Deutsches Team bei der Biathlon-WMTrost unter Neuners Rettungsschirm

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Magdalena Neuner gewinnt bei der Biathlon-WM in Ruhpolding die Medaillen, ihre Kollegen geben sich nach den Resultaten vom Wochenende betont optimistisch: Die deutschen Teams gehen nach der beachtlichen Steigerung in der Verfolgung gestärkt in die langen Einzelrennen.

Volker Kreisl, Ruhpolding

Es bringe nichts, lange darüber zu grübeln, sagte Andrea Henkel. Das Verfolgungsrennen und der vorangegangene Sprint würden eben zusammenhängen, betonte sie, "das ist nun mal so". Manchmal profitiere man von den Vorsprüngen im Sprint am Tag zuvor und manchmal eben nicht, sagte Henkel zu den Reportern, aber ach: "Es ist ja sinnlos, darüber nachzudenken."

Miriam Gössner am Schießstand: "Im Training treffe ich immer!"
Miriam Gössner am Schießstand: "Im Training treffe ich immer!" dpa

Andererseits gibt es noch diese Netto-Verfolgungsresultate, also jene virtuelle Statistik, in welcher der Sprintrückstand einfach mal ausgeblendet wird. Die sind graue Theorie, aber Andrea Henkel konnte sich dann doch nicht den Hinweis darauf verkneifen, dass sie am Sonntag im Verfolgungsrennen Silber gewonnen hätte. Ohne den vorherigen Sprint.

Nicht nur die Doppel-Olympiasiegerin von 2002, fast alle deutschen Biathleten fanden nach dem ersten WM-Wochenende Trost in der Grauzone des Hätte und Wenn, in den Ergebnissen für den Optimismus. Sie stellen einen stillen Trost dar, denn das gesamte Team der Deutschen erlebt in diesen Tagen, dass der alles überwölbende Rettungsschirm, den die Erfolge der Bronze-, Gold- und Silbergewinnerin Magdalena Neuner bilden, auch eine andere Seite hat. Bei den gemeinsamen Pannen am Samstag blieb das Team zwar von Versagens-Schlagzeilen verschont, aber die kollektive Rehabilitierung am Sonntag bekam dann auch kaum jemand mit.

Für alle fasste Bundestrainer Uwe Müssiggang am Montag daher die Stimmung noch mal zusammen. "Die Mannschaft hat bewiesen, dass sie wieder dabei ist", sagte Müssiggang. Die Atmosphäre beim sogenannten Family Day, dem Familientreff der Athleten am Sonntagabend, sei sehr locker gewesen, und das, sagte Müssiggang, sei von Herzen gekommen und war "nicht gespielt". Chef-Trainer Müssiggang glaubt nun, seine beiden Mannschaften seien wieder bereit für die kommenden Aufgaben. Und dafür hatte er nicht nur Family-Beobachtungen zu bieten, sondern Zahlen, Zeiten und Prozente.

Simon Schempp wäre im Jagdrennen Vierter geworden, hätte er im Sprint nicht zweimal stehend daneben geschossen, tatsächlich wurde er Neunter, es war das beste deutsche Resultat hinter Neuner. Auch alle anderen haben sich am Sonntag zurückgemeldet nach langsamem Laufen und hektischem Schießen im Sprint. Andreas Birnbacher rannte von Platz 16 auf Platz zwölf, Arnd Peiffer gar von Rang 37 auf 17, mit nur 0,9 Prozent Rückstand auf den Laufschnellsten. Und auch Michael Greis war mit den Plätzen 26 und 23 zufrieden.

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Wer hätte es gedacht? Das Biathlon-Team der Frauen besteht nicht ausschließlich aus Magdalena Neuner. Bei den Männern gibt es in Arnd Peiffer und Andreas Birnbacher zwei große Medaillenhoffnungen - und ein großes Sorgenkind. Der deutsche WM-Kader im Überblick.

Carsten Eberts, Ruhpolding

Am Dienstag bestreiten zunächst die Männer das lange Einzelrennen, mit Birnbacher, Peiffer, Schempp und Greis. Der erhielt den Vorzug vor Florian Graf, offenbar sind die Trainer bei der Nominierung weniger vom Saisonverlauf ausgegangen als von der aktuellen Form. Die von Greis weist nach oben, die von Graf, 38. in der Verfolgung, eher nach unten. "Er war schneller als der Flo", sagte Männer-Bundestrainer Mark Kirchner. Zudem haben die Trainer den weiteren WM-Verlauf im Hinterkopf. Mit einer Top-Leistung kann sich Greis vielleicht doch noch für den Massenstart qualifizieren.

Bei den Frauen überzeugte neben Henkel und Tina Bachmann auch Miriam Gössner, die von Rang 37 auf 22 vorlief und theoretisch in die Top Ten gekommen wäre. Womit Gössner besonders überraschte, war ihr gelungenes Auftreten am Schießstand. Sie befindet sich als Schützin immer noch im Aufbau, was auch daran liegt, dass sie eine beträchtliche Zeit ihrer Karriere, fast zwei Winter, bei den Langläuferinnen verbracht hatte.

So kam es, dass sie in ihrer ersten Weltcupsaison, als sie noch ganz zwanglos auftrat, hin und wieder traf, ohne genau zu wissen, warum - und in dieser Saison zu oft danebenschoss, ohne zu wissen, warum: "Im Training treffe ich immer", hatte Gössner im Dezember beteuert.

Dennoch gelingt es ihr, allmählich aus dem Tief am Schießstand herauszukommen. Im Verfolgungsrennen schoss sie liegend null Fehler und stehend jeweils nur einen. Ihr nächster Auftritt bei dieser WM könnte vielleicht sogar das Einzelrennen am Mittwoch sein, obwohl Franziska Hildebrand als starke Schützin hier eigentlich den Vorzug erhalten müsste. Doch Hildebrand hat den Aufwärtstrend der Deutschen am Sonntag irgendwie nicht erwischt. Sie schoss vier Fehler, verschlechterte sich von Rang 29 im Sprint auf Platz 47 in der Verfolgung. Von der grauen Theorie profitierte sie nicht.

© SZ vom 06.03.2012 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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