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Inter Mailand vs AC Mailand:Die Scala hat wieder geöffnet

"Sie sagten, es sei vorbei. Ich sagte: Nein!": Zlatan Ibrahimovic, 38, hier gegen Udineses William Troost-Ekong, will den AC Milan verzaubern.

(Foto: Marco Bertorello/AFP)
  • Das Mailänder Derby kehrt am Sonntagabend auf die große Bühne zurück.
  • Bei Inter sitzt das Geld nach dem Eigentümerwechsel wieder ziemlich locker. Auch AC hat die schlimmste Zeit überstanden.
  • Hier geht es zur Tabelle der Serie A.

Es war einmal in der Scala des Calcio, ein Stück mit dem Titel Derby della Madonnina: Zweimal im Jahr wurde das klassische Heldenepos aufgeführt, brillante Ensembles gaben sich die Ehre. Die Hauptrollen waren besetzt mit Stars aus aller Welt, mit dem Brasilianer Ronaldo, dem Ukrainer Schewtschenko, dem Kameruner Eto'o. Hinten spielte meist ein Quartett begnadeter Italiener, und in der Ehrenloge saß neben dem Ministerpräsidenten Berlusconi der Großindustrielle Moratti, sie waren die Chefs bei der Associazione Calcio Milan und ihrer Lokalrivalin Internazionale.

So hat sie früher ausgesehen, die Fußballoper im San Siro. In den vergangenen Jahren war da aber nicht mehr viel Glanz, wenn die beiden Klubs aufeinander trafen. Die Mailänder Stadtmeisterschaft fiel sogar eher ins Genre Tragikkomödie. Und neben dem Platz gab es noch eine Menge Kasperltheater. Am Sonntag steht nun die 223. Auflage des Duells an. Und was soll man sagen? Die Zeiten waren zwar schon mal besser - aber auch schon schlechter.

Inter hat sich mittlerweile zum ersten Verfolger von Tabellenführer Juventus in Sachen Meisterschaft aufgeschwungen. Dass es bei den Nerazzurri wieder um Trophäen geht, hat viel mit zwei Überläufern vom Turiner Erzrivalen zu tun: Der eine, Sportdirektor Giuseppe Marotta, baute einst mit der Verpflichtung des anderen, Trainer Antonio Conte, das Fundament für die Turiner Dominanz. Und diese wollen sie jetzt ausgerechnet von Mailand aus zum Einsturz bringen. Im Sommer holte Marotta, der seit 2018 bei Inter ist, den Disziplinfanatiker Conte und machte ihn zum bestbezahlten Trainer des Landes.

Die Tifosi sind angetan von den neuen Eigentümern

Das Geld sitzt wieder ziemlich locker bei den Lombarden - nur: Wo kommt es her? Seit 2016 ist der Klub im Besitz des chinesischen Handelsriesen Suning, dessen Chef Zhang Jindong gehört zu den reichsten Männern in Fernost. Der Vertraute von Staatschef Xi Jinping sitzt auch im Nationalen Volkskongress. Gemeinsam sind die beiden Chinesen im vergangenen Jahr nach Rom gereist, um mit der italienischen Regierung über die "Neue Seidenstraße" zu verhandeln, Chinas gigantisches Infrastrukturprojekt. Ein bisschen über den Calcio generierte Popularität kann nicht schaden, wenn man große Politik machen will. Auch zu diesem Zweck hat Zhang Jindong seinen Sohn als Statthalter abgestellt: Inter-Präsident ist Steven Zhang, 28, ein Fußball-Novize.

Die Tifosi sind trotzdem angetan von den neuen Eigentümern, immerhin präsentieren diese endlich wieder neue Stars. Im Sommer kam unter anderem der Belgier Romelu Lukaku von Manchester United für angeblich 65 Millionen Euro, der teuerste Spieler der Vereinsgeschichte. Zusammen mit Lautaro Martínez bildet der Belgier ein furioses Sturmduo, das im Derby aber auseinandergerissen wird: Martínez fehlt wegen einer Rotsperre. Sicher mitwirken wird Königstransfer Christian Eriksen, der kürzlich von Tottenham Hotspur kam und dem Mittelfeld mehr Finesse verleihen soll.

Als bislang erster Spieler wurde der Däne übrigens in der echten Mailänder Scala vorgestellt, das passte zum neuen Anspruchsdenken. Die Gazzetta dello Sport schrieb kürzlich: "Februar ist der Monat des Faschings, aber Inter ist nicht zu Scherzen aufgelegt." Das will schon was heißen bei einem Klub, den man in Italien "Pazza Inter" ruft: verrücktes Inter. Chaos war oft Teil der DNA, in den Jahren vor Marotta und Conte hatte man es damit sehr übertrieben.

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