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DFB-Elf gegen Argentinien:Provokante Fragen und ein Schreihals

  • Die DFB-Elf zeigt beim 2:2 gegen Argentinien gute und weniger gute Ansätze.
  • Vor allem der Leverkusener Kai Havertz spielt sich in den Vordergrund.
  • Das Publikum im Westfalenstadion weist einen Spinner zurecht.

Es schien ein schlechter Scherz zu sein, als kurz vor Anpfiff die Nachricht über die Smartphones lief, dass nun auch noch Niklas Stark ausfallen würde. Niklas Stark, Innenverteidiger von Hertha BSC, sollte nach zwei einsatzminutenlosen Reisen zur Nationalelf sein Startelfdebüt bekommen und dann musste er mit Magen-Darm-Problemen im Hotel bleiben. Starks Ausfall sorgte dafür, dass sich die Zahl der Ausfälle auf 13 erhöhte und die stattliche Zahl von drei ganzen Feldspielern auf der Bank Platz nahmen - also knapp mehr als die Zahl der Ersatztorhüter. Auf dem Feld gab für Stark Robin Koch vom SC Freiburg in der Mitte der Dreierabwehrkette sein Debüt dazu Stürmer Luca Waldschmidt, später kamen Suat Serdar und Nadiem Amiri ins Spiel.

Man kann also ohne große hellseherische Fähigkeiten behaupten, dass diese Nationalmannschaft in dieser Besetzung niemals wieder zusammenspielen wird. War also an diesem 2:2 gegen Argentinien alles für die Katz? Nein, ein bisschen was kann man ja aus jedem Abend lernen.

Deutsche Nationalmannschaft Das Zögern der Debütanten
Länderspiel gegen Argentinien

Das Zögern der Debütanten

Nach starker erster Hälfte verspielt die deutsche Nationalelf beim 2:2 gegen Argentinien einen Zwei-Tore-Vorsprung - Löws Neuen fehlt am Ende die Cleverness.   Von Ulrich Hartmann

Da war zum Beispiel eine Szene vor Anpfiff. Es gab eine Schweigeminute, um der Opfer des rechtsextremen Anschlags von Halle zu gedenken. Ein Spinner fing nach wenigen Sekunden der Ruhe an, "Einigkeit und Recht und Freiheit" zu brüllen, ein anderer Fan rief ihm hörbar und herzhaft "Halt die Fresse" hinüber. Serge Gnabry musste vor Freude darüber kurz grinsen, wie man im TV sehen konnte, das Stadion applaudierte spontan dem einschreitenden Fan. Eine Szene, die zeigte, was es bringt, die Stimme zu erheben.

Es waren nur nicht so viele Menschen nach Dortmund gekommen. Es regnete, es war ein Testspiel, Anstoßzeit um 20:45 Uhr. Da kann man schlecht seine Kinder mitnehmen und die Tickets kosteten regulär zwischen 25 und 100 Euro. Der obere Teil der Osttribüne blieb komplett leer, auch sonst sah man viele Sitzschalen. Vielleicht lernt der DFB ja, wenn er nicht wieder vor halbleeren Rängen spielen will, Preise und Zeiten ein bisschen anzupassen.

Fußball-EM Fan stört Gedenkminute - und wird zurechtgewiesen
Testspiel der DFB-Elf

Fan stört Gedenkminute - und wird zurechtgewiesen

Bei der Schweigeminute für die Opfer des Anschlags in Halle beginnt ein Fan, die deutsche Nationalhymne zu brüllen. Ein Mann unterbricht ihn hörbar - und wird dafür vom Stadion gefeiert.

Sportlich hatte das Spiel allerdings durchaus was zu bieten. Die erste Halbzeit gehörte zu den unterhaltsameren der jüngeren Vergangenheit, auch wenn das Team den 2:0-Vorsprung in der zweiten Halbzeit noch verspielte. Joachim Löw scheint seinem neuen Stil treu bleiben zu wollen, gegen bessere Gegner tief zu stehen und schnell zu kontern.