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Deutsche Nationalmannschaft:Ein Aus mit zwei fatalen Folgen

Germany v Sweden: Quarter Final  - 2019 FIFA Women's World Cup France

Lena Oberdorf and Marina Hegering sind enttäuscht nach der Niederlage gegen Schweden.

(Foto: Getty Images)

Trotz der WM-Pleite lenkt Bundestrainerin Voss-Tecklenburg die DFB-Elf in die richtige Richtung. Aber bis 2021 ist die große Bühne nun weg und die Bundesliga droht, den Anschluss zu verlieren.

Spiele zu verlieren, gehört im Sport dazu, aber es gibt Niederlagen, die tun mehr weh als andere. Weil die Folgen länger spürbar sein werden. Nicht nur einen Abend, sondern bis ins nächste Jahr hinein - und womöglich darüber hinaus. Diese Art von Niederlage musste Martina Voss-Tecklenburg, die Bundestrainerin, am Samstagabend erklären.

Die deutsche Fußballnationalmannschaft der Frauen hat bei der Weltmeisterschaft gegen Schweden das Halbfinale verpasst. Das ist doppelt fatal, weil dadurch auch die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 verpasst worden ist. Nur die drei besten europäischen Teams dieser WM qualifizieren sich für Tokio. Das sind nun England, die Niederlande und Schweden. Für die Deutschen, die Goldmedaillengewinnerinnen von Rio 2016, die Titelverteidigerinnen also, hat es nicht gereicht. Das ist in jeglicher Hinsicht ein Rückschlag für diese junge Mannschaft, die von ihrer Anlage her viel Potenzial mitbringt - dieses aber in den nächsten zwei Jahren nicht auf großer internationaler Bühne zeigen kann. Und vor allem auch schwerer weiterentwickeln.

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Kurzfristig ist das Ausscheiden eine verpasste Chance, weil das WM-Halbfinale in Lyon, mit Fernsehübertragungen zur Primetime, gewiss geholfen hätte, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu gewinnen und die Popularität des Frauenfußballs weiter zu steigern. Das hätte auch den Vereinen von der höchsten bis zur niedrigsten Liga geholfen - und das zu einem Zeitpunkt, da die Bundesliga der Frauen im internationalen Vergleich ohnehin den Anschluss zu verlieren droht. Etwa im Vergleich zu England, wo extrem viel investiert wird.

Langfristig ist das Aus ein Problem, weil nun bis zur EM 2021 in England eine solche Gelegenheit nicht wiederkommt, ohne Olympia. Die wichtigsten Spiele werden in nächster Zeit die der EM-Qualifikation gegen Montenegro, die Ukraine, Griechenland und Irland sein. Also nicht auf jenem Wettkampfniveau, das sich in Frankreich für die Deutschen noch als zu hoch erwiesen hat. Sich auf diesem Niveau zu messen, wäre umso wichtiger gewesen, um dorthin zurückzukehren, wo sich die deutsche Mannschaft als Olympiasieger, zweimaliger Welt- und achtmaliger Europameister zugehörig fühlt: an die Weltspitze.

Dazu hat es an spielerischer Klasse und auch an Mut gefehlt. Gänzlich überzeugen konnte die DFB-Elf trotz ihrer vier Siege vor dem Viertelfinale nie. Gegen andere Teams machten die Deutschen die Defizite mit einer beeindruckenden kämpferischen Leistung wett - und steigerten sich auch fußballerisch. Die Schwedinnen waren dann aber auch mit ihrer Erfahrung überlegen. Dass die Nationalmannschaft über diesen Trumpf noch nicht verfügt, war schon vor dem Turnier klar. Erst seit diesem Jahr trägt Voss-Tecklenburg mit ihrem Trainerteam die Verantwortung für Spielerinnen, die in dieser Konstellation auch noch nicht lange einen Kader bilden.

Dass trotzdem der Eindruck entstand, da steht ein geschlossenes Team auf dem Platz, das eine klare Spielidee vermittelt bekommt und seriös vorbereitet wird, unterscheidet das Viertelfinal-Aus 2019 vom Viertelfinal-Aus bei der EM 2017 unter Voss-Tecklenburgs Vor-Vorgängerin Steffi Jones, damals gegen Dänemark. Voss-Tecklenburg hat es geschafft, auch die jüngsten Spielerinnen zu integrieren und hat allen spürbar Vertrauen entgegengebracht. Die 19 Jahre alte Giulia Gwinn, verlässlich flexibel, ist das beste Beispiel dafür. Doch womöglich hat Voss-Tecklenburg überschätzt, wie weit sie damit kommen kann. Die Achse aus erfahrenen Leistungsträgerinnen wie Kapitänin Alexandra Popp, Sara Däbritz, Melanie Leupolz und Svenja Huth war letztlich nicht stark genug, um das gesamte Gerüst auch in die nächste Runde zu tragen. Die Defensive wirkte immer wieder wie eine Schwachstelle, auch wenn es gegen Schweden die ersten Gegentore gab. Einzig Torhüterin Almuth Schult zeigte wirklich konstant eine hervorragende Leistung. Dass Deutschland sich auf seine Standards verlassen musste, um Tore zu schießen; zeigt überdies, dass auch in der Offensive Arbeit wartet.

Martina Voss-Tecklenburg sieht sich und das gesamte Team in einem langfristigen Prozess, das hat sie früh betont. Auf der Pressekonferenz am Samstag sagte sie, weil ein Spiel verloren wurde, werde sicherlich nicht alles infrage gestellt. Das muss es auch nicht. Die Nationalmannschaft ist grundsätzlich auf einem guten Weg. Zurück zur Weltspitze ist es aber noch weit.

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