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Deutschland gegen Spanien:Warnung an die WM-Konkurrenten

International Friendly - Germany vs Spain

Marc-Andre ter Stegen rettet gegen David Silva.

(Foto: REUTERS)

Das berauschende 1:1 zwischen Deutschland und Spanien zeigt: Mit spielerischen Mitteln wird kaum ein Gegner die beiden Mannschaften schlagen können.

Kommentar von Carsten Scheele

Wenn Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps seine Videoanalyse der Testspielpartie zwischen Deutschland und Spanien erledigt hat, wird es ihm kaum besser ergehen als Brasiliens Tite oder Portugals Fernando Santos. Deschamps wird sich nach dem Studium der Videodateien (früher waren es Bänder) nicht gerade ermutigt fühlen, raus vor die Presse zu treten und seine Mannschaft zum Titelfavoriten für die Fußball-WM zu erklären. Auch Tite nicht, und auch nicht Santos.

Deutschland gegen Spanien, das 1:1 von Düsseldorf war nicht nur eines der bestklassigen Testspiele, an das sich Nationalelfkonsumenten in den vergangenen Jahren erinnern konnten. Das Spiel wurde zur Warnung an die Konkurrenten. Das Tempo, die Risikobereitschaft, die Intensität - vermutlich waren hier bereits die beiden Favoriten auf den WM-Titel zu bestaunen, die es für andere Teams, die ebenfalls Weltmeister werden möchten, zu schlagen gilt.

Eine Mannschaft stellte der anderen eine Aufgabe, die andere strengte sich an, um noch eine kniffligere Falle zurückzustellen. So hatte Spanien zwar die erste halbe Stunde für sich entschieden, das spornte die Deutschen aber nur noch mehr an. Sie steigerten sich, bis sie den Gegner schließlich selbst laufen ließen. Allein die Torausbeute - es hätte auch 3:3 ausgehen können - erinnerte daran, dass es sich bloß um eine Testpartie zweier Mannschaften handelte, die in diesem Jahr kaum miteinander trainiert hatten, die sich in Taktik und Feinabstimmung noch verbessern werden. Schon unkten die ersten DFB-Angestellten, dass die Brasilianer am Dienstag, Deutschlands nächster Testspielgegner, ein ähnliches Tempo über 90 Minuten kaum werden mitgehen können.

Das Unentschieden kommt Löw sogar entgegen

Löw machte am Freitagabend zurecht einen zufriedenen Eindruck. Er hatte gesehen, dass seine Mannschaft mit den Spaniern mehr als bloß mithalten kann. Sein Gegenüber Julen Lopetegui erfreute sich eines ähnlichen Umstands: dass seine Mannschaft dem Weltmeister Paroli geboten hatte. Zwei Branchenführer, die sich gegenseitig antreiben, das ist kein wirklich gutes Signal für die 30 weiteren WM-Teilnehmer. Das Unentschieden kam Löw sogar zupass: Er musste keine Niederlage erklären, er musste auch keine Euphorie einfangen, die sich nach einem Sieg über den Weltmeister von 2010 von alleine eingestellt hätte. Der perfekte Test zum perfekten Zeitpunkt gegen den perfekten Gegner, wenn man so will.

Nur nicht für die anderen. Deschamps, Tite oder Santos (zur Vollständigkeit auch Argentiniens Jorge Sampaoli und Belgiens Roberto Martínez) werden sich andere Mittel überlegen müssen als die Spielerischen, wenn es bei der WM für ihre Mannschaften zum Duell mit Spanien oder Deutschland kommen sollte. Was den tempohaften, zielstrebigen Fußball angeht, wirken diese beiden Länder kurz vor der WM den anderen voraus. Zum Erhalt der Spannung sei erwähnt, dass sich bei einem großen Turnier auch nicht immer der beste Fußball durchsetzt, sonst wären die Griechen 2004 und die Portugiesen 2016 nicht Europameister geworden.

Und wenn es bei der WM zum Duell kommt? Spanier und Deutsche können erst ab dem Halbfinale aufeinander treffen, so will es der Turnierbaum der Fifa. Geht man davon aus, dass beide Mannschaften im März 2018 erst rund 70-80 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit erreicht haben, dürfte es im Juli 2018 bei der WM, sofern sich beide erneut begegnen, ein rechtes Fest werden.

© SZ.de/chge
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