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Deutsche Eishockey Liga:Tigo und der Sarg

Tigo Sarg Straubing Tigers Maskottchen

Protest in Mönchskutte: Maskottchen Tigo trägt beim Heimspiel gegen die Adler Mannheim am 25. Januar die Transparenz in der Deutschen Eishockey Liga zu Grabe.

(Foto: Stefan Ritzinger)

Straubing hat eine Entscheidung des DEL-Disziplinar­ausschusses harsch kritisiert. Der Klub legt Einspruch ein.

Von Johannes Kirchmeier

Am Montag, dem Tag ihrer Bestrafung, verschickten die Straubing Tigers eine glückliche Mitteilung. Fredrik Eriksson war von den Anhängern des Vereins zum "Spieler des Monats" gewählt worden. Es ist eine durchaus verständliche Wahl: Der Schwede Eriksson, seit Jahren erprobt in der Deutschen Eishockey Liga (DEL), ist mit fünf Toren und 17 Assists der punktbeste Verteidiger des Teams - und alleine durch seine Erfahrung ein Führungsspieler in Niederbayern. Eriksson spielte jedoch nur zwei Drittel des Januars, erst seit dieser Woche steht er nach einer Knieverletzung wieder auf dem Eis. "Fredy is ready", sagte Trainer Tom Pokel vor dem Heimspiel an diesem Freitag gegen die Kölner Haie (19.30 Uhr). Es könnte also alles gut sein in Straubing. Doch dafür war zu viel los am sonst so ruhigen kleinsten DEL-Standort in den vergangenen dreieinhalb Wochen. Und es rumort ja immer noch.

Zwei Geldstrafen in nicht bekannt gegebener Höhe sprach der Aufsichtsrat der DEL einstimmig gegen die Tigers am Montag aus - "wegen unsportlichen und ligaschädigenden Verhaltens". Zudem läuft noch ein weiteres Verfahren wegen Bierbecherwürfen. Und weil in der Kontaktsportart Eishockey schnell mal alles mit allem zusammenhängt, hat auch Erikssons Verletzung damit zu tun - wenngleich der Spieler selbst am wenigsten dafür kann.

Was war passiert? Ausgelöst wurde die Situation am 20. Januar: Mit einem heftigen Kniecheck streckte der deutsche Nationalspieler Patrick Hager vom EHC Red Bull München Eriksson nieder. Die Bierbecher flogen. Hager kassierte für sein Foul eine Spieldauer-Strafe, vom Disziplinarausschuss weiterführend bestraft wurde er nicht. In einem dürren Twitter-Eintrag schrieb die Liga: "Der #Disziplinarausschuss der #DEL hat die Verfahren vom 41. Spieltag eingestellt." Was Protest nach sich zog: Fans verschiedener Vereine beschwerten sich in den sozialen Netzwerken einerseits darüber, dass die Liga Hager als "Wiederholungstäter" nach einer ähnlichen Aktion gegen Wolfsburgs Gerrit Fauser nicht sperre. Und andererseits auch darüber, dass ihnen die Transparenz für die Entscheidung fehle. Ohne Begründung leuchtete der Entscheid den Anhängern ob der Schwere von Check und Verletzung nicht recht ein.

"Das war auch für uns ein Learning", sagt DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke. "Wir überlegen derzeit, wie wir Entscheidungen, bei denen es solche Diskussionen gibt, besser öffentlich erklären." Es war ja schnell klar, dass mehr hinter den Beschwerden liegt. Bisher begründet die DEL ihre Entscheidungen lediglich, wenn sie bestraft. Ähnlich wie die nordamerikanische Profiliga NHL zeigt sie dann anhand von Videobildern auf, welche Bewertungen sie warum traf. Gerade in jenem Fall von Patrick Hager interessierte die Öffentlichkeit aber, so wie beim ein paar Monate zuvor heftig diskutierten Check des Bremerhaveners Chris Rumble gegen den Kopf des Nürnbergers Taylor Aronson, genau die Trennschärfe des Disziplinarausschusses, dem der frühere DEL-Spieler Tino Boos vorsitzt.

Die Liga verwies später auf ihren "Standard bei Checks mit dem Knie", der im November von der Sportkommission beschlossen worden war. Erzürnt hat die Entscheidung, Hager nicht zu sperren, auch Teile des Straubinger Klubs. Die haben in der Woche nach dem Foul den Bogen jedoch überspannt, was wiederum zu den Strafen führte: Beim nächsten Heimspiel der Tigers nach dem Check gegen die Adler Mannheim am 25. Januar fuhr das Maskottchen Tigo in schwarzer Mönchskutte aufs Eis. Es trug einen Sarg und einen Grabstein aus Pappe. "Fairer Sport" und "Transparenz" standen darauf - und wurden entsprechend der Symbolik zu Grabe getragen. Makaber war dabei die Aufschrift "powered by TB". Es sind die Initialen des Ausschussvorsitzenden Boos. "Das war komplett geschmacklos sowie ein Angriff auf die Werte der Liga", findet Tripcke.

Dafür wurden die Tigers am Montag bestraft, doch das wollen sie nicht hinnehmen. "Wir haben in dem Fall Einspruch eingelegt und unsere Sichtweise dargelegt. Jetzt müssen wir die Ergebnisse abwarten", sagt Jason Dunham, der Sportliche Leiter der Straubing Tigers. Ein Schiedsgericht wird über die Rechtmäßigkeit der Strafe urteilen. Dunham hält sich mit öffentlichen Kommentaren zu der Situation zurück. Anders als der Gesellschafter Hubert Stahl, der dafür die zweite Strafe erhielt: Er hatte in zwei offenen Briefen an die DEL seinen Frust über die seiner Meinung nach eklatante Ungleichbehandlung bei Sperren zum Ausdruck gebracht. "Ist es vielleicht der Versuch, kleine Vereine wie Straubing klein zu halten und finanziell stärkeren Vereinen wie München möglichst wenig Steine in den Weg zu legen?", fragte er. Seine Strafe (5000 Euro, zur Hälfte auf Bewährung) zahlt er selbst, sagte er nun der Passauer Neuen Presse. Zudem werde er weiter dafür kämpfen, dass Entscheidungen transparenter werden.

Manche Tigers-Fans kleben seit Wochen das DEL-Wappen auf ihren Trikots ab, andere schrieben ein Plakat mit der Aufschrift "Eishockeymafia DEL". Also auch wenn Fredy seit dieser Woche wieder "ready" ist: Gekittet ist die Sache noch nicht zwischen der DEL und ihrem kleinsten Standort - und das wird wohl auch mindestens so lange so bleiben, bis das Schiedsgericht gesprochen hat.

© SZ vom 15.02.2019

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