Fußball-Nationalmannschaft:"Warum sollte ich verzweifelt sein?"

Lesezeit: 3 min

Vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden präsentiert sich Joachim Löw selbstbewusst und erklärt, sich nicht verändert zu haben. Für die Kritik an Marcel Schmelzer entschuldigt er sich nicht wirklich, nur die Wortwahl findet er unglücklich. Sorgen bereitet dem Bundestrainer etwas ganz anderes.

Saskia Aleythe

Miroslav Klose versuchte zu schleichen. Als sein Nationaltrainer noch die letzte Frage der Journalisten beantwortete, schob sich Klose hinter ihm vorbei, setzte sich auf einen Stuhl neben Joachim Löw und blätterte in einem Flyer, als hätte er die letzten Stunden auf nichts sehnsüchtiger gewartet.

Er blickte nur in das Heft, nie in die Riege der Journalisten und auch in den darauffolgenden Minuten des Fragens und Antwortens war deutlich zu erkennen, dass Klose keiner ist, der gerne vor Kameras und einer größeren Menschenansammlung spricht. Aber er musste, weil er eingeteilt war für die Pressekonferenz an diesem Montag.

Dabei gäbe es derzeit vieles zu besprechen, wurde doch auch vieles kritisiert an der DFB-Elf und Joachim Löw. Der Bundestrainer habe sich verändert nach der WM-Niederlage gegen Italien, hieß es, er sei unsicherer geworden ob der - in der Form zuvor nie dagewesenen - Kritik an seiner taktischen Führung der Mannschaft. Es gab Kritik an der sogenannten Wohlfühl-Oase Nationalelf und auch am Umgang Löws mit Spielern.

"Ich glaube definitiv nicht, dass ich mich verändert habe", sagte Löw auf der Pressekonferenz in Berlin vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden am Dienstag. "Wir sind die Nummer zwei der Welt, warum sollte es da für mich einen Grund geben, verzweifelt oder anders zu sein", betonte er selbstsicher. Viel mehr sagte er indes auch nicht.

Er sagte lieber etwas zur Marcel-Schmelzer-Debatte, dessen Leistungsvermögen er vor dem 6:1 gegen Irland vergangene Woche öffentlich in Frage gestellt hatte - er müsse Schmelzer als linken Außenverteidiger aufstellen, obwohl dessen Fähigkeiten kein internationales Niveau besäßen und weil er keinen anderen habe, hatte Löw in Dublin gesagt.

Die Entschuldigung Löws wurde dann eher zu einer halbherzigen Verteidigung in eigener Sache: "Ich habe mich sehr unglücklich ausgedrückt. Jeder der mich kennt, weiß, dass ich Spieler in der Öffentlichkeit nicht so kritisiere. In der Wortwahl war das so nicht in Ordnung." Das habe er auch Schmelzer mitgeteilt. Er entschuldigte sich also für sich - aber nicht bei Schmelzer. Souverän wirkte das nicht.

Warnung vor Zlatan Ibrahimovic

Wenn die deutsche Mannschaft am Dienstag in Berlin auf die unangenehmen Schweden trifft, heißt es für sie vor allem, die Gefahr des Stürmers Zlatan Ibrahimovic einzudämmen - ansonsten gilt die Stärke der Schweden eher der Defensive. "Ibrahimovic ist unberechenbar, findet aus ganz schwierigen Situationen die richtige Lösung", so Löw, "wir werden versuchen, ihn frühzeitig zu stören bei der Ballannahme und ihm nicht zu viel Raum geben."

Fußball-Nationalmannschaft - Pressekonferenz

Miroslav Klose und Joachim Löw auf der Pressekonferenz vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden.

(Foto: dpa)

Ob auch Sami Khedira dann zum Einsatz kommt, ist noch ungewiss, er laboriert an den Folgen einer Muskelverhärtung. Für ihn könnte Löw Toni Kroos in die Startelf nehmen. Gute Mannschaften bräuchten eine gute Bank, dozierte Löw. Dann war aber auch schon Klose an der Reihe.

Eine Woche ist es her, dass Uli Hoeneß monierte, Miroslav Klose würde nur gegen Fußballzwerge zu Treffern kommen - Löw wiegelte das am Montag mit einer Statistik ab. Ein WM-Tor fehlt Klose noch, um zum Rekordtorschützen Ronaldo aufzuschließen - "und über so jemanden muss man nicht mehr viel sagen".

Klose selbst hat sich zu dieser Anschuldigung bisher nur verhalten geäußert und er zeigte auch bei der Pressekonferenz wenig Interesse daran. "Es macht mich mittlerweile ein bisschen müde. Ich möchte mich nicht viel dazu äußern, das Thema müssen wir jetzt nicht wieder hochkochen", sagte Klose. Inzwischen hatte er das Heft übrigens weggelegt.

Die Debatten ist Klose offenbar leid, aber auch Lob zu empfangen, ist dem Stürmer vom Lazio Rom eher unangehm. Am Dienstag soll der 34-Jährige vom DFB mit dem Fairplay-Preis ausgezeichnet werden, weil er in einer Partie der Serie A ein Handspiel zugab.

"Das war für mich selbstverständlich", so Klose, "wir haben eine Vorbildfunktion, das ging in den letzten Jahren verloren. Da müssen wir als Spieler wieder mehr machen, dass wir wieder Vorbilder werden." Man sieht: Auch Klose hat sich nicht verändert: Er schießt seit Jahren Tore, verhält sich fair - und redet nicht besonders gerne.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB