DFB-Team in der Einzelkritik:Zwei Tore sind zwei Argumente für Kai Havertz

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DFB-Team in der Einzelkritik: Zwei, die sich empfehlen konnten: Kai Havertz (rechts), traf gegen England doppelt, Thilo Kehrer spielt unter Flick praktisch ohnehin immer.

Zwei, die sich empfehlen konnten: Kai Havertz (rechts), traf gegen England doppelt, Thilo Kehrer spielt unter Flick praktisch ohnehin immer.

(Foto: Tony Obrien/Reuters)

Kehrer spielt immer, Schlotterbeck spielt schludrig, Havertz wirbt für sich als Stürmer - und ter Stegen bleibt auch in Katar der beste Ersatztorwart des Turniers. Die DFB-Elf in der Einzelkritik, samt WM-Prognose.

Von Martin Schneider

Marc-André ter Stegen

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(Foto: Christian Charisius/dpa)

Rettete nach 25 Minuten herausragend gegen Raheem Sterling und in der 90. Minute das Unentschieden mit seinen Fingerspitzen, so wie er auch schon gegen Ungarn sein Team vor ein bis zwei sicheren Gegentoren bewahrte. Es passt allerdings einfach zu seiner unglücklichen Beziehung zur Nationalmannschaft, dass er eine starke Leistung zeigte, aber trotzdem drei Gegentore in der Statistik stehen hat.

WM-Prognose: Erneut der beste Ersatztorwart des Turniers.

Thilo Kehrer

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(Foto: Kirsty Wigglesworth/dpa)

Ist der mit Abstand meisteingesetzte Spieler unter Hansi Flick, obwohl vermutlich viele Fußball-Fans noch nicht mal seinen aktuellen Verein nennen können. Wurde schon gegen Ungarn als Absicherung für Jonas Hofmann eingewechselt und führte diese Rolle diesmal von Beginn an aus. Klärte einmal stark gegen Luke Shaw, übersah diesen aber beim ersten englischen Treffer.

WM-Prognose: Spielt ja offenbar immer. Nicht nur bei West Ham United.

Nico Schlotterbeck

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(Foto: Kirsty Wigglesworth/AP)

Pflegte schon früh im Spiel sein Image als talentierter, aber zuweilen zu schluderiger Innenverteidiger, als er einen Pass unbedrängt ins Aus spielte. Wäre eigentlich als Linksfuß der logische Partner neben dem gesetzten, aber gegen England gelbgesperrten Rechtsfuß Antonio Rüdiger, muss dafür aber ganz dringend weniger schludrig werden. Dass er vor dem englischen 2:2 ausrutschte und in der wilden Schlussphase des Spiels schon wieder einen Elfmeter im Nationaltrikot verursachte, hilft ihm nicht wirklich, vorsichtig ausgedrückt.

WM-Prognose: Zu schludrig.

Niklas Süle

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(Foto: Christian Charisius/dpa)

Sah zunächst ein Spiel, das ihn in vielen Aspekten an die Partie gegen Ungarn erinnern musste: Vorne zäh, hinten sicher. Sah in der zweiten Halbzeit dann ein Spiel, das ihn überhaupt nicht mehr an Ungarn erinnerte. Vorne spektakulär, hinten unsicher.

WM-Prognose: Profitiert von Schlotterbecks Schludrigkeit.

David Raum

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(Foto: Christian Charisius/dpa)

Rutschte nach fünf Minuten auf dem natürlich perfekt gepflegten englischen Rasen aus, und das passte zu seiner nicht ganz stabilen Form aktuell. Mit zunehmender Spieldauer besser, kam in seine dynamischen Läufe. Mit vielen Aktionen, aber auch mit vielen ungenauen Aktionen.

WM-Prognose: Profitiert von der noch immer gültigen Löw'schen Wahrheit, dass man sich Außenverteidiger nicht schnitzen kann.

Joshua Kimmich

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(Foto: Kirsty Wigglesworth/AP)

Verhinderte acht Sekunden vorm Halbzeitpfiff eine deutsche Halbzeit ohne Torchance. Tat das mit einem Fernschuss, was insofern erwähnenswert ist, als dass auch schon relevant viele Torchancen gegen Ungarn seine Fernschüsse waren. Mahnte nach dem Ungarn-Spiel mehr offensive Kreativität an, könnte diesmal mehr defensive Disziplin fordern.

WM-Prognose: Nur Manuel Neuer hat einen sichereren Stammplatz.

Ilkay Gündogan

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(Foto: Christian Charisius/dpa)

Schaffte das, was diese Mannschaft so dringend brauchte: ein Tor zu schießen. Tat das nach einem Schiedsrichterpfiff aus elf Metern, aber zu diesem Zeitpunkt war das egal. Hauptsache drin. Schon zuvor mit den meisten Ballkontakten und somit Zentrum des deutschen Spiels.

WM-Prognose: Spielt auch, wenn Leon Goretzka wieder fit sein sollte.

Jonas Hofmann

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(Foto: Julian Finney/Getty Images)

Nachdem Hansi Flick seine Aufstellung als Rechtsverteidiger als taktischen Fehler bezeichnete folgerichtig diesmal rechter Außenbahnspieler. Bekam ebenso folgerichtig den Vorzug vor dem formschwachen Serge Gnabry. In seinen Aktionen engagiert, im Pressing sehr aggressiv, aber unterm Strich glücklos wie alle anderen deutschen Angreifer in Halbzeit eins. Tat sich bei einem allzu motivierten Anlaufen gegen den englischen Torhüter weh, wurde vielleicht auch deswegen zur Pause durch Timo Werner ersetzt.

WM-Prognose: Wird spielen, auf welcher Position auch immer.

Jamal Musiala

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(Foto: Ulmer Pressebildagentur/Imago)

Hat ja bekanntlich eine britische Vergangenheit und hätte in diesem Spiel auch mit den drei Löwen auf der Brust auflaufen können, wenn er sich nicht für Deutschland entschieden hätte. Vielleicht auch deswegen zu Beginn übermotiviert, verhaspelte den Ball gleich zweimal, was zweimal mehr ist als sonst in einem ganzen Spiel. Kam in der zweiten Halbzeit in die Dribbling-Situationen, in denen er fast nur durch Foul zu stoppen ist, was Englands Harry Maguire dann auch im Strafraum prompt tun musste - Elfmeter. Legte danach Timo Werner eine astreine Chance auf, gewann den Ball stark vor dem 2:0 und wurde spätestens da zum effizientesten deutschen Offensivspieler. Vor dem Spiel erklärte Hansi Flick zwar, dass Thomas Müller gesetzt sei - aber vielleicht findet sich ja noch ein Platz für Musiala.

WM-Prognose: Eigentlich zu gut in Form, um ihn auf die Bank zu setzen.

Leroy Sané

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(Foto: Christian Charisius/dpa)

Wie er selbst seine Leistung einschätzt, kann man eigentlich zuverlässig an seinem Gesichtsausdruck bei seiner Auswechslung ablesen. Sah diesmal nicht glücklich aus.

WM-Prognose: Vom England-Spiel mal abgesehen eigentlich auch zu gut in Form, um ihn auf die Bank zu setzen.

Kai Havertz

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(Foto: Carl Recine/Reuters)

Tat, womit an diesem Abend keiner mehr gerechnet hatte: Traf als deutscher Stürmer das Tor. Es war sogar ein sehr schönes Tor, mit links ins lange Eck geschlenzt, und wer da noch das Haar in der Suppe suchen wollte, der konnte anmerken, dass es kein klassisches Strafraumstürmertor war, was man schon daran erkennen konnte, dass er es von außerhalb des Strafraums erzielte. Holte das Strafraumtor kurz darauf nach, als er nach einem Gnabry-Schuss, den Englands Torwart Nick Pope nur abprallen ließ, per Abstauber versenkte.

WM-Prognose: Zwei Tore sind zwei Argumente für einen Platz im Sturm.

Einwechselspieler

DFB-Team in der Einzelkritik: Timo Werner (Mitte) bereitete ein Tor vor.

Timo Werner (Mitte) bereitete ein Tor vor.

(Foto: Tony Obrien/Reuters)

Timo Werner und Serge Gnabry legten Kai Havertz Tore auf - Thomas Müller, Robin Gosens und DFB-Debütant Amal Bella-Kotchap kamen auch noch rein.

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