Deutsche Nationalelf:Autogramme und Selfies gegen das schlechte Gewissen

Die deutsche Nationalmannschaft will nach der verkorksten WM mehr Nähe zu ihren Fans aufbauen und trainiert in Berlin erstmals seit Ewigkeiten wieder öffentlich. Es kommen 5000 Zuschauer.

Von Javier Cáceres

7 Bilder

Nationalmannschaft - Training

Quelle: Jens Büttner/dpa

1 / 7

Am Dienstagmittag gestand Bundestrainer Joachim Löw, dass er sich gar nicht mehr daran erinnern konnte, wann das DFB-Team seine Fans letztmals mit einem öffentlichen Training beglückt hatte. So lange war das her. "Das war Teil unserer Selbstkritik nach der WM, dass wir gesagt haben: Wir müssen uns auch gegenüber den Fans wieder öffnen", sagte Löw. Wenige Stunden später startete die Nationalmannschaft in ihre Charmeoffensive: Das Team verließ sein Luxushotel im Berliner Tiergarten und begab sich ins Amateurstadion von Hertha BSC, wo sich 5 000 Fans versammelt hatten, um der versprochenen öffentlichen Arbeit zu folgen. Die war den Nations-League-Duellen in Amsterdam (am kommenden Samstag) und in Saint-Denis (am darauffolgenden Dienstag) vor- und vor allem dem WM-Desaster nachgeschaltet. Man wolle nichts inszenieren, "sondern zeigen, dass wir auch richtig arbeiten vor solchen Spielen", sagte Löw.

UEFA Nations League - Germany Training

Quelle: REUTERS

2 / 7

Bei der großen WM-Bilanz nach dem Vorrunden-Aus in Russland stellte der DFB ja fest, man habe sich zu weit von den Fans entfernt. Bei, ersten Länderspiel des Jahres gegen Frankreich und beim Freundschaftsspiel gegen Peru sei zwar noch keine Zeit gewesen, ein öffentliches Training abzuhalten - das wolle man aber nun nachholen. Oliver Bierhoff sagte auf dieser Pressekonferenz auch, man wolle in Zukunft wieder mehr Autogramme geben. Oder eben Selfies, die Autogramme des Jahres 2018, wie hier Jérôme Boateng beweist.

UEFA Nations League - Germany Training

Quelle: REUTERS

3 / 7

Die Trainingseinheit begann mit einer akademischen Viertelstunde Verspätung, aber das tat der Begeisterung der Zuschauer und der entspannten Atmosphäre keinen Abbruch. Zumal viele erst spät dazustießen. Es herrschte eine Geräuschkulisse wie im Freibad, als die Nationalspieler, von Thomas Müller angeführt, den Platz betraten, mit dem Ball herumdaddelten und sich dann anschickten, zwei Runden um den Platz zu drehen, um die Muskeln ein wenig zu wärmen.

Germany Training

Quelle: Bongarts/Getty Images

4 / 7

Derweil nutzte Löw die Gelegenheit, das Volk lächelnd zu grüßen, den Arm erhoben wie bei einem Segen. Das Volk grüßte freundlich zurück. Auf den Rängen hatte sich lokale Fußballprominenz versammelt, unter ihnen frühere Hertha-Angreifer wie Michael Preetz und Andreas Thom, heuer Manager beziehungsweise Stürmer-Trainer bei Hertha BSC - oder Felix Kroos (Union Berlin), Bruder von Nationalspieler Toni Kroos

-

Quelle: AFP

5 / 7

"Es ist schön, die Tore mal wieder aufzumachen", sagte DFB-Manager Oliver Bierhoff, als er sich einer improvisierten Medienrunde stellte, mit den vollbesetzten Rängen als Kulisse. Von einer "Entfremdung" von den Fans könne aber keine Rede sein. Denn: "Wir haben in 2018 vor der WM mehr Trikots verkaufen können als 2014. Die Begeisterung für die Mannschaft war also da." Das Gefühl, dass man mal wieder an die Fans heranrücken müsse, war freilich auch da, "dass die Kinder die Spieler aus der Nähe sehen, Selfies und Autogramme bekommen". Oder eben Treffer in ein Miniaturtor feiern können, bei denen sich insbesondere Bayern-Verteidiger Niklas Süle hervortat. Den Jubel der hörbar jungen Fans gab er mit Gesten zurück.

UEFA Nations League - Germany Training

Quelle: REUTERS

6 / 7

Ansonsten wurde tatsächlich mit großer Seriosität gearbeitet, in Abwesenheit von Kevin Trapp (muskuläre Probleme) und Leon Goretzka (Muskelverhärtung), die sich am Dienstagabend für beide Länderspiele abmeldeten. Für sie rücken Bernd Leno (FC Arsenal) und Serge Gnabry (FC Bayern) nach. Auch Jérôme Boateng und Nico Schulz gingen nicht über die volle Trainingsdistanz, sie schrieben dafür ausdauernd Autogramme, so wie die anderen Nationalspieler (hier Toni Kroos) nach verrichteter Schicht.

UEFA Nations League - Germany Training

Quelle: REUTERS

7 / 7

Man werde derlei "in regelmäßigen Abständen machen", sagte Bierhoff. Das nächste Mal im November, Deutschland trägt dann in Leipzig ein Testspiel gegen Russland aus - und dann in Gelsenkirchen das letzte Gruppenspiel der "Nations League", bei dem es um den Abstieg aus der A-Gruppe gehen könnte. Wenn die Spiele gegen die Niederlande und Frankreich denn missglücken sollten.

© Sz.de/schm
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB