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Deutscher Fußball-Bund:Amateure für Grindel als DFB-Chef

Reinhard Grindel

Reinhard Grindel, 54, ist seit 2013 Schatzmeister des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Nun könnte er zum neuen Präsidenten des Verbandes aufsteigen.

(Foto: Gregor Fischer/dpa)
  • An diesem Dienstag kommen die Landes- und Regionalvertreter des Deutschen Fußball-Bundes zusammen.
  • Sie werden sich wohl dafür aussprechen, dass Schatzmeister und CDU-Politiker Reinhard Grindel DFB-Chef werden soll.
  • Den Liga-Vertretern hingegen wäre es am liebsten, noch etwas länger mit der interimistischen Doppelspitze aus Rainer Koch und Reinhard Rauball weiterzumachen.

Um 11.30 Uhr kommen an diesem Dienstag in Hannover die Landes- und Regionalvertreter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zusammen. Zwei, drei Stunden dürfte das Treffen dauern, es gibt viel zu besprechen in den Turbulenzen der WM-Affäre. Aber wenn nicht etwas gänzlich Unerwartetes passiert, werden sie am frühen Nachmittag mit einem klaren Votum auseinandergehen: dass der aktuelle Schatzmeister und CDU-Bundestagsabgeordnete Reinhard Grindel, 54, zum neuen Präsidenten des Verbandes aufsteigen soll. Das bestätigten mehrere Landespräsidenten der SZ. Grindel selbst äußert sich nicht zu seinen Ambitionen.

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Das Votum der Landesfürsten hat ein entscheidendes Gewicht für die weitere Debatte. Seit dem Rückzug von Wolfgang Niersbach vor einer Woche beteuern sie zwar ebenso wie die Vertreter des Profilagers, dass sich alle um eine einvernehmliche Lösung bemühen. Die Stimmenmehrheit beim DFB-Bundestag haben jedoch die Amateure.

Den Liga-Vertretern wäre es am liebsten, noch etwas länger mit der interimistischen Doppelspitze aus Rainer Koch und Reinhard Rauball weiterzumachen und bis zum nächsten regulären Bundestag in einem Jahr über komplett neue Strukturen zu diskutieren. Viele Amateurvertreter hingegen sind dafür, möglichst schon im Frühjahr einen regulären Nachfolger für Niersbach zu küren. Formal fällt die Entscheidung über das weitere Vorgehen am Freitag, wenn in Frankfurt das Präsidium des DFB zusammenkommt.

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In den vergangenen Tagen war stets noch Vizepräsident Rainer Koch, 56, als Alternative genannt worden. Aber der Jurist aus Poing hatte anders als Grindel intern nie erkennen lassen, dass es ihn wirklich in das DFB-Spitzenamt drängt. Die Nominierung des Niedersachsen Grindel wäre freilich nicht ohne Risiko. Er sitzt für die Union unter anderem im Sport- und im Rechtsausschuss des Bundestages und geriet wegen seiner Doppelrolle als Abgeordneter und DFB-Funktionär in die Kritik. So war er etwa maßgeblich daran beteiligt, ein Gesetz gegen Spielmanipulation voranzutreiben - was sich der Fußballverband ausdrücklich wünschte.

Nicht zuletzt ein erst jetzt öffentlich gewordener Brief des DFB aus dem Juli 2013, kurz vor Grindels Wahl zum Schatzmeister und seinem Aufstieg zum starken sportpolitischen Mann in der Union, gab Anlass für Diskussionen. Damals machte sich Grindel im Bundestag für das sogenannte Optionsrecht stark, nach dem sich junge Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft für einen Pass entscheiden sollten.

Es gab Protestbriefe an den DFB, in der Antwort verteidigten der damalige Verbandschef Wolfgang Niersbach sowie Generalsekretär Helmut Sandrock den CDUler und ergänzten das Schreiben um den bemerkenswerten Satz: "Zwischen den Unterzeichnern und Reinhard Grindel ist zudem vereinbart, dass er zukünftig parteipolitisch umstrittene Themenfelder nicht in den Mittelpunkt seiner politischen Arbeit stellen wird, sondern sich vielmehr sportpolitischen Fragestellungen zuwenden wird."

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Ein Parlamentarier, der sich von einem Sportverband vorschreiben lässt, was er zu tun und zu sagen hat? Grindel weist zurück, dass es so eine Vereinbarung gebe.

Sollte er bald zum DFB-Chef aufsteigen, dürfte sich seine Doppelfunktion zumindest in der bisherigen Form erledigt haben. Denn dass er für die Union im Bundestag sowie in dessen Sportausschuss sitzt und zugleich den mit knapp sieben Millionen Mitgliedern größten Einzelsportverband der Welt anführt, halten nicht nur politische Gegner und Compliance-Experten für unmöglich. Sondern auch manche der Landesfürsten, die Grindel am Dienstag zu ihrem Kandidaten küren wollen.

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