Deutsche Eishockey LigaMit Rucksack in den Sommer

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In der Not hätten sich die Profis als wahre Sportler erwiesen: Angesichts von Einnahmeneinbrüchen und 60 Prozent Gehaltsverzicht sind die Kölner Haie (rechts Kapitän Moritz Müller) schon froh, dass die Saison einigermaßen glimpflich ausgegangen ist.
In der Not hätten sich die Profis als wahre Sportler erwiesen: Angesichts von Einnahmeneinbrüchen und 60 Prozent Gehaltsverzicht sind die Kölner Haie (rechts Kapitän Moritz Müller) schon froh, dass die Saison einigermaßen glimpflich ausgegangen ist. Anke Waelischmiller/Sven Simon/Imago

Während andere um den Titel spielen, haben Köln, Düsseldorf und Krefeld die Playoffs verpasst. Im einst gelobten Eishockey-Land am Rhein liegt die letzte Meisterfeier schon 18 Jahre zurück. Und daran wird sich so schnell nichts ändern: Die Klubs müssen sparen.

Von Ulrich Hartmann, Köln

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Als die Düsseldorfer EG 1996 letztmals deutscher Meister wurde, saß ihr heutiger Geschäftsführer Harald Wirtz als Mitarbeiter des damaligen Hauptsponsors auf der Tribüne. Als die Kölner Haie 2002 letztmals Meister wurden, berichtete ihr heutiger Geschäftsführer Philipp Walter als Reporter für "Radio Köln" live aus dem Stadion. Das sind für beide schöne, aber auch wehmütige Erinnerungen an eine Zeit, als Eishockey noch ein unbeschwertes Vergnügen war. Eine Zeit, als Spieler und Zuschauer noch eine pulsierende Symbiose bildeten - und als das Rheinland mit Köln und Düsseldorf noch der Nabel des deutschen Eishockeys war.

Heute zermartern sich Wirtz und Walter als Verantwortliche in den Büros der Traditionsklubs den Kopf. Die Finanzierung von Profi-Eishockey in Corona-Zeiten ist auch im einst gelobten Rheinland eine extreme Herausforderung. Für den Moment sind beide heilfroh, ein schwieriges Halbjahr überstanden zu haben, das als Corona-Saison in die Geschichte der Deutschen Eishockey Liga (DEL) eingehen wird. Während andere Klubs den Titel ausspielen, wird in Köln und Düsseldorf nicht allzu wehleidig beklagt, dass man es nicht einmal in die Playoffs geschafft hat. Diesmal waren nämlich auch andere Faktoren von Bedeutung: dass die Spieler gesund geblieben und die Fans auch aus der Distanz treu sind, dass Partner und Sponsoren die Klubs weiter unterstützt und dass die Gesellschafter ihnen aus der größten Not geholfen haben.

Dass sich beide Klubs jetzt von relevanten Teilen ihres Kaders trennen, hat auch wirtschaftliche Gründe. DEG-Boss Wirtz lobt explizit eine Mannschaft, die das Saisonziel eigentlich verpasst hat. "Wir haben in dieser Saison wahre Sportler gesehen", sagt er über tapfere Spieler, die trotz eines Verzichts auf 60 Prozent ihres Gehalts leidenschaftlichen Sport gezeigt haben. "Wir wollten schon in die Playoffs, aber durch die besonderen Umstände und die außergewöhnliche Belastung der Spieler lag das Hauptaugenmerk ausnahmsweise mal nicht ausschließlich auf dem Tabellenplatz."

Corona hat viel relativiert: "Das Verpassen der Playoffs fühlt sich diesmal anders an", sagt Haie-Chef Walther

So ähnlich sehen sie das auch in Köln. "Wir sind enttäuscht über das Verpassen der Playoffs", sagt Walter. Aber auch die Kölner Spieler haben auf 60 Prozent ihres Gehalts verzichtet. "Das Verpassen der Playoffs fühlt sich diesmal anders an", relativiert der Haie-Chef das frühe Saison-Aus. Die Corona-Bedingungen diktierten noch andere relevante als nur sportliche Parameter. Es ging nicht nur Woche für Woche um Sieg und Niederlage. "Die Saison hat gezeigt, wie stark wir als Verein, wie stark wir aber auch als Liga sind", sagt Wirtz nicht ohne Stolz. Obwohl beide Klubs die Playoffs verpasst haben, fühlen sie sich auch ein bisschen wie Sieger. Nur dass der maßgebliche Kampf diesmal auf einer höheren Ebene stattgefunden hat.

In Düsseldorf ignorieren sie gern, dass ihr letzter Meistertitel jetzt 25 Jahre her ist. Niemand feiert das als Jubiläum. Die Erinnerung immerhin ist tröstlich. Im legendären Stadion an der Brehmstraße besiegte man damals - die Haie. Es war ein Festtag für das rheinische Eishockey. So einen Festtag gab es 2003 noch einmal, als die Krefeld Pinguine gegen Köln Meister wurden. Seither gab es im Westen nichts Neues.

In der kürzlich beendeten Hauptrunde landeten Düsseldorf, Köln und Krefeld in der Nord-Division auf den letzten drei Plätzen. Düsseldorf und Köln waren je acht Mal Meister, Krefeld drei Mal. Die einst längste Zeitspanne, in der es keinen deutschen Meister vom Rhein gab, dauerte 15 Jahre: von 1952 bis 1967. Seither mischten Düsseldorf und Köln bei der Titelvergabe regelmäßig mit, zuletzt sprang Krefeld in die Bresche. Mittlerweile ist das aber schon 18 Jahre her.

Krefelds Coach will nächste Saison um den Titel spielen. Die halbe Stadt grübelt, wie ernst er das gemeint hat

Die titellose Ära könnte sich noch ein bisschen hinziehen. Nicht viel deutet darauf hin, dass einer der drei Klubs wie Phönix aus der Asche aufsteigt. An allen drei Standorten muss eine schwer kalkulierbare Zukunft durchgerechnet werden. "Die Planung der nächsten Saison wird ein Spagat", sagt Haie-Chef Walter. "Gemeinsam mit Uwe Krupp haben wir alle höhere Ziele und Erwartungen, als nur eine Mannschaft zu verwalten." In Düsseldorf sagt Wirtz: "Wir richten uns vorsichtiger aus." Der Etat war in der Corona-Saison auf eine mittlere einstellige Millionensumme schon nahezu halbiert worden. Jetzt droht nochmals eine Reduzierung.

Die Bedingungen sind überall gleich schwierig. Ihre schlimmste Saison jemals haben die Krefeld Pinguine hinter sich. Sie waren von einem Schweizer Investor gerade noch vor der Insolvenz gerettet worden - bevor Corona und das Chaos erst ausbrachen. In Glen Hanlon, Mihails Svarinskis, Boris Blank und Clark Donatelli gaben sich im Laufe der kurzen Saison vier Cheftrainer die Klinke in die Hand. Jetzt glaubt man das Schlimmste überwunden zu haben. US-Coach Donatelli kündigte an, dass man in der kommenden Saison um den Titel mitspielen wolle. Halb Krefeld grübelt, wie ernst er das gemeint hat.

Vom Titel sprechen sie in Köln und Düsseldorf nicht. Dabei wäre solch ein Triumph mal wieder nötig, um das rheinische Eishockey aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. "Im Moment herrscht ein diffuses Gefühl", sagt Walter: "Wir schauen optimistisch und kämpferisch nach vorne, die Unwägbarkeiten sind aber noch nicht aus dem Weg geräumt." Er nennt das einen "Rucksack der Ungewissheit".

In Düsseldorf ist Wirtz zuversichtlich, dass der Tiefpunkt überwunden ist. "Wir haben das Gefühl, uns wieder ein bisschen der Normalität zu nähern." Er freut sich auf ein Derby gegen Köln vor Zuschauern: auf den Puls, die Emotionen und die Erinnerungen an 1996. Um Titel im Rahmen einer Finalserie wird es zwischen Köln und Düsseldorf aber vielleicht auf Jahre hinaus nicht mehr gehen.

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