bedeckt München 26°

Deutsche Kanuten:Im Finale einmal kurz geschaukelt

Erst im Sitzen holt der Deutsche seine Siege: Acht von zehn Goldmedaillen gewannen die deutschen Olympioniken bislang auf dem Rad, dem Pferd oder im Boot. Die deutschen Kanuten bleiben am letzten Wettkampftag zwar ohne Medaille - die Bilanz ist dennoch herausragend.

Jürgen Schmieder, Eton Dorney

Man erzählt sich in London derzeit einen schönen Witz. Natürlich erzählt man sich in London dauernd schöne Witze, aber dieser ist besonders schön, weil er mit den Olympischen Spielen und seinen Teilnehmern zu tun hat. Der Witz beginnt, und das ist schon mal genial, dass der Deutsche ja nun wirklich nicht gut zu Fuß sei. Laufen, nein, Laufen sei nun wirklich nicht die Tugend des Teutonen.

Olympics Day 15 - Canoe Sprint

Geschlagen im Finale: Ronald Rauhe (vorne) und Jonas Ems.

(Foto: Getty Images)

Wenn man diesen Deutschen allerdings in ein Boot setzt, auf ein Pferd oder auf ein Rad, dann werde plötzlich ein Sportler aus ihm, der bei den Olympischen Spielen Medaillen gewinnen kann. Deshalb solle der Deutsche Olympische Sportbund doch statt Zielvorgaben aufzustellen lieber den Antrag beim IOC stellen, zu allen Disziplinen eines dieser Sportgeräte mitnehmen zu dürfen.

Es wäre natürlich schon interessant, ob Paul Biedermann eine Chance gehabt hätte gegen Michael Phelps, wenn er hätte paddeln dürften. Es steckt aber doch viel Wahrheit in diesem Ulk: 42 Medaillen haben deutsche Sportler bislang geholt, davon fünf auf dem Rad, vier auf dem Pferd - und elf in irgendeinem Boot.

Das Schöne für die Deutschen war an diesem Samstag: Es gab noch ein paar Disziplinen, bei denen man das Boot benutzen durfte, in dieser herrlichen Wettkampfstätte in Eton Dorney wurden die Finals der Paddler ausgetragen. In zwei davon waren deutsche Sportler vertreten - und in beiden Ronald Rauhe. Er ging im Canadier-Sprint, dort war er 2009 Weltmeister geworden, als Außenseiter an den Start, mit seinem Kollegen Jonas Ems im Zweier durchaus als aussichtsreicher Kandidat.

Nun fand das Einzel eine Stunde vor dem Doppel statt - und es war anzunehmen, dass Rauhe ein paar Kräftewürde sparen wollen für den Auftritt später. Er kam als Letzter ins Ziel, gratulierte sogleich dem Sieger Ed McKeever und sagte danach: "Ich bin nicht zufrieden, ich wäre schon gerne im Mittelfeld mitgefahren. Wir hatten zum ersten Mal Gegenwind, das Rennen wird zum ersten Mal bei Olympia gefahren - aber es war auch eine gute Vorbereitung auf den Zweier, darauf freue ich mich jetzt."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB