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DFB-Elf beim Confed Cup:Win-win-Sommer fürs Nationalteam

Germany v Chile: Group B - FIFA Confederations Cup Russia 2017

Leon Goretzka ist einer der Gewinner in Russland - und es gibt noch weitere.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Der Confed Cup erzeugt im Kader der Nationalelf jenen Binnendruck, den Joachim Löw bei der EM 2016 dringend gebraucht hätte. Vor allem drei Spieler drängen sich auf.

Nicht, dass es eine wirklich relevante Information wäre, aber vielleicht würde man das doch ganz gerne wissen: ob Özil, Götze, Boateng, Hummels, Khedira, Müller, Kroos, Gomez und all die anderen am Donnerstag ihre Strände räumen werden, um sich nervös vor einen Fernseher zu setzen: Die Nationalmannschaft spielt, im Halbfinale dieses Confed Cups - spannend! Und all diese prickelnden Fachfragen erst: Werden unsere Jungs wohl mit Dreier- oder Viererkette verteidigen, und kann man vielleicht was über den Gegner lernen? Spielen die Mexikaner mit oder ohne Ballbesitz, stehen sie hoch, tief oder schief, und kippt der Außenverteidiger vielleicht sogar nach innen weg?

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Werner, Stindl und Goretzka erhöhen den Binnendruck

Man will obigen Helden nicht zu nahe treten (wobei: warum eigentlich nicht?), aber bei einigen sollte man nicht davon ausgehen, dass sie ihren Urlaub unterbrechen, um an einem sonnigen Tag in den USA zu verfolgen, ob Kerem Demirbay eingewechselt wird. Demirbay wird ihnen kaum gefährlich werden, er wird ihnen den Kaderplatz ebenso wenig wegnehmen wie Marvin Plattenhardt, Sandro Wagner oder ... wobei: Weiß man's?

Von Jogi Löw ist bekannt, dass er einen guten Urlaub zu genießen weiß, man kennt und schätzt die alljährlichen Schnappschüsse: Löw in Tarnfarbenbadehose und mit Pilotensonnenbrille. Der Connaisseur begrüßt es demnach sehr, dass seine besten Spieler gerade ausführlich Ferien machen dürfen, und bis vor kurzem hätte er überhaupt allen Spielern von Herzen Urlaub gewünscht - und, ja gut, in diesem Fall wäre dem bestimmt sehr viel beschäftigten Bundestrainer nichts anderes übrig geblieben, als halt ebenfalls frei zu machen.

Tatsächlich hat Löw ja seriöse Argumente, wenn er den in den Weiten des Weltfußballs wund gelaufenen Körpern seiner Spitzenathleten etwas Ruhe gönnen möchte, aber das hätte er vermutlich auch nicht gedacht: dass dieser Confed Cup ihm einen Win-win-Sommer bescheren würde. So wie dieser Wettbewerb bisher läuft, sorgt er dafür, dass es Khedira, Müller, Götze und den anderen in diesem Sommer gut, aber eben nicht zu gut geht. Sie dürfen sich erholen, aber nicht alle dürfen sich sicher fühlen.

Es sind bisher vor allem dreieinhalb Spieler, die den Binnendruck in Löws Kader auf produktive Weise erhöht haben: die Angreifer Timo Werner und Lars Stindl, der Mittelfeldspieler Leon Goretzka - und, mit Einschränkungen, der Verteidiger Niklas Süle. Vor allem die ersten drei haben ihren Auftrag beim Confed Cup bislang übererfüllt: Sie haben nicht nur so gespielt, dass man sie im Notfall bedenkenlos einsetzen könnte - man muss sich eher fragen, ob es überhaupt noch einen Notfall braucht, um sie zu bringen.

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Aus deutscher Sicht gab es eine zentrale Lehre der EM 2016, vermisst wurde eine doppelte Art von Druck: jener, der bei aller Ästhetik aufs gegnerische Tor ausgeübt werden muss - und jener, der aus dem eigenen Kader kommt. Werner, Stindl und Goretzka bedeuten da einen echten Zugewinn - zumal die garantierten Loyalitätstickets für Schweini & Poldi inzwischen wegfallen. Löw dürfte es bei der WM so vorkommen, als sei sein Kader um zwei Plätze größer geworden.