-Zahnseide kaufen können. Die EM-Euphorie, sollte das heißen, sie ist noch ziemlich unsichtbar.

In München, das war eine hoffnungsvolle Nachricht dieser Woche, dürfen bei den Gruppenspielen der deutschen Mannschaft 14 000 Zuschauer ins Stadion. Beim Testspiel der Nationalelf in Düsseldorf gegen Lettland an diesem Montag sind es immerhin 1000. Schon beim Champions-League-Finale vor einer Woche war es eine fast rührende Erkenntnis gewesen, wie die Rückkehr von ein paar Fans in die Arena das Spiel aufwertet; singende Zuschauer geben dem Fußball tatsächlich etwas von der Relevanz zurück, die er vor der Pandemie hatte.

Andererseits zeigt schon die komplizierte Vergabe der Sitzplätze - die Uefa lost aus, welche von den weitaus mehr als 14 000 Ticketkäufern ins Stadion dürfen -, dass weiterhin einiges auf die Stimmung drücken wird. Und sei es bei manchen auch die Sorge vor unvernünftigen Jubelszenen bei Menschenansammlungen in der Innenstadt.

Euro 2020 - Germany Training

Kletternde Kiebitze: Zuschauer beim DFB-Training in Seefeld

(Foto: ANGELIKA WARMUTH/REUTERS)

In Seefeld war bis auf Plakate am Straßenrand und die in Deutschland-Farben dekorierten Absperrgitter, die auf die Anwesenheit der Nationalmannschaft hinwiesen, auch nicht außerordentlich viel zu sehen, was auf ein anstehendes Fußballfest hinweist. Der Bürgermeister hätte gerne eine Marschkapelle aufgeboten, erzählte er, doch das ging natürlich nicht. Nein, die EM-Euphorie, sie kann in diesem Sommer wenn überhaupt vorrangig in kleinen Gruppen vor den Fernsehern entstehen, im Garten oder im Wohnzimmer, wenn das erlaubt ist. Und selbst dafür braucht es noch ein wenig Anschub. Den allerdings gibt es nun. Von durchaus überraschender Stelle, muss man sagen.

Die Nationalmannschaft stand in den vergangenen Jahren nicht gerade für gute Stimmung, bei der WM 2018 sogar unbestritten für das Gegenteil. Doch diesmal, mit Abschluss des Trainingslagers in Seefeld an diesem Sonntag, klingt es geradezu schwärmerisch, wie alle Beteiligten über die Atmosphäre, die Protagonisten und die Zusammenarbeit sprechen.

Es gebe, anders als in der Vergangenheit, keine Konflikte zwischen Spielern oder Spielergruppen, sagt DFB-Direktor Oliver Bierhoff. Alle seien gern zusammen, sagt Ersatztorwart Kevin Trapp. Jeder könne mit jedem reden, sagt Mittelfeldspieler Jonas Hofmann. Es wurde Tennis gespielt, gegolft, Fahrrad gefahren, trotz strenger Hygiene-Vorkehrungen. Hinzu kommt zeitgleich ein überraschend starker EM-Auftritt der U21, der durchaus Potenzial dafür hat, Fußballfreude zu wecken.

Und Joachim Löw, der Bundestrainer, vor seinem letzten Turnier? Man sehe "Feuer in seinen Augen", sagt Bernd Leno, der zweite Ersatz-Keeper. Nun muss es der Funke nur irgendwie hygienisch einwandfrei zum Überspringen aus der DFB-Bubble schaffen.

© SZ/bek
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Die Überlegung des Bundestrainers würde im Mittelfeld zu einem Dilemma führen. Löw hätte nur noch wenige Startelfplätze zu vergeben - das könnte auch Champions-League-Sieger Kai Havertz treffen.

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