Deutsches Olympiateam:Sotschi + X

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GER, DSV-Medientag Skisprung Damen, Oberstdorf, 23.01.2018

Die Überfliegerinnen im deutschen Team: Skispringerinnen Katharina Althaus (links) und Carina Vogt im offiziellen Outfit.

(Foto: Wolfgang Stuetzle/Eibner)

Der DOSB schickt 153 Athleten nach Pyeongchang. Die moderate Erwartung: mehr Medaillen als 2014 in Sotschi.

Von Johannes Aumüller, Frankfurt

Es ist noch nicht allzu lange her, dass Veronika Rücker ihren neuen Job übernommen hat. Seit dem 1. Januar arbeitet sie als Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und ist so der höchste hauptamtliche Funktionär im deutschen Sport. Nun fällt gleich eine der ersten operativen Entscheidungen unter ihrer Führung so aus, dass sich der Verband kritischen Fragen stellen muss: die Nominierung der deutschen Mannschaft für die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang (9. bis 25. Februar).

Am Dienstag stellte der Dachverband die Auswahl für Südkorea vor. Mit Blick auf die Athleten gab es dabei kaum Streit- oder Härtefälle, wie das vor anderen Olympischen Spielen schon mal vorkam. Insgesamt 153 Sportler (59 Frauen/94 Männer) entsendet der DOSB, und auf übertrieben hohe Vorgaben verzichtet er dabei. Stattdessen gibt er "19 + X" als Marschroute vor. Das orientiert sich am Abschneiden bei den Spielen in Sotschi vor vier Jahren, als es 19 Plaketten gab - die schlechteste Ausbeute einer deutschen Winter-Mannschaft seit der Wiedervereinigung. "Wir haben nicht definiert, ob es ein kleines oder großes X wird. Ich fahre mit einem guten Gefühl zu den Spielen", sagte Dirk Schimmelpfennig, im DOSB-Vorstand für Leistungssport zuständig und in Pyeongchang erstmals Chef de Mission.

Ganz anders als bei der Athletenschar sah das mit den Streitfällen bei der anderen Liste aus, die der DOSB am Dienstag verabschiedete. Denn er entschied ebenfalls, wer als Betreuer mit nach Pyeongchang fahren darf - und zu den 180 ausgewählten Personen zählt auch Matthias Große, der umstrittene Lebensgefährte der Eisschnellläuferin Claudia Pechstein.

Große war schon in Sotschi Teil des Betreuerteams. Wegen seines Auftretens in den vergangenen Jahren, in denen er mit Pechstein gegen die in ihren Augen ungerechtfertigte Zwei-Jahres-Sperre durch den Eislauf-Weltverband (ISU) wegen auffälliger Blutwerte kämpfte, hat es im deutschen Sport sehr viel Unmut gegeben. Betreuer anderer Athleten hatten ebenso wie Journalisten, Antidoping-Experten und Mitglieder des Sportausschusses des Bundestages berichtet, dass sie sich bedroht oder eingeschüchtert fühlten.

Doch für Pechstein ist es immens wichtig, Große an ihrer Seite zu haben, das hat sie immer wieder betont. Beim nationalen Eisschnelllauf-Verband (DESG) wiederum zählen sie in Pyeongchang stark auf Pechstein; die Berlinerin ist trotz ihres Alters (45 Jahre) bei den Frauen die Athletin mit den besten Medaillenchancen. Daher schlugen die DESG-Verantwortlichen vor, dass der Lebensgefährte als "Mentalcoach" mitkommen soll, und der DOSB händigte ihm die Betreuer-Akkreditierung aus. "Er hat das gleiche Prüfverfahren wie alle anderen Betreuer durchlaufen. Es gab keinerlei Gründe, diesbezüglich zu einer anderen Einschätzung zu kommen", sagte DOSB-Chefin Rücker.

Weitere, auf eine einzelne Person abgestellte Mentalcoaches sind nicht dabei; es wäre auch sehr schwierig, denn die Zahl der Akkreditierungen ist streng limitiert. DOSB-Sportvorstand Schimmelpfennig verteidigte die Nominierung aus fachlicher Sicht. Große sei "sehr, sehr nah in der individuellen Betreuung von Claudia Pechstein. Wir sagen: Der Athlet steht im Fokus, also folgen wir auch den Rahmenbedingungen, die der Verband als optimal vorgegeben hat."

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