Deutsche Eishockey Liga:Fünf Playoff-Kandidaten

Lesezeit: 6 min

04.08.2021 - Eishockey - Saison 2021 2022 - DEL - Nürnberg Ice Tigers Icetigers - Trainingsauftakt - / ThHa - Ryan Stoa

Unterstützung aus Örebro: Stürmer Ryan Stoa (vorne) soll Stabilität und Erfahrung nach Nürnberg bringen.

(Foto: Thomas Hahn/Sportfoto Zink/imago)

Schrauben in München, Geister in Augsburg, Söder in Ingolstadt, Kälte in Straubing und Glücksgefühle in Nürnberg: Die bayerischen Eishockey-Erstligisten fiebern dem Saisonstart entgegen.

Von Christian Bernhard und Johannes Kirchmeier

Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) geht am Donnerstag mit dem Auftaktspiel zwischen Meister Eisbären Berlin und dem EHC Red Bull München in ihre 28. Spielzeit. Die wichtigste Änderung: Nach einer pandemiebedingt Zuschauer-losen Spielzeit dürfen nun auch die Fans wieder in den Eishallen mit dabei sein. Vor dem Auftakt ein Überblick, was die fünf bayerischen Vereine im Sommer umtrieb, wie sie durch die Vorbereitung kamen und mit welchen Zielen sie in die Saison starten.

ERC Ingolstadt

Nein, Schlittschuhlaufen könne er nicht, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder vor wenigen Tagen, als er dem ERC Ingolstadt einen Besuch abstattete. Eine gewisse Affinität zur kalten Oberfläche habe er dennoch, schließlich bewege er sich in seinem Job "immer auf Glatteis", erklärte er, ehe er für ein Foto mit der gesamten ERC-Mannschaft kurz aufs Eis ging - in Straßenschuhen, versteht sich. Der Besuch des bayerischen Ministerpräsidenten freute die Ingolstädter sehr, denn Söder brachte die frohe Botschaft mit, dass alle knapp 5000 Plätze in der Arena für Zuschauer freigegeben sind. Eine volle Arena sei die Voraussetzung dafür, wieder einen "wirtschaftlich selbsttragenden Spiel- und Saisonbetrieb" zu gewährleisten, sagte ERC-Geschäftsführer Claus Liedy.

Das Ingolstädter Publikum konnte in der vergangenen Saison nur aus der Distanz mitverfolgen, wie die Mannschaft bis ins Playoff-Halbfinale kam und dort erst im entscheidenden Spiel an Meister Eisbären Berlin scheiterte. Dieser Weg soll nun fortgesetzt werden. Stürmer Mirko Höfflin sieht ein "sehr starkes Team", das an den Erfolg des letzten Jahres anknüpfen "und noch mehr will". Er glaubt ein "anderes Mindset" zu erkennen, das auch eine Folge des letztjährigen Playoff-Erfolges gegen München sei.

Sportdirektor Larry Mitchell hat viele Stützen der Vorjahres-Mannschaft zusammengehalten und um erfahrene Kräfte wie Münchens Chris Bourque, Verteidiger David Warsofsky und den 35-jährigen Torwart Karri Rämö ergänzt. Etwas ungewöhnlich ist, dass gleich beide Torhüter neu sind: Aus München kam auch Kevin Reich, der sich zu Beginn die Spiele mit dem Finnen Rämö teilen soll. Ebenfalls neu ist Jerome Flaake, der zusammen mit Höfflin und Daniel Pietta die beste Angriffsreihe in der Vorbereitung bildete. Verstecken, findet Höfflin, brauche sich der neue ERC jedenfalls nicht.

Straubing Tigers

Das Eisstadion am Pulverturm ist für die Straubinger Gegner ein durchaus unangenehmes Reiseziel. Das liegt einerseits an der Frische in der Halle, das Stadion am - seit dem diesjährigen Aufstieg Bietigheims - nun zweitkleinsten Ligastandort ist noch eine alte, kühle Halle und keine neumodische, klimatisierte Multifunktionsarena, wie sie in Köln, Mannheim oder Berlin steht und in München gerade gebaut wird. Und andererseits treffen die Gegner der Straubing Tigers auch noch auf die enthusiastischen Anhänger, die den Umstand, dass Eishockey in Ostbayern die Sportart Nummer eins ist, immer wieder unterstreichen.

Wobei: So ganz stimmte das zuletzt nicht. Kalt war es zwar auch in der vergangenen Spielzeit, das schon. Aber der Fan-Vorteil war pandemiebedingt außer Kraft gesetzt. Bis zum vergangenen Sonntag: Bei der Saisongeneralprobe gegen die Vienna Capitals waren erstmals seit März 2020 wieder 1500 Zuschauer dabei. Angetrieben durch die ungewohnte Unterstützung (und wohl auch bedingt durch die müden Beine der Wiener, die sich tags zuvor ein enges Duell mit Ingolstadt lieferten) schossen die Straubinger die Österreicher 10:0 ab. Was die Form des Teams von Trainer Tom Pokel nach einer insgesamt guten Vorbereitung noch einmal unterstrich.

Dreimal nacheinander haben die Tigers zuletzt einen Playoff-Platz erreicht, was ihnen zuvor noch nie gelang. Zudem konnte der Sportliche Leiter Jason Dunham das Team im Sommer allem Anschein nach individuell noch einmal verbessern. "Wenn alles passt", habe er schon das Gefühl, dass auch diese Saison wieder erfolgreich werden könnte. Einen ersten Anhaltspunkt gibt schon das Auftaktduell mit dem Titelfavoriten Adler Mannheim am Freitag (19.30 Uhr) - im kühlen Straubinger Stadion und vor Fans.

Brad McClure (Augsburger Panther 89), Augsburger Panther - SC Bietigheim Steelers, Eishockey, Deutsche Eishockey Liga, 2

In Torjägerlaune: Augsburgs Brad McClure.

(Foto: Burghard Schreyer/kolbert-press/imago)

Augsburger Panther

Als sie nicht mehr weiterwussten, riefen sie in Augsburg die Geister. Statt wie geplant vor Zusehern absolvierten die Augsburger Panther das Testspiel gegen den Aufsteiger Bietigheim Steelers Ende August im leeren Curt-Frenzel-Stadion. Es war ein harter Schritt, aber anders hätten sie nicht jeden Dauerkartenbesitzer gleichbehandeln und in die Halle lassen dürfen. Die Maßnahme war zudem eine Kritik daran, dass Bayern zu diesem Zeitpunkt weniger Zuschauer als andere Länder in die Stadien ließ, laut AEV "eine spürbare wirtschaftliche und sportliche Benachteiligung". Die anderen DEL-Klubs aus dem Freistaat - mit Ausnahme der Münchner - schlossen sich der Kritik an und sind auch Teil der Interessenvertretung "Indoor-Teamsport Bayern". Und mittlerweile ist ja auch das Kabinett um Söder anderer Meinung (siehe Ingolstadt), die Vereine dürfen die Hallen komplett füllen, wenn ihre Fans zumindest medizinische Masken tragen.

Ende gut, alles gut also nach der Vorbereitung? Finanziell und infrastrukturell ja, auf dem Eis stimmt der Spruch aber nicht ganz beim AEV. Vier Siegen stehen drei Niederlagen gegenüber, das letzte Testspiel endete 3:4 in Schwenningen. In Torjägerlaune zeigten sich zuletzt Brad Mcclure, Adam Payerl und die jungen Eisenmenger-Brüder. Und in dem offensiven Verteidiger Jesse Graham hat der Verein für das ausgerufene Ziel Playoff-Teilnahme nun einen "hervorragenden Quarterback im Powerplay", wie der neue Trainer Mark Pederson sagt. Der Coach folgte im Sommer auf Tray Tuomie und wurde in Dänemark bereits zweimal Meister mit Esbjerg Energy. Er kann seine Panther nun noch etwas länger vorbereiten - sie starten erst am Sonntag (16.30 Uhr) bei der Düsseldorfer EG, am Freitag haben sie spielfrei.

Nürnberg Ice Tigers

Wolfgang Gastner ist seit einigen Tagen ein sehr glücklicher Mann. Es sei "Wahnsinn", wie viele Steine ihm vom Herzen gefallen sind, sagte der Geschäftsführer der Nürnberg Ice Tigers, nachdem feststand, dass auf Basis der 14. und damit neuesten Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung die Nürnberger Eis-Arena pünktlich zum Saisonstart voll gemacht werden kann. Er könne gar nicht beschreiben, wie glücklich er sei, frohlockte Gastner. Sein Trainer Frank Fischöder war in den letzten Wochen auch "unglaublich froh", was daran lag, dass er eine normale Saisonvorbereitung mit seiner Mannschaft absolvieren konnte. Das war dem 50-Jährigen in seiner letztjährigen DEL-Premierenspielzeit aufgrund der vielen Corona-Unsicherheiten verwehrt geblieben. Eine "vernünftige Vorbereitung" sei das Beste, was man sich als Trainer wünschen kann, betonte Fischöder.

Die zahlreichen Glücksmomente tun den Franken gut, denn die vergangene Saison verlief für sie alles andere als erfreulich. Der Playoff-Zug war ziemlich früh ohne sie abgefahren, erst am Ende fanden sie etwas Konstanz. Die zweitwenigsten Punkte aller 14 DEL-Teams waren dennoch enttäuschend, Niklas Treutles Ziel, "das letzte Jahr vergessen" zu machen, ist mehr als nachvollziehbar. Ähnliches sollte den Ice Tigers in der neuen Spielzeit, in der es mindestens einen Absteiger geben wird, besser nicht widerfahren.

Testspielsiege gegen die DEL-Konkurrenz aus Wolfsburg und Iserlohn machen den Franken Hoffnung, allerdings sind in Nick Walsh, Tyler Sheehy und Gregor MacLeod drei der neuen Importspieler ziemlich jung und haben so gut wie keine Europa-Erfahrung. Marcus Weber spricht von einer "jungen und hungrigen" Mannschaft, die auf jeden Fall ins Nürnberger Konzept passe. Die Frage ist, ob sie auch das Zeug für die Playoff-Qualifikation hat. Stabilität und Erfahrung sollen neben Kapitän Patrick Reimer auch die Neuen Ryan Stoa (Angriff) und Blake Parlett (Abwehr) einbringen.

Chef-Trainer Don Jackson (EHC Red Bull Muenchen) feierte bei diesem Spiel seinen Geburtstag. EHC Red Bull Muenchen gege

Münchens Trainer Don Jackson.

(Foto: Heike Feiner/Eibner/imago)

EHC München

Pflichtspiele vor heimischem Publikum? Für den EHC Red Bull München ist das fast schon wieder ein alter Hut. Na ja, nicht ganz: Zweimal durfte er sich in der vergangenen Woche über Fans in der Münchner Olympia-Eishalle freuen, beide Spiele in der Champions Hockey League (CHL) gewann er. Alle Spieler seien froh, "keine blauen Sitzschalen mehr, sondern Menschen" zu sehen, wenn man aufs Eis gehe, sagte Kapitän Patrick Hager.

So etwas wie vergangene Saison, die für die Münchner mit dem Aus in der ersten Playoffrunde endete, wollen sie beim EHC aber nicht mehr sehen. Das sei nicht nach seinen Vorstellungen gewesen, sagte Manager Christian Winkler am Dienstag, dadurch habe man "an der ein oder anderen Schraube mehr gedreht, als vorher vermutet wurde". Einige der neuen Schrauben sitzen schon sehr gut: Frederik Tiffels und Ben Street harmonieren in ihrer Angriffsreihe prächtig mit Torjäger Trevor Parkes, Verteidiger Jonathon Blum setzte auch schon Offensiv-Akzente. Ben Smith, der vom großen Rivalen aus Mannheim, wo er Kapitän war, abgeworben wurde, konnte noch wenig zeigen, da er sich im zweiten CHL-Spiel verletzte. "Wir sind selbstbewusst", betonte Hager.

Die vier Champions-League-Spiele, von denen drei gewonnen wurden, haben der Mannschaft von DEL-Rekord-Trainer Don Jackson, der in seine 17. DEL-Saison geht, frühes Selbstvertrauen gegeben. "Der Trend ist absolut richtig", sagte Winkler, "wir sind sehr zufrieden." Nun sollen erste Ausrufezeichen in der Liga folgen. Das Auftaktspiel bei Meister Eisbären Berlin (Donnerstag, 19.30 Uhr) sei gleich eine "Riesen-Möglichkeit" zu zeigen, "wie stark wir diese Saison sind", unterstrich Hager. Das Saisonziel sei "klar" - und zwar dasselbe, wie auch in den vergangenen Jahren: der Meistertitel. Der fehlt in München seit 2018 und damit aus EHC-Sicht eindeutig zu lange. Oder um es in Parkes' Worten zu sagen: "Zeit zurückzuerobern, was uns gehört."

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