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Deutsche Erfolge bei den Paralympics:Schon 13 Mal Gold

Erst sorgen die Bahnradfahrer Graf und Teuber mit ihren Erfolgen innerhalb von wenigen Minuten für einen Auftakt nach Maß, dann legt Handbikerin Eskau nach. Schwimmerin Bruhn sorgt am Abend im Aquatics Centre für Deutschlands 13. Goldmedaille.

Michael Teuber, der am Dienstag aus Frustration über die Klassifizierungen seinen Rücktritt von der Bahn verkündet hatte, raste südlich der britischen Hauptstadt mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch zu seinem insgesamt vierten paralympischen Gold. "Dass ich es diesen muskelbepackten Kerlen, die neu in meiner Klasse sind, mit meinen dünnen Beinchen gezeigt habe, allein durch Wille, Ausdauer und Erfahrung, macht mich stolz", sagte der 44-Jährige, der infolge eines Autounfalls im Jahr 1987 inkomplett querschnittsgelähmt ist.

2012 London Paralympics - Day 2 - Cycling - Track

Tobias Greif holte in London Gold im Zeitfahren. 

(Foto: Getty Images)

War es für Teuber nach enttäuschenden Resultaten auf der Bahn die erste Medaille in London, machte Tobias Graf den Medaillensatz komplett. Nach Bronze im Zeitfahren über 1000 Meter und Silber in der Einer-Verfolgung über 3000 Meter krönte der 28-jährige Freiburger seine starken Leistungen mit Gold. "Das ist einfach nur geil. Gehofft habe ich schon darauf, aber gerechnet habe ich nicht damit", sagte Graf, der sein linkes Bein durch einen Mähdrescherunfall verloren hat: "Ich habe mich nach den Bahnrennen eigentlich ziemlich platt gefühlt, aber anscheinend hat die Form auf den Punkt gepasst. Ich habe zwar noch nichts geplant, aber ich denke, jetzt gibt es erst mal eine ordentliche Party."

Nach ihrem Triumph 2008 im Straßenrennen demonstrierte die querschnittsgelähmte Handbikerin Andrea Eskau, die bei den Winterspielen in Vancouver 2010 Silber im Langlauf und Bronze im Biathlon geholt hatte, durch ihren Triumph im Zeitfahren ihre Vielseitigkeit. Wie vor vier Jahren in Peking hatte niemand eine Chance gegen Eskau, die die Teamkollegin Dorothee Vieth mit fast zwei Minuten Rückstand auf Platz zwei verwies. "Es ist schon beeindruckend, wie Andrea dieses Rennen dominiert hat", sagte die amtierende Handbike-Weltmeisterin Vieth über Eskau.

Kirsten Bruhn, die seit einem Motorradunfall 1991 auf der griechischen Insel Kos inkomplett querschnittsgelähmt ist, ließ der Konkurrenz bei ihrem letzten paralympischen Auftritt keine Chance und siegte wie schon 2004 in Athen und 2008 in Peking über die 100 m Brust. Die zweitplatzierte Song Ling Ling (China) schlug über 11 Sekunden nach der Deutschen an. "Das war's. In Rio bin ich nicht mehr dabei. Ich bin einfach nur erleichtert. Ich dachte, vielleicht zündet ja doch noch eine den Turbo", sagte Bruhn, die zuvor bereits Silber über 100 m Freistil gewonnen hatte. Insgesamt verabschiedet sich Bruhn mit drei Gold- sowie jeweils vier Silber- und Bronzemedaillen von der paralympischen Bühne.

© SZ.de/dpa/sid/jbe
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