Fußball-Nationalmannschaft:"Warum sollte ich verzweifelt sein?"

Vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden präsentiert sich Joachim Löw selbstbewusst und erklärt, sich nicht verändert zu haben. Für die Kritik an Marcel Schmelzer entschuldigt er sich nicht wirklich, nur die Wortwahl findet er unglücklich. Sorgen bereitet dem Bundestrainer etwas ganz anderes.

Saskia Aleythe

Miroslav Klose versuchte zu schleichen. Als sein Nationaltrainer noch die letzte Frage der Journalisten beantwortete, schob sich Klose hinter ihm vorbei, setzte sich auf einen Stuhl neben Joachim Löw und blätterte in einem Flyer, als hätte er die letzten Stunden auf nichts sehnsüchtiger gewartet.

Er blickte nur in das Heft, nie in die Riege der Journalisten und auch in den darauffolgenden Minuten des Fragens und Antwortens war deutlich zu erkennen, dass Klose keiner ist, der gerne vor Kameras und einer größeren Menschenansammlung spricht. Aber er musste, weil er eingeteilt war für die Pressekonferenz an diesem Montag.

Dabei gäbe es derzeit vieles zu besprechen, wurde doch auch vieles kritisiert an der DFB-Elf und Joachim Löw. Der Bundestrainer habe sich verändert nach der WM-Niederlage gegen Italien, hieß es, er sei unsicherer geworden ob der - in der Form zuvor nie dagewesenen - Kritik an seiner taktischen Führung der Mannschaft. Es gab Kritik an der sogenannten Wohlfühl-Oase Nationalelf und auch am Umgang Löws mit Spielern.

"Ich glaube definitiv nicht, dass ich mich verändert habe", sagte Löw auf der Pressekonferenz in Berlin vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden am Dienstag. "Wir sind die Nummer zwei der Welt, warum sollte es da für mich einen Grund geben, verzweifelt oder anders zu sein", betonte er selbstsicher. Viel mehr sagte er indes auch nicht.

Er sagte lieber etwas zur Marcel-Schmelzer-Debatte, dessen Leistungsvermögen er vor dem 6:1 gegen Irland vergangene Woche öffentlich in Frage gestellt hatte - er müsse Schmelzer als linken Außenverteidiger aufstellen, obwohl dessen Fähigkeiten kein internationales Niveau besäßen und weil er keinen anderen habe, hatte Löw in Dublin gesagt.

Die Entschuldigung Löws wurde dann eher zu einer halbherzigen Verteidigung in eigener Sache: "Ich habe mich sehr unglücklich ausgedrückt. Jeder der mich kennt, weiß, dass ich Spieler in der Öffentlichkeit nicht so kritisiere. In der Wortwahl war das so nicht in Ordnung." Das habe er auch Schmelzer mitgeteilt. Er entschuldigte sich also für sich - aber nicht bei Schmelzer. Souverän wirkte das nicht.

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