bedeckt München 24°

Deutscher Tennis Bund:Ruine im Grunewald

Er gratuliert Helfant zum Amt und regt an, sich auf gütlichem Wege zu einigen, statt weiterhin Millionen von Dollar und Euro aus dem Tennissport in Anwaltskanzleien umzuleiten. Ob er nicht schon früher den politisch-diplomatischen Weg hätte beschreiten sollen? Das sei mit Helfants Vorgänger Etienne die Villiers, dem radikalen Erneuerer der Tour, nicht möglich gewesen, sagt Waldenfels.

Die Rückstufung des Rothenbaum-Turniers komme einer "Enteignung" gleich, die er ohne Kompensation nicht habe hinnehmen können. Und was würde es bedeuten, wenn der DTB wirklich dazu verurteilt würde, die horrenden Anwaltskosten der ATP zu zahlen? Das Ende des Verbandes? Georg von Waldenfels will dazu nur so viel sagen: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass der DTB jemals auch nur einen Cent davon bezahlt."

Die Karawane lässt Deutschland zurück

Es wirkt jedenfalls wenig beruhigend, wenn Wohl und Wehe des DTB nun von amerikanischen Gerichten und katarischen Tennismanagern abhängen. Der Pakt, den Waldenfels mit den Katarern schloss, schien damals ein Geniestreich zu sein. Er erlöste den DTB von dem Millionen-Minus, welches das Turnier jährlich schrieb, und beließ es doch in Berlin; zugleich beteiligten sich die Katarer am Hamburger Rothenbaum-Turnier.

Ein Geschäft auf Gegenseitigkeit, Geld gegen Knowhow. Mittlerweile haben die Katarer aber offenbar genug vom Tennisgeschäft gelernt. In Doha richten sie zu Jahresanfang ein hochkarätiges Männerturnier und am Jahresende das Saisonfinale der Frauen aus. Mit den deutschen Turnieren ist nicht mehr viel Staat zu machen. Wegen des in diesem Frühjahr erstmals im Programm stehenden Männer/Frauen-Turniers in Madrid wurden beide German-Open-Turniere von ATP und WTA um eine Kategorie zurückgestuft.

Spitzenprofis sind nicht zum Start verpflichtet und müssten mit Antrittsgeld gelockt werden. Die neue Führung des katarischen Verbandes hat auf das Berliner Spielzeug offenbar keine Lust mehr. Sie zahlt der WTA lieber die Vertragsstrafe in Höhe des vorgesehen Preisgelds, das sind 600.000 Dollar. Präsident Waldenfels hat keine Hinweise, dass die Katarer auch am Rothenbaum aussteigen. Aber er will nichts ausschließen, nachdem sie ihm vor zwei Monaten erst versprachen, in Berlin an Bord zu bleiben.

Die Macht im Tennis liegt dort, wo das Geld ist, die Karawane lässt Deutschland zurück. In Berlin bleibt zurück eine für viele Millionen Mark erweiterte Anlage und wie eine Ruine im Grunewald das Steffi-Graf-Stadion.

© SZ vom 15.01.2009
Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB