DFB-Affäre:Der private E-Mail-Account des Herrn Niersbach

Niersbach, President of the German Football Association addresses news conference at the DFB headquarters in Frankfurt

Wolfgang Niersbach war bis 9. November 2015 DFB-Präsident. Dann stürzte er über die WM-Affäre.

(Foto: Ralph Orlowski/Reuters)
  • Der ehemalige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach kommunizierte im Rahmen der DFB-Affäre offenbar über seinen privaten E-Mail-Account.
  • Als die Fahnder sich den genauer ansehen wollten, fanden sie nur noch wenige Nachrichten vor.
  • Es sind nicht die einzigen Daten, die beim DFB offenbar gelöscht wurden.

Von Johannes Aumüller und Thomas Kistner

Als die Untiefen der Sommermärchen-Affäre noch das sorgsam gehütete Geheimnis eines kleinen Funktionärszirkels waren, tauschten frühere Protagonisten des WM-Organisationskomitees (OK) hektisch E-Mails aus. Der Grund: Theo Zwanziger drängte bei seinen Ex-Kollegen auf ein Schreiben, das ihm bescheinigen sollte, schon im Jahr 2012 mögliche Probleme im Kontext der WM-Bewerbung thematisiert zu haben. Und so setzte sich Horst R. Schmidt Mitte September 2015 hin und mailte einen Vorschlag an Wolfgang Niersbach, damals noch Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Interessant ist an dieser Nachricht nicht nur der Inhalt. Denn erstens ging sie nicht an Niersbachs offizielle E-Mail-Adresse beim DFB, sondern an einen privaten Account. Und zweitens löschte der Empfänger sie nach Aktenlage kurz darauf.

Es existiert damit ein weiterer Vorgang, der den ohnehin drängenden Verdacht nährt, die Beteiligten von damals wollten Spuren verwischen. Anfang Februar hatte die SZ berichtet, dass am 22. Oktober 2015 - kurz nach der Enthüllung der Affäre durch den Spiegel und direkt im Anschluss an Niersbachs denkwürdige Ich-weiß-von-nichts-Pressekonferenz - in der Verbandszentrale eine Löschaktion stattfand. Doch nach SZ-Recherchen haben die Behörden, die gegen die Ex-Funktionäre Niersbach, Zwanziger und Schmidt wegen des Verdachts auf schwere Steuerhinterziehung ermitteln, weil eine 2005 erfolgte Überweisung über 6,7 Millionen Euro an die Fifa zu Unrecht als Betriebsausgabe geltend gemacht worden sei, weitere verschwundene Daten festgestellt. Und zwar mit Blick auf Niersbachs privaten E-Mail-Account.

In einem Vermerk von Juni 2016 hielten die Steuerfahnder fest, dass bei einer Sichtung dieser privaten E-Mail-Adresse nur noch neun Nachrichten vorhanden gewesen seien. Und sie waren wohl überzeugt, dass auch E-Mails mit Bezug zur WM-Affäre gelöscht worden waren - denn dank des bei Schmidt sichergestellten Materials konnten sie ermitteln, dass es diesbezüglich einen Austausch zwischen den beiden gab.

Unklar bleibt, wer in der Zentrale des DFB Dokumente vernichtete

Da drängen sich neue Fragen auf. Warum verständigten sich die alten Weggefährten auf diesem Weg über das heikle Thema? Pflegte Niersbach in seiner Zeit als Verbandschef noch mehr diskrete Kommunikation zur WM-Affäre über seine private statt über seine DFB-E-Mail-Adresse? Und wann und warum löschte er die E-Mails?

Niersbachs Anwältin teilt mit, dass sich ihr Mandant nicht zu angeblichen Ermittlungsergebnissen in der Presse äußere, bevor er sich im Verfahren gegenüber den Staatsanwälten geäußert habe. Diese Position nehme er nicht ein, weil er etwas zu verbergen habe, sondern weil er ihrem anwaltlichen Rat folge. Schmidt sagt, es gebe keinen besonderen Grund, warum er an die Privatadresse geschrieben habe.

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