Wahl zum Eisschnelllauf-Präsidenten:Unruhe bei einem Teil der Aktiven

Außerdem will er sich im Falle seiner Wahl im Präsidium dafür einsetzen, den Eisschnelllaufvereinen eine Kürzung der Mitgliedsbeiträge zu gewähren. Begründet wird die Maßnahme damit, dass es an der Zeit sei, "Danke zu sagen" für den unermüdlichen Einsatz der Ehrenämtler. Dass dies als Wahlkampfhilfe verstanden werden könne, lässt er als Einwand nicht gelten: "Ich bleibe dabei: Wenn den Landesverbänden, Vereinen, Athleten und Mitarbeitern der DESG geholfen wird, ihre sportlichen und beruflichen Aufgaben unter optimierten Bedingungen zu erfüllen, dann ist das eine Wohltat, nichts anderes."

Wie er den Verband zu führen gedenkt, hatte Große früh wissen lassen: "Ich mache meine Arbeit, ich baue mein System auf, ich schaffe Tatsachen", erklärte im Juli. Nach diesem Prinzip entließ er den Bundestrainer Erik Bouwman, dessen Streit mit Pechstein im Winter eskaliert war. Dann kündigte er dem Sportdirektor Matthias Kulik wegen "indiskutablen Fehlverhaltens über Monate". Auch mit Kulik, der Große die Betreuer-Akkreditierung für die Weltcupsaison entzogen hatte, lag das "Team Pechstein" überkreuz. Falls es im letzten Fall, wie befürchtet, zum Rechtsstreit käme, übernähme womöglich die öffentliche Hand die Kosten. Das BMI nimmt zu hypothetischen Entwicklungen keine Stellung. Grundsätzlich, so heißt es aber auf Anfrage, seien die Bundessportfachverbände berechtigt, aus den Zuwendungen fürs Leistungssportpersonal "im Bedarfsfall Abfindungen zu finanzieren".

Die Aufgaben des Sportdirektors soll die frühere Chemnitzer Eisschnellläuferin Nadine Seidenglanz übernehmen, die im Management des niederländischen Verbandes KNSB arbeitete. Zur Wahl tritt Große mit den Vizepräsidentschaftskandidaten Gert Oestreich (Dresden) und Harald Löffler (Oberstdorf) an. Marina Wunderlich (Berlin) soll Schatzmeisterin werden.

In Teilen des Sports sorgt die Personalie Große noch immer für Skepsis. "Wir werden nach dem bisherigen öffentlich gewordenen Agieren des kommissarischen Präsidenten sehen, ob die Mitglieder dem neuen Stil fristloser Kündigungen im Bereich des Leistungssportpersonals oder vorab gemachter finanzieller Versprechungen an Athleten oder Landesverbände folgen möchten", sagt Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag. Dass Großes Auftreten polarisiert, dass diverse Beteiligte im Sport sich in der Vergangenheit eingeschüchtert fühlten, ist ihr bekannt. Die SPD-Politikerin hatte vor zehn Jahren nach Anrufen Großes in ihrem Büro sogar den Sicherheitsdienst informiert. Vorige Woche hat der kommissarische DESG-Präsident verkündet ("mein Gruß geht an Frau Freitag"), dass er über die Fraktion Die Linke eine Einladung in den Sportausschuss erhalten werde und fügte an: "Dieser Punkt geht an mich." Dagmar Freitag konterte: "Für triumphale Äußerungen" bestehe kein Anlass: "Bislang gibt es keinen Antrag irgendeiner Fraktion, ihn in den Sportausschuss einzuladen."

Für Unruhe hatte die Positionierung des Pechstein-Lebensgefährten an der Verbandsspitze auch bei den Aktiven gesorgt: Einerseits, weil sie den kommissarischen Präsidenten hier in einem Interessenskonflikt sahen; andererseits berichteten die DESG-Athletensprecher noch im Juli über die Angst vieler Kollegen, offen ihre Meinung zu sagen. Von manchen Sportlern, sagte Moritz Geisreiter dieser Tage, werde Große als "herrisch und schwieriger Typ" beschrieben, von anderen als "Macher und Anpacker". Große selbst glaubt nach seinem Wahlkampf, dass er viele Kritiker überzeugt hat. Er habe seine "Besuche in den Leistungszentren genutzt, um bei den Shorttrackern und Eisschnellläufern intensive Gespräche zu führen", teilt er mit. "Da wurde kein Blatt vor den Mund genommen, ängstliche Sportler agieren anders."

Für die Versammlung in Frankfurt hat der DEC Inzell trotzdem den Antrag gestellt, Vertreter der Athleten und der Landesverbände ins Präsidium zu wählen. Je mehr Stimmen angehört werden, hieß es dazu, umso besser.

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