DFB:Der DFB verteidigt grundsätzlich, dass er sich auf diese Konstruktion einließ.

Nächstes Fragezeichen: die Verlängerung des Grundlagenvertrags im Herbst 2016, DFB und DFL hatten gerade Verträge über immense Zuwächse abgeschlossen. Der Verband erhält von Adidas künftig 50 Millionen per annum, jedoch erst ab 2019. Und die Liga besiegelte einen TV-Deal, der ihr ab 2017 bis 2021 im Schnitt 1,16 Milliarden Euro jährlich für die Rechte beschert. Als aber die Vertreter der DFL und des DFB unter Grindels Führung den Grundlagenvertrag unterschrieben, wurde nichts geändert. Nichts im Vertragstext, nichts an der Hin- und Her-Zahlung von 20 bzw. 26 Millionen Euro, nichts am Saldo von sechs Millionen. Und auch nichts an der Zahl von 866,66 Millionen Euro als Bemessungsgrenze für die von der Liga abzuführende Pacht.

Dabei fallen deren Erlöse bald um einige Hundert Millionen Euro höher aus. Insofern profitiert das Profilager von der Regel noch einmal besonders in den Spielzeiten 2017/18 und 2018/19, wenn der neue TV-Vertrag schon gilt, die Einnahmen auf DFB-Seite aber noch nicht gestiegen sind.

Der DFB verteidigt grundsätzlich, dass er sich auf diese Konstruktion einließ. Grindels Argumentation geht so: Die Konstellation mit den beiden Finanzsträngen sei elementar, und das damit verbundene Recht, die Nationalelf zu vermarkten, bilde die wirtschaftliche Basis für die vielfältigen Aufgaben des DFB. Die Deckelung gebe Planungssicherheit. Und angesichts zu erwartender Marketingerlöse, die sich womöglich sogar besser als die Liga-Einnahmen entwickeln könnten, sei dies auch unter kaufmännischen Gesichtspunkten im Interesse des DFB. Allerdings weisen rückläufige Zuschauerzahlen bei Länderspielen auch in eine andere Richtung.

Zudem sind steuerliche Aspekte wichtig. Der Pachterlös fällt in die sogenannte Vermögensverwaltung, für die der DFB keine Steuern zahlen muss; die Abgabe an die Liga indes fällt als Betriebsausgabe in den wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb. Die Ausgaben, so Grindel, dürften nicht zu groß werden, weil sonst ein Minus in dem Bereich drohe. Den DFB-Chef bringt das Thema dennoch in Erklärungsnot. Bis 2013 war er Compliance-Beauftragter; die Zusatzvereinbarung, sagt er, habe er da aber nicht gekannt. Erst nach der Wahl zum Schatzmeister 2013 sei er von Vorgänger Schmidt darüber in Kenntnis gesetzt worden. Im April 2016 kam er nach Niersbachs Rücktritt ins Chefamt, trotz Vorbehalten im Profilager. Eines seiner Versprechen war mehr Transparenz. Doch an der Zusatzvereinbarung und am Sechs-Millionen-Fixum änderte sich nichts: Der Saldo zwischen den Deckelungen sei "das Ergebnis einer Zusage von Wolfgang Niersbach, an die ich mich bei Amtsantritt gebunden gefühlt habe".

Kein DFB-Präsident informierte den Bundestag über das Dokument, auch nicht Grindel

Der Transparenz-Verfechter Grindel legte die Vereinbarung auch nicht offen. Befragt, warum er das nicht getan habe, sagt er: "Es gab und gibt keine Geheimdiplomatie, die 2009 eingeführte Zusatzvereinbarung habe ich stets als Anlage verstanden, die dem DFB-Präsidium bekannt war. Sie hätte selbstverständlich auch dem DFB-Bundestag vorgelegt werden können." Wurde sie aber nicht.

Das Ja des Bundestags zum Grundlagenvertrag erfolgte ohne Kenntnis der Zusatzvereinbarung.

Künftig, sagt Grindel, soll es die Zusatzabsprache nicht mehr geben und ihr Inhalt direkt in den Grundlagenvertrag fließen. Ob sich aber am umstrittenen Inhalt etwas ändert, ist Sache der nächsten Verhandlungsrunde. Bis dahin dauert es; der aktuelle Vertrag läuft bis 2023. So lange profitiert das Profilager, das seine Milliarden ganz überwiegend in ständig wachsende Traumgagen, in Transfer-Karussells und Beraterhonorare versenkt, auf die bewährte Art.

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