bedeckt München
vgwortpixel

DFB-Team:Schneller und wendiger als ihre Vorgänger

Deutschland - Nordirland

Zum Abschluss der EM-Quali gewann das deutsche Team um Serge Gnabry (2.v.r.) 6:1 gegen Nordirland.

(Foto: dpa)

Der Umbau der Nationalelf hat substanzielle Fortschritte gemacht. Der mit dem WM-Titel gekrönten Generation hat die Klasse von 2020 sogar etwas voraus.

Die Mannschaft habe "Deutschland ein bisschen wachrütteln" wollen, erklärte Leon Goretzka nach dem 6:1 gegen Nordirland. Mit dieser Bemerkung brachte der Münchner Mittelfeldspieler eine Szene aus dem weltberühmten Roman "Asterix als Legionär" in Erinnerung. Darin verprügelt Obelix eine Römerpatrouille und benutzt die Helme der Legionäre als Blumentopf, weil er der verehrten Falbala ein originelles Geschenk überreichen und sich von seiner "zarten" und "romantischen" Seite präsentieren möchte. So kamen sich die Nordiren nun wie die Römer vor: Sie dienten als Mittel zum Zweck und mussten dafür Prügel einstecken. Die deutschen Spieler hatten ihren Gegner als Demonstrationsobjekt benutzt, um dem Heimatland zu beweisen, dass sie im Begriff sind, eine erwachsene Nationalmannschaft zu werden.

Fußball-EM "Ich merke, da ist ein Teamgeist da"
DFB-Team

"Ich merke, da ist ein Teamgeist da"

DFB-Direktor Bierhoff hält sich nach dem 6:1 der deutschen Elf gegen Nordirland mit forschen Tönen zurück. Er lobt die Atmosphäre im Team - Bundestrainer Löw sieht die kommende lange Pause als Problem.   Von Martin Schneider

Den Begriff Umbruch, sagte der dreimalige Torschütze Serge Gnabry, könne er allmählich nicht mehr hören. Tatsächlich ist dieses Wort seit dem Scheitern bei der WM in Russland das Wort der Wörter, dicht gefolgt von der nicht weniger überstrapazierten Wendung "die junge Truppe". Auch am Dienstagabend war im Fernsehen in stereotyper Manier immer wieder davon die Rede - als stünden lauter Auszubildende auf dem Platz, die noch viel lernen müssten, bevor sie mal an einem richtigen Turnier teilnehmen dürften. Spieler wie Gnabry, Goretzka oder Julian Brandt mögen zwar jung an Lebensjahren sein, aber sie sind allesamt seit fünf oder sechs Jahren professionelle Fußballspieler, sie gehören großen Klubs an und kennen Cristiano Ronaldo und Sergio Ramos nicht mehr nur aus dem Fernsehen und dem Kicker-Fachmagazin.

Die Überzeugung, dass sich mit dieser Mannschaft etwas erreichen lässt

Es ist kein schlechtes Zeichen, wenn Gnabry und Goretzka, zwei führende Vertreter der neuen Generation von Nationalspielern, Vertrauen für ihr Team einfordern. Dahinter steckt einerseits der Wille zur Emanzipation und andererseits die Überzeugung, dass sich mit dieser Mannschaft etwas erreichen lässt. Zwar hatten die Nordiren weder einen Ronaldo noch einen Ramos in ihrem Team, doch auch im Spiel gegen einen zweitklassigen Gegner lässt sich ablesen, dass der Umbau (respektive Umbruch) substanzielle Fortschritte gemacht hat. "So langsam kommen wir in Fahrt", sprach Goretzka ein Merkmal der neuen Nationalelf an: Sie ist an markanten Punkten schneller und wendiger als das mit dem WM-Titel 2014 gekrönte Vorgängermodell. Wenn sich Leroy Sané bis zum Turnier rechtzeitig erholen sollte, dann wird die Klasse von 2020 sogar noch etwas geschwinder sein.

Die neue Nationalelf nimmt Gestalt an, so viel lässt sich mit nahezu wissenschaftlicher Exaktheit behaupten nach diesem Länderspieljahr, das schon vor dem ersten Ballwechsel spektakulär begonnen hatte, als der Bundestrainer nach München reiste, um höchstpersönlich Mats Hummels, Jérôme Boateng und Thomas Müller aus dem Dienst zu nehmen. Typisch für dieses Team im laufenden Findungsprozess war die Wechselhaftigkeit, beispielhaft vorgeführt in den Partien gegen Argentinier und Holländer. Starke und schwache Halbzeiten folgten unmittelbar aufeinander. Diese Art der Unvollkommenheit geht nicht nur auf unvollendete Reife, sondern auch auf die Klasse der einzelnen Spieler zurück. Aber: Der DFB hat wieder eine Betriebsmannschaft, die spielerisch glänzen und zügig angreifen kann, beides ist manchmal sehr schön anzuschauen.

Fußball-EM Auf dem Weg zum Phänomen

Serge Gnabry

Auf dem Weg zum Phänomen

Beim 6:1 gegen Nordirland schießt Serge Gnabry drei Tore und ist nun endgültig der neue Fixpunkt im deutschen Angriff. Die Umbruch-Debatte beim DFB nervt ihn, seine Treffsicherheit erinnert an Gerd Müller.   Von Martin Schneider