Deutschland gegen Spanien:"Jedes Tor ist ein Müller-Tor"

International Friendly - Germany vs Spain

Thomas Müller (2.v.r.) freut sich über seinen Treffer zum 1:1.

(Foto: REUTERS)
  • Thomas Müller trifft zum 1:1-Endstand gegen Spanien per Schuss aus 20 Metern.
  • "Beim Aufwärmen habe ich den Schuss schon zwei, drei Mal geübt", sagt Müller hinterher.
  • Sein Treffer unterstreicht, dass er - nach einer schwierigen Vorsaison - wieder in Hochform ist.

Von Ulrich Hartmann, Düsseldorf

Bevor Thomas Müller aus dem Kader der Nationalmannschaft verbannt wurde, sollte er sich auch noch rechtfertigen. "Was war denn das?", frotzelte ein Fernsehmann vor laufender Kamera. Er wollte wissen, wie der Bayern-Spieler aus 20 Metern ein Tor hatte schießen können, wo er doch eigentlich eher im Strafraum heimisch ist. "Das war doch kein typisches Müller-Tor?!", provozierte der Reporter.

Müller, 28, ist aber dankbar für solche Dialoge, er darf dann seine Ironie pflegen - zumal der Anlass angenehm war für ihn. Nach 35 Minuten hatte er gegen Spanien aus 20 Metern einfach mal abgezogen - und prompt den Ausgleich zum 1:1-Endstand erzielt, sein 38. Treffer im 90. Länderspiel. Kein typisches Müller-Tor? "Jedes Tor ist ein Müller-Tor", belehrte Müller den Fernsehmann und grinste.

Die Sache mit der Verbannung aus dem Nationalkader erwies sich dann auch nicht als allzu schlimm. Müller musste in den frühen Morgenstunden nämlich nicht mit in die Chartermaschine nach Berlin steigen, sondern durfte heim nach München. Bundestrainer Joachim Löw hatte kurz nach dem Spiel entschieden, dass er ihm gegen Brasilien am Dienstag eine Pause gönnt. Müller hat mit dem FC Bayern ja noch viel zu tun, bevor es im Juni zur WM nach Russland geht. Auch Mesut Özil brauchte nicht mehr mit nach Berlin. Sorgen machen im hart umkämpften WM-Casting müssen sich beide aber nicht. Sie werden ganz sicher dabei sein, sofern sie sich nicht verletzen.

Müller hat am Freitagabend dann noch ein bisschen über sein jüngstes Müller-Tor gesprochen. "Zugegeben, es kommt nicht alle Tage vor, dass ich außerhalb vom Strafraum treffe und es dabei auch noch so leicht aussieht", räumte er ein, "aber ich habe schon mehrere Facetten drauf, auch wenn ich aus dieser Position nicht ganz so oft zum Schuss komme und auch nicht jeder Schuss dann so genau passt wie dieser - ich hab' ihn einfach gut erwischt."

"Beim Aufwärmen habe ich den Schuss schon zwei, drei Mal geübt", sagt Müller

Hätten die Spanier ihn vor dem Spiel beobachtet, hätten sie eigentlich ahnen müssen, dass Müller sich im Laufe des Spiels mal an einem solchen Schuss versuchen würde, denn er hat es regelrecht einstudiert. "Beim Aufwärmen habe ich den Schuss schon zwei, drei Mal geübt, auch da hat es schon ganz gut geklappt, aber da war er noch ein bisschen zu flach, zum Glück hat er dann im Spiel super funktioniert."

Thomas Müller, 28, ist unter den Fußballern ja so eine Art Schweizer Messer, er hat die unterschiedlichsten Spielarten und Torabschlüsse drauf, aber dieses Messer hat auch immer mal wieder geklemmt. Dann ging gar nichts. Zurzeit ist Müller wieder in Hochform. "Ich versuche grundsätzlich immer, mein Bestes zu zeigen - ich weiß aber auch nicht, wieso das in WM-Jahren scheinbar besser klappt." Man nennt so etwas wohl: die Leistungsspitzen ausloten. Müller ist, so gesehen, fast so etwas wie der perfekte Athlet, jeder Sportler will ja in den wichtigsten Wettkämpfen das Leistungsmaximum abzurufen. Müller schafft das - meistens.

Hinterher dachte er noch über den Wert dieses Remis nach: "Das Spiel war wichtig, um Deutschland zu zeigen, dass es auch noch andere gute Mannschaften auf diesem Planeten gibt." Hat Müller das Gefühl, die deutsche Titelverteidigung wird hierzulande nur noch als Formsache betrachtet? Offenbar schon. Auch Müller wäre dem neuerlichen Triumph nicht abgeneigt, er weiß aber, dass dazu noch mal ein gewaltiger Leistungssprung notwendig ist

"Abstimmung, Timing, Laufwege, Pressing - das kann alles noch besser werden", sagte er. "Sollte es bei der Weltmeisterschaft wieder zum Aufeinandertreffen mit den Spaniern kommen, dann müssen wir noch mal eine Schippe drauflegen." Entweder so - oder Müller zieht einfach mal aus einer x-beliebigen Position ab. Auch damit kann man den besten Teams der Welt den Spaß verderben.

© SZ.de/chge
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