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DFB-Elf gegen die Schweiz:Über die Ziellinie gerettet

Switzerland v Germany - UEFA Nations League

Ein Spiel mit vielen Zweikämpfen: Hier wirft sich Robin Gosens voll rein.

(Foto: Getty Images)

Die Nationalmannschaft wartet weiter auf ihren ersten Sieg in der Nations League. Beim 1:1 gegen die Schweiz ist von der erhofften Weiterentwicklung wenig zu sehen.

Von Philipp Selldorf, Basel

Die letzten Minuten im Basler St. Jakob-Park, und der Bundestrainer wurde allmählich unruhig an seiner Seitenlinie. Es stand immer noch 1:1, aber die Schweizer waren das Team mit den größeren Kraftreserven. Immer wieder warf Joachim Löw Anweisungen wie ein Jugendtrainer ins Geschehen: "Nicht flanken lassen!" Oder: "Außen, außen." "Linke Seite!" Seine Elf gab ihm auch keinen Grund, den Befehlston abzulegen, sie musste jetzt merklich um diesen Punkt kämpfen und beschert dabei ihrem Coach kummervolle Momente.

Hier ein gefährlicher Freistoß des Schweizer Kapitäns Xhaka, dort ein gefährlicher Kopfball. Dann endlich der Abpfiff, Löw nahm ihn ohne Jubelgeste, aber mit deutlicher Erleichterung zur Kenntnis. 1:1 - inzwischen ein Standardergebnis der Deutschen in diesem Wettbewerb und sicherlich auch nicht das, was Löw hatte sehen wollen. "Entwicklung, Entwicklung, Entwicklung" hatte er angemahnt. Danach hatte es in Basel nicht ausgesehen.

Die ersten Minuten waren nicht geeignet, den parallel gesendeten "Tatort" an Spannung zu überbieten. Aufregend wurde es eigentlich nur dann, wenn Antonio Rüdiger und Leroy Sané am Ball waren. Beim Verteidiger sah man mit Sorge zu, ob es auch diesmal wieder gut ausgehen würde, wenn ihn die Schweizer anliefen und nervöse Furcht vor dem Ballverlust einsetzte. Beim Angreifer zählte man fasziniert nach, mit wie vielen Gegnern auf einmal er es jetzt wieder aufnehmen wollte. Beide bewährten sich aber jedes Mal aufs Neue: Rüdiger fand immer noch die Gelegenheit für den Rückpass zum Torwart Bernd Leno, Sané immer noch ein Schlupfloch, um den Ball auch gegen fünf Gegner zum Mitspieler zu bringen.

Löw tauscht nur zwei Spieler in der Startelf aus

Auch erwähnenswert und ein bleibendes Motiv an diesem Abend: Rüdigers Duelle mit dem Schweizer Frontstürmer Breel Embolo. Der DFB-Mann hatte offenbar wie jeder DFB-Spieler einen Auftrag als Sonderbewacher erhalten, weshalb er seinen Gegner unerbittlich bis in die Tiefe der Schweizer Hälfte verfolgte. Embolo hatte es wahrlich nicht leicht mit seinem energischen Widersacher, verschaffte sich aber oft mit Geschick die Freiheiten, die er brauchte. Der Angreifer war einer der besten Schweizer Spieler, bereitete zudem den Ausgleich vor - und musste dann verletzt in die Kabine humpeln, weil ihn ausgerechnet sein Mönchengladbacher Borussen-Kollege Matthias Ginter zu Boden gebracht hatte.

Zunächst aber ging es eher beschaulich zu, und das passte zum Ambiente im St. Jakob-Park. Die Atmosphäre dort: Diskret, schweizerisch diskret, wie gesagt werden muss, selbst bei den Schwaben in Stuttgart war am Donnerstag mehr los. Lag vermutlich an den spanischen Radioreportern. Diesmal waren es vor allem die deutschen Ersatzspieler, die ab und zu für laute Töne im stillen Stadion sorgten. Die Gruppe der Reservisten, geschrumpft um den vom DFB-Dienst befreiten Kai Havertz, war nahezu die gleiche Gruppe wie am Donnerstag.

Von seiner Ankündigung, die Mannschaft wegen der so oft beschworenen Erschöpfung aus dem Spanien-Spiel mit "frischen Kräften" zu versorgen, setzte Jogi Löw gerade so weit in die Tat um, dass er den Torwart Kevin Trapp gegen Leno tauschte und Emre Can gegen Matthias Ginter. Julian Brandt erlebte wieder aus der Zuschauersicht, wie an seiner Stelle Julian Draxler den Posten im offensiven Mittelfeld besetzte. Brandt kam dann zur zweiten Hälfte für Sané, der genügend Slalomläufe gemacht hatte.

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