Süddeutsche Zeitung

Deutsche Fußball-Liga:Die Macht verschiebt sich

DFL-Chef Rauball geht, Schalkes Peters übernimmt ein neues Amt - und Geschäftsführer Seifert erhält mehr Einfluss.

Reinhard Rauball wird auch nach diesem Mittwoch eine Menge mit dem Fußball zu tun haben. Er bleibt fürs Erste Präsident von Borussia Dortmund. Zudem steigt er zum Ehrenpräsidenten der Deutschen Fußball-Liga (DFL) auf, der Interessensvertretung der 36 Profiklubs aus erster und zweiter Bundesliga, der er in den vergangenen zwölf Jahren vorstand.

Der Umstand, dass der 72-Jährige bei der Generalversammlung der DFL in Berlin als Präsident und Aufsichtsratschef aufhört, bedeutet für den deutschen Profifußball dennoch eine erhebliche Zäsur. Nicht nur, weil Rauball mit seiner Art vielen als ideale Besetzung für den Posten galt. Sondern auch, weil sich durch eine neue und in Teilen nicht ganz leicht nachzuvollziehende Struktur Machtverschiebungen ergeben, deren erster Profiteur der Geschäftsführer Christian Seifert, 50, ist.

Von diesem Mittwoch an gibt es in der DFL nämlich keinen Präsidenten mehr. Stattdessen steht an der Spitze des neunköpfigen Präsidiums künftig ein sogenannter Präsidiumssprecher - und diesen Posten übernimmt zusätzlich zum Geschäftsführeramt eben Christian Seifert. Ein Aufsichtsrat wiederum, der die Arbeit der Geschäftsführung überwachen soll, besteht auch weiterhin. Nur ist dort ein bemerkenswertes statuarisches Konstrukt entstanden: Den Posten des Aufsichtsratschefs hat künftig automatisch der stellvertretende Präsidiumssprecher inne, der damit zugleich Seiferts Vertreter und Seiferts oberster Kontrolleur sein wird.

Der Schalker Peter Peters, 57, soll am Mittwoch in dieses Amt gewählt werden. Er ist der einzige Kandidat, auch wenn er bei den Vereinsvertretern insgesamt nicht das Standing hat wie der scheidende Rauball - und es von seinen Kritikern den Versuch gab, andere Funktionäre zu einer Gegenkandidatur zu bewegen.

In jedem Fall ist es eine Zeit mit einer Reihe an bedeutenden Themen, in die der Umbau der DFL-Strukturen fällt. Der bisherige Klubchef des Bundesligisten SC Freiburg, Fritz Keller, soll bald zum Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) aufsteigen - wenn auch mit erheblich beschränkter Zuständigkeit. Aber mit Keller kann der Profibereich bestens leben; er ist ja einer der ihren und nicht wieder ein Vertreter des Amateurlagers.

Dazu kommen auch einige inhaltliche Themen. Der Grundlagenvertrag, der die Finanzströme zwischen dem DFB und dem Liga-Verband regelt und durch den die Amateure an den rapide steigenden Einnahmen der Profis partizipieren sollen, steht bald wieder zur Verhandlung an. Die aktuelle Version ist heftig umstritten, weil sich im Vorjahr herausstellte, dass die Zahlungen der Liga an den DFB viel geringer ausfielen als gedacht. Zudem schwebt die 50+1-Regel und damit die Frage nach dem Umgang mit Investoren permanent über dem Fußball. Und auf den Profibereich intern wartet wieder das Thema Fernsehgelder: Der aktuelle Vierjahreskontrakt, der den Klubs einen Rekordwert von durchschnittlich 1,16 Milliarden Euro pro Saison verschaffte, endet 2021. Im kommenden Jahr vergibt die DFL die TV-Rechte neu. Über die Verteilung des Erlöses wiederum entscheidet das Präsidium. Und unter anderem wegen dieses Themas, aber auch wegen vieler anderer ging es in den vergangenen Wochen hinter den Kulissen sehr ellbogenreich her im Kampf um die Plätze in diesem Gremium, das an diesem Mittwoch gewählt wird.

Erst auf Teilversammlungen der beiden Ligen am Dienstagabend klärte sich die Lage, wobei unter anderem der Dortmunder Klubchef Hans-Joachim Watzke seine Kandidatur zurückzog - und es nun zu keiner Kampfabstimmung kommt. Das Präsidium sollen neben Geschäftsführer Seifert, DFL-Direktor Ansgar Schwenken und Peter Peters künftig Oliver Leki (SC Freiburg), Steffen Schneekloth (Holstein Kiel), Jan-Christian Dreesen (FC Bayern), Alexander Wehrle (1. FC Köln), Rüdiger Fritsch (Darmstadt 98) und Oke Göttlich (FC St. Pauli) bilden. Damit sind die mittelgroßen und kleineren Klubs in dem Gremium künftig stärker vertreten als bisher.

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SZ vom 21.08.2019
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