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Vorwürfe um WM-Vergabe:Für Niersbach könnte es sportjuristisch eng werden

Die tiefe Kluft zwischen beiden Funktionären ist ungewöhnlich, und dennoch scheint es zu kurz gegriffen zu sein, dass hier nur eine alte Rechnung beglichen werde. Immerhin unterzeichnete Zwanziger selbst jene ominöse Überweisung von 2005 über 6,7 Millionen Euro an die Fifa. Zudem war er nach Darstellung des Spiegels Teil des Trios, das zuvor in einem Gespräch beim angeblichen Darlehensgeber Robert Louis-Dreyfuß versuchte hatte, um eine Rückzahlung des Geldes herumzukommen. Auch ist zentraler Bestandteil des Spiegel-Artikels nicht nur die Transaktion an die Fifa, sondern vor allem deren angebliche Weiterleitung auf ein Konto von Louis-Dreyfuß. Nur so kann sich der Vorwurf einer schwarzen Kasse abrunden.

Im Kampf um die personelle Führung der internationalen Verbände gibt es gerade vielfältige Interessen. Auch das Auftauchen der Zahlung über zwei Millionen Schweizer Franken aus dem Februar 2011, die Uefa-Chef Michel Platini auf Veranlassung von Fifa-Chef Sepp Blatter erhielt, ist in diesem Kontext zu sehen. Wegen der Zahlung droht beiden eine mehrjährige Sperre durch die Fifa-Ethiker. Die Ethiker sind keine Strafrechtler, sie können schon eingreifen, wenn sie eine Fahrlässigkeit oder einen Interessenskonflikt ausmachen. Mit dem Vorgang vertraute Kreise verweisen darauf, dass es für die Zahlung keine schlüssige Erklärung gibt, aber eine konkrete Verdachtslage - nämlich, dass Platini 2011 eine "Schlüsselfigur" im Präsidentschaftswahlkampf der Fifa war, den Blatter gewann.

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Überträgt man das auf den vorliegenden Fall, könnte es unabhängig von strafrechtlichen Einschätzungen für Niersbach und andere damals Beteiligte sportjuristisch ebenfalls eng werden. Niersbachs Bild innerhalb des DFB wandelte sich übrigens zuletzt. Anfänglich galt der Kumpeltyp als gute Alternative zum Alleinherrscher Zwanziger, inzwischen scheint er weitgehend isoliert zu sein. Im Verband herrscht ungläubiges Erstaunen, dass das Präsidium erst Freitagmorgen von der 6,7-Millionen-Zahlung erfuhr. Insider sagen, dies sei nicht der einzige Punkt, in dem sie in jüngerer Vergangenheit vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Auch gab es keine Stellungnahmen pro Niersbach von den wichtigsten deutschen Fußballlenkern. Einst hieß es im DFB "Alle gegen Theo" - von einem "Alle für Wolfgang" ist er aktuell offenbar weit entfernt.